Fremde im Zug, Der / Verschwörung im Nordexpress

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Bewertung
*****
Originaltitel
Strangers on a Train
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1951
Darsteller

Farley Granger, Robert Walker, Ruth Roman, Leo G. Carroll, Patricia Hitchcock

Regie
Alfred Hitchcock
Farbe
Farbe
Laufzeit
103 min
Bildformat
Vollbild
 

 

Bild Bild Der Fremde im Zug-Poster-web4.jpg Bild
© Warner Bros.
 
Auf einer Zugfahrt lernt der bekannte Tennisprofi Guy Haines (Farley Granger) den exzentrischen Lebemann Bruno Antony (Robert Walker) kennen. Im munteren Gespräch beim Frühstück im Abteil entwickelt Antony rein hypotetisch folgenden Vorschlag. Er bringt für den Tennisspieler dessen ihm lästige Ehefrau um, die Musikhändlerin Miriam Joyce Haines (Kasey Rogers), wenn Haines im Gegenzug den Bruno seit Kindertagen verhassten Vater (Jonathan Hale) ermordet. Da die Polizei stets Motive brauche, um einen Täter dingfest zu machen, sei nur das vollends motivlose Verbrechens narrensicher. Guy Haines zeigt sich von der Wendung des Gesprächs eher befremdet als belustigt. Doch dann geschieht das Unfassbare: Haines’ von ihm getrennt lebende Ehefrau Miriam wird nachts auf einem Rummelplatz ermordet aufgefunden. Der Tennisspieler, der mit Anne Morton (Ruth Roman) liiert ist, Tochter eines angesehenen Senators (Leo G. Carroll), wird nun von der Polizei des Mordes verdächtigt. Bei einem öffentlichen Streit hatte er sich unbedacht geäußert und es gibt Belastungszeugen. Da taucht Bruno Antony auf und fordert von Guy Haines, sich an seinen Teil der im Zug getroffenen Vereinbarung zu halten und Brunos unliebsamen Vater zu töten…
 
Hitchcock ist Hitchcock. Es fällt schwer, seine Filme zu kategorisieren, etwa als einen Film Noir. Da solcher "Film Noir" aber strenggenommen keine ausdefinierte Kategorie, also kein Filmgenre vorstellt, lässt sich im vorliegenden Fall wie auch bei Der falsche Mann (USA 1956) sagen, dass die Filme durchaus dem Kanon des Film Noirs zuzurechnen sind. Das facetten- und kontrastreiche Schwarzweiß, die Meisterschaft im Umgang mit Licht- und Schattenzonen, die bizarren Kameraperspektiven, all die künstlerischen Freiheiten, deren sich Alfred Hitchcock und sein Kanmeramann Robert Burks hier bedienen, zeichnen Der Fremde im Zug / Verschwörung im Nordexpress ganz besonders aus. Dennoch ist dieses ein beim Fernsehpublikum, das auch gern mal einen Thriller vom Alfred Hitchcock sieht, nur wenig bekannter Film – wie überhaupt Hitchcocks vier Schwarzweißfilme der Fünfziger in der Popularität zu Unrecht hinter den Farbfilmen zurückstehen.
 
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© Warner Bros.
 
Farley Granger, Ruth Roman, Robert Walker – 1951 waren diese Namen bekannt, heute sind sie es kaum noch. Aber sowohl Fairley Granger als auch der jung verstorbene Robert Walker (1918-1951 und hier in seinem vorletzten Film) zeigen Schauspiel der Extraklasse. Farley Granger hatte bereits in Cocktail für eine Leiche (USA 1948) mit Alfred Hitchcock gearbeitet. Danach war er sowohl bei Anthony Mann (Side Street, USA 1950) als auch bei Mark Robson (Auf des Schicksals Schneide, USA 1950) in Film Noirs aufgetreten. Eine lückenlose Dramaturgie, eine sich gnadenlos entwickelnde Spannung und pfeilschnelle Dialoge aus der Feder des Drehbuchautors Raymond Chandler, der hier einen Roman Patricia Highsmiths für die Leinwand bearbeitete, machen Der Fremde im Zug / Verschwörung im Nordexpress zu einem Muss in der Werksgeschichte seines Regisseurs und auch in Sachen Film Noir. Unbedingt anschauen!
 
Das Besondere an der wunderbaren 2DVD von Warner Bros. Entertainment Inc. (2004) ist die 103 Minuten lange Fassung der Preview-Version, die nach 1951 nie wieder zu sehen war. Sie ist um ganze 10 Minuten länger als die deutsche und noch um 6 Minuten länger als die US-Kinoversion, die beide auch auf der 2DVD enthalten sind. Erstmals ist der Film dank Preview-Version heute in der von Hitchcock erstellten Originalfassung zu sehen. Diese Version mit Untertiteln ist die einzig wahre. Ansonsten bietet die 2DVD haufenweise Extras, die für Alfred-Hitchcock-Freunde eine wahre Fundgrube sind.
 

Film Noir | 1951 | USA | Alfred Hitchcock | Patricia Highsmith | Raymond Chandler | Robert Burks | Farley Granger | Howard St. John | John Doucette | Peter Brocco | Robert Walker | Ruth Roman

Vergangene Woche gekauft und gestern Abend angeschaut, zum ersten Mal in der 'Extended Preview Version'.

Mein Eindruck aus der Vergangenheit hat sich bestätigt: Zwar ist das Finale auf dem Karussell recht rasant und dramatisch, doch die stärksten Momente des Films sind für mich - neben dem Mord am Seeufer - jene Szenen, in denen Bruno ungefragt in die Empfänge des Senators und anderer Honoratioren platzt und die Gesellschaft dort abwechselnd amüsiert, verwirrt oder verstört. Unnachahmlich, wie die zwei älteren Damen, angestachelt von Bruno, plötzlich über den perfekten Mord referieren (wie einst der Familienvater mit seinem jungen Nachbarn in 'Shadow of a Doubt', USA 1943), bevor die Stimmung unversehens umschlägt und das Ganze prompt in eine fast fatale Würgeeinlage mündet.

Auch die Begegnungen zwischen Bruno und seiner Mutter triefen teils von schwarzem Humor. Alles in allem steht 'Strangers on a Train' deshalb für mich näher an einer pechschwarzen Komödie in der Nachbarschaft von Alexander Mackendricks grandiosem 'Ladykillers' (UK 1955). Für einen düsteren Film-Noir-Klassiker besitzt das Werk zu viele komödiantische, zuweilen nahezu parodistische Züge.

Alfred Hitchcocks denkwürdiger, wesentlich humorloserer und trüber 'The Wrong Man'(USA 1956) ist in meinen Augen deutlich mehr Film Noir.

Submitted by EMB (nicht überprüft) on 15. März 2018 - 0:14

Permanenter Link

Bezüglich des vorangehenden Kommentars stellt sich mir die Frage, ob (schwarzer) Humor und Film Noir per se einen Widerspruch darstellen (müssen). Dass „Sunset Boulevard“ ein absoluter Klassiker des Film Noir ist, würde wohl kaum jemand bezweifeln. Dabei könnte man diesen Film durchaus als eine, wenn auch bittere, Satire bezeichnen, deren Stärke sich eben gerade auch aus ihrem beißenden, teils fast schon grotesk überzeichnetem Humor speist. Hier sei exemplarisch nur mal auf das Begräbnis des Haus-Affen oder auf das Kartenspiel der ausgemusterten Stummfilmstars verwiesen.

Auch „D.O.A. - Opfer der Unterwelt“ ist ein Film, der üblicherweise unangefochten dem Kanon des Film Noir zugerechnet wird und der mit seinem (selbst-)ironischen, mitunter fast schon absurden Humor besticht („Leuchtendes Gift“... da muss ich immer wieder schmunzeln).
Auch „Straße der Versuchung“ oder „Spiel mit dem Tode“ wären Beispiele für Films Noir, in denen Humor wesentlich zur Qualität beiträgt. Wieso sollte dies bei „Der Fremde im Zug“ anders sein?

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