Lonely Hearts Killers

banner_noir_film_festival-2018.jpg


Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


Brighton Rock


Hier klicken zur Blu-ray


banner_der_film_noir_3.jpg


Bewertung
****
Originaltitel
Lonely Hearts
Kategorie
Neo Noir
Land
GER/USA
Erscheinungsjahr
2006
Darsteller

John Travolta, James Gandolfini, Jared Leto, Salma Hayek, Scott Caan

Regie
Todd Robinson
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
103 min
Bildformat
Widescreen

 


 

Lonely Hearts Killers-Poster-web1.jpg Lonely Hearts Killers-Poster-web2.jpg Lonely Hearts Killers-Poster-web3.jpg Lonely Hearts Killers-Poster-web4.jpg

© 3L Vertriebs GmbH & Co. KG

Mineola im Bundesstaat New York, man schreibt das Jahr 1948: Police Detective Elmer C. Robinson (John Travolta) ist verheiratet und hat einen Sohn namens Eddie (Dan Byrd). Am Abend seines Hochzeitstages deckt seine Frau Annie den Tisch mit einem Kuchen, darauf “Happy Anniversary“ zu lesen ist. Als er nicht kommt, trägt sie ihren Teller zurück in die Küche, legt stattdessen das Familienalbum an Ort und Stelle sowie ihren Ehering darauf, bevor sie die Treppen empor ins Badezimmer geht und sich per Kopfschuss das Leben nimmt… Drei Jahre später, am 8. März 1951 betreten Elmer Robinson und sein Kollege Det. Charles Hildebrandt (James Gandolfini) das Staatsgefängnis Sing Sing, New York. Hier werden sie von Detective Eastman (Bruce MacVittie) mit ironischer Jovialität in Empfang genommen, was Hildebrandt scharf und knapp kommentiert. Die Anwesenden sollen heute der Hinrichtung von Raymond Fernandez (Jared Leto) und seiner Komplizin Martha Beck (Salma Hayek) beiwohnen und betreten gemeinsam die Kammer mit dem elektrischen Stuhl… Vor einigen Jahren war Ray Fernandez ein aalglatter und erfolgreicher Hochstapler, der mit Kriegswitwen und anderen alleinstehenden Frauen, die in einschlägigen Magazinen Kontaktanzeigen schalteten, brieflich Verbindung aufnahm und sie um ihr Vermögen brachte. Doch dann lernte er Martha Beck (Salma Hayek) kennen, die ihn sofort durchschaute. Mit ihr ging er eine Partnerschaft ein, die für sein Treiben bald mörderische Konsequenzen nach sich zog…

 

“Has anybody ever loved you that much, detective? To kill or die... for you?” Der Drehbuchautor und Regisseur Todd Robinson verfilmte mit Lonely Hearts Killers die wohl berühmteste Episode aus dem Leben seines eigenen Großvaters - Police Detective Elmer C. Robinson. Sein Film beruht folglich auf Tatsachen, wurde allerdings durch Leonard Kastle als The Honeymoon Killers (USA 1969) schon einmal verfilmt, wobei in dessen Schwarzweißfilm mit Toni Lo Bianco (French Connection / Brennpunkt Brooklyn, USA 1971) als Ray Fernandez und Shirley Stoler als Martha Beck die Polizisten nicht auftauchen. Kastles Werk ist unglaublich schonungslos und kaputt, ein B-Film par excellence, der seit langem Kultstatus genießt und vor allem Martha Beck historisch akkurat als Schwergewicht jenseits der 100 Kilogramm zeigt und nicht als verführerische Femme fatale. Todd Robinsons Neuverfilmung der Ereignisse um das Pärchen, das seinerzeit eine lange blutige Spur im US-amerikanischen Osten hinterließ, ist opulentes Retrokino, ein Neo Noir, der sich in vieler Hinsicht auch am Kinoschaffen der Jahre seiner Filmhandlung orientiert. Die polierte Oberfläche wirkte seinerzeit störend auf einige Kritiker, dabei macht Robinson schon im Vorspann mit dem Selbstmord Annie Robinsons klar, dass es in den nächsten 100 Minuten ums Eingemachte gehen wird. Lonely Hearts Killers hebt mit einem Paukenschlag an und wird, wenn die Ereignisse Ray Fernandez in den Abgrund ziehen und ihn konsequent dort unten lassen, zusehends rabenschwarz. Ich war im Mittelteil von der Dramaturgie nicht immer überzeugt, doch die letzten 30 Minuten sind erstklassig und das Ende dieser deutsch-amerikanischen Independentproduktion ist konsequent jenseits der sonst üblichen Hollywoodklischees.

 

Lonely Hearts-still-web1.jpg Lonely Hearts-still-web3.jpg Lonely Hearts-still-web2.jpg

© 3L Vertriebs GmbH & Co. KG

“Ein ziemlich blutiger, ziemlich deprimierender, von Regie-Debütant Todd Robinson mit einer hochkarätigen Besetzung routiniert in Szene gesetzter Streifen (…) – die Bezeichnung Film noir ist angebracht“, schrieb Michael Krassnitz seinerzeit für das österreichische Journal Die Furche und das trifft es. Ich halte John Travolta für überschätzt, was sich auch in diesem Film niederschlägt, seine Leistung ist allemal solide. Gandolfini und Hayek sind exquisit, auch Jared Leto macht seine Sache gut - im Ganzen gibt es an den Rollencharakteren wenig auszusetzen. Dass Todd Robinson bei René Fodie mit Laura Dern in der Rolle solcher Geliebten seines Großvaters eine Frau ohne jeglichen Glamour wählte, bekommt sowohl der Figur als auch seinem Bild von den Polizisten insgesamt. Noch die Nebenrollen sind klasse besetzt, allen voran fallen Alice Krige und Dagmara Dominczyk angenehm auf. Schauplätze und Dekor sind nahezu perfekt und Peter Levy als Kameramann tut ein Übriges. Dennoch kam Lonely Hearts Killers hierzulande erst 10 Monate nach seiner Festivalpremiere in den USA in die Kinos und hinterließ keinen großen Eindruck. Für Freunde des Film Noirs ist das Werk sicher zu empfehlen, ein Meisterstück ist es demgegenüber nicht. Dafür hätte es im Mittelteil etwas knackiger sein und an Stelle John Travoltas jemanden wie Ray Liotta oder William H. Macy bringen müssen.

 

Exzellente BD- und DVD-Editionen (2011) der 3L Vertriebs GmbH & Co. KG mit dem Film ungekürzt im Originalformat, wahlweise englischen oder deutschen Ton, optional deutsche Untertitel, ein kurzes Making Of, den Kinotrailer und mehrere Bildergalerien als Extras. Im Übrigen findet sich dieser Neo Noir auch in der Online-Videothek maxdome.

 

Neo Noir | 2006 | USA | Todd Robinson | James Gandolfini | Dagmara Dominczyk | Laura Dern

Neuen Kommentar schreiben

Durch Absenden dieses Formulars akzeptieren Sie die Mollom Privatsphärenrichtlinie.