Desperate

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Bewertung
***
Originaltitel
Desperate
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

Steve Brodie, Audrey Long, Raymond Burr, Douglas Fowley, William Challee

Regie
Anthony Mann
Farbe
s/w
Laufzeit
73 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Warner Bros.

Der Kriegsheimkehrer Steve Randall (Steve Brodie) ist ein unabhängiger Spediteur und bietet seinen Lastwagen für alle Arten von Transportfahrten feil. Er steht mit seiner Karriere noch am Anfang und ebenso in seiner Ehe mit Anne (Audrey Long), die heute exakt vier Monate alt wird. Dafür hat er der Geliebten einen Strauß Blumen besorgt, doch der im Haus wohnende Knabe Richard (Teddy Infuhr) findet ein solches Jubiläum eher komisch, Indessen bereitet Anne mit ihrer Freundin (Carol Forman) das Abendessen vor, mit dem sie Steve gern überraschen möchte. Nur dass sie schwanger ist, soll die junge Ehefrau ihrem Mann besser erst nach dem Essen bei Kerzenschein mitteilen. Als Anne und Steve sich bereits auf ihren gemeinsamen Abend einstimmen, erwähnt sie noch eine Bitte um Rückruf und Steve ruft die notierte Nummer sofort an. Ein gewisser Mr. Reynolds (William Challee) möchte Randall gern noch an diesem Abend für einen Transport buchen. Der will spontan absagen, doch Reynolds bietet ihm stolze 50 US-Dollar für seine Dienste, und das Geld können die Randalls gerade gut brauchen…. Steve Randall ahnt allerdings nicht, dass der ihm aus Jugendtagen bekannte Walt Radak (Raymond Burr) hinter dem Anruf steckt, der Steve Randall mit seinem Lkw zum Warehouse 3 in der West Street bestellt und zwar um exakt 7:00 Uhr am Abend. Radak will mit Reynolds, mit Shorty Abbott (Freddie Steele) und mit Joe Daly (Lee Frederick) das bezeichnete Lagerhaus ausrauben. Dafür soll ihm Steve Randall als harmloser Mittäter dienen, der Polizei völlig unbekannt…

 

Es gibt nach Wiederentdeckung und Aufbereitung jenes internationalen Kulturerbes, das der klassische Film Noir darstellt, eine Tendenz, manche seiner Werke und manche seiner Protagonisten zu überschätzen. Anthony Mann steht für mich an erster Stelle, ein solider und mitunter innovativer Regisseur, dessen Film Noirs teils gravierende Schwächen aufweisen. Desperate ist dafür ein Musterbeispiel, insofern der Zuschauer an mehreren Stellen eine bemerkenswerte Ausleuchtung und Kameraarbeit erlebt, für die wiederum George E. Diskant das Lob gebührt, aber eine am Rand der Lächerlichkeit simple und unglaubwürdige Geschichte. Der von Drehbuchautor Harry Essex nach einer Erzählung Anthony Manns und Dorothy Atlas‘ ganz offensichtlich nach dem Strickmuster “Lovers on The Run“ gestrickte Hauptteil des Films entbehrt jeder Notwendigkeit gemäß seiner Handlungslogik. Dass Steve Randall seine Frau Anne fernab der Stadt bei ihren tschechischen Verwandten (Ilke Grüning, Paul E. Burns) auf Gedeih und Verderb in Sicherheit bringen möchte, anstatt den Schutz der Polizei in Anspruch zu nehmen, ist absurd. Geradezu hanebüchen ist aber die Reaktion der ermittelnden Behörden in Gestalt Detective Lieutenant Louie Ferraris (Jason Robards sr.), als Randall diesen Schritt tatsächlich vollzieht, von dem wiederum der Rest der Handlung in Abhängigkeit steht… Hier und an anderen Stellen kann der Zuschauer den Autoren der Erzählung in die Karten gucken und erkennen, wie holprig sie gestrickt ist, nur damit auf A erst B und im Anschluss C folgt. Was Anthony Mann gelingt, ist der Inszenierung geschuldet. Sein Walt Radak in der Darstellung durch Raymond Burr ist ein impulsiver Koloss, ein stets gewaltbereiter Gangster ohne Kontrolle über sein Temperament. Potentielle und explizite Gewalt ist in Anthony Manns Film Noirs ein Merkmal, das sein Schaffen auszeichnet.

 

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© Warner Bros.

“Time stretches, the cops look one way and then the next, it's a bit far-fetched. Steve Brodie is also a bit too milquetoast, the guy has no real acting chops,” schlussfolgert James S. Rich in seiner Rezension für DVD Talk mit Fug und Recht. Trotz einer kurzen Spielzeit von 73 Minuten gelingt es Mann nicht, nach einem soliden Beginn und vor dem akkurat inszenierten Finale die Spannung aufrecht zu erhalten. Was wie Fritz Langs Gehetzt / Du lebst nur einmal (USA 1937) wirken soll, - auch Anne Randalls Schwangerschaft darf als Spannungsmoment herhalten – erweist sich als müder Abklatsch. Zudem zeigt sich Steve Brodie in seiner einzigen Hauptrolle als blass; sein Rollencharakter verfügt außer über Rechtschaffenheit und Sturheit über keinerlei Charaktereigenschaften und sogar Douglas Fowley und William Challee spielen Brodie an die Wand. Wunderbar ist hingegen die Choreographie des Finales, das einiges von künftigen Leistungen Anthony Manns vorwegnimmt. Kurze Zeit später arbeitete er bei Geheimagent T (USA 1947) erstmalig mit Kameralegende John Alton zusammen, eine für beide ideale Partnerschaft, die bis 1950 andauern sollte. Allerdings ist Geheimagent T der am vielleicht meisten überschätzte klassische Film Noir überhaupt, ein vom FBI mitfinanzierter Propagandastreifen, dem Schritte in der Nacht (USA 1948) nachfolgte. Erst Flucht ohne Ausweg (USA 1948) mit Claire Trevor und erneut mit Raymond Burr wurde zu einem Film Noir, der genau wegen Anthony Manns und John Altons Zusammenwirken als B-Produktion über sich hinauswies.

 

Die in der 4-DVD-Box Film Noir Classic Collection Vol. 5 von Warner Bros. Home Entertainment, Inc. präsentierte Fassung des Films ist bild- und tontechnisch von exzellenter Qualität, ungekürzt im Originalformat mit dem original englischen Ton und inklusive optional englischer, französischer oder spanischer Untertitel, allerdings ohne Extras.

 


Film Noir | 1947 | USA | Anthony Mann | George E. Diskant | Douglas Fowley | Raymond Burr | Steve Brodie

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