embrujo de Shanghai, El

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Bewertung
****
Originaltitel
embrujo de Shanghai, El
Kategorie
Neo Noir
Land
ESP/FRA/UK
Erscheinungsjahr
2002
Darsteller

Fernando Tielve, Aida Folch, Ariadna Gil, Fernando Fernán Gómez, Eduard Fernández

Regie
Fernando Trueba
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
119 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Barcelona, Spanien, im Jahr 1946: Dani (Fernando Tielve) erinnert sich daran, wie die Geschichte in seiner Heimatstadt damals begann. Seinen Vater hätte er gern bei sich gehabt, aber jener war in den Wirren des Bürgerkriegs verschollen und wahrscheinlich tot. Seine Mutter (Cristina Dilla) arbeitete im San Pablo Hospital, er selbst ging zur  Schule, die beiden sahen sich selten. Abends hing Dani mit seinem Freund Finito Chacón (Juan José Ballesta) in den Billardräumen der Bar Juventud herum. An zwei Tagen in der Woche aß er bei Doña Conchas (Rosa Maria Sardà), genannt Betibú, der Dani von der Mutter mitunter Gemüse mitbrachte, neuerdings auch Zigarren. Letztere waren für Capitán Blay (Fernando Fernán Gómez), einen ebenso alten wie exzentrischen Untermieter der Betibú. Die Bekanntschaft mit ihm sollte Danis Leben verändern, denn Blay nutzte ihn fortan als Gehilfen und als Lehrling für seine Gänge durch die Stadt, die er in Pyjama, Pantoffeln und im Mantel antrat. Dani hatte ein großes Talent als Zeichner und Grafiker, was viele für vielversprechend hielten. Im Kino des Stadtteils, dem Cine Rovira, saß abends Señora Anita (Ariadna Gil) an der Kasse, eine Schönheit und der Schwarm aller Jungs. Sie war die Frau des legendären Widerstandskämpfers Kim (Antonio Resines), der stets irgendwo in Frankreich zu sein schien. Einst waren die beiden reich, aber nun arbeitete Anita im Kino und hatte ihre Juwelen verkauft, um die an Tuberkulose erkrankte Tochter Susana (Aida Folch) pflegen lassen zu können...
 
“This is a great-looking film, with cinematographer José Luis López Linares giving (...) the scenes depicting Forcat's stories of Susana's father (…) a nice, noir-ish feel”, schreibt Chuck Aliaga für Digitally Obsessed! In erster Linie ist El embrujo de Shanghai eine Verfilmung von Juan Marsés Roman Der Zauber von Shanghai (EA 1993), der 1995 auch auf Deutsch erschien und dessen Neuauflage als Taschenbuch seit 2003 das Foto Ariadna Gils als geheimnisvolle Chen vom spanischen Kinoplakat ziert. Dabei ist der Film in Deutschland weder im Kino gelaufen noch existiert bis heute eine deutsche BD oder DVD davon. Die internationalen Kritiken waren verhalten und das Publikum konnte sich für die (nur scheinbar) komplexe Verbindung von Fiktion und Realität in einer Mischung aus Entwicklungsroman, Partisanendrama und Film Noir gleichsam nicht erwärmen. Indessen hat Fernando Truebas Film viel zu bieten, lässt man sich aufs ruhige Tempo des dem Erzählkino der Vergangenheit verpflichteten Werkes ein. Die in Shanghai angesiedelte Erzählung über eine Femme fatale und eine Reihe zwielichtiger Europäer mit einer jeweils hinter falschem Namen und gefälschtem Pass verborgenen Identität ist eine wunderbare Referenz ans Kino des heute nur Cineasten bekannten Österreichers Josef von Sternberg, namentlich dessen Shanghai-Express (USA 1932), Abrechnung in Shanghai (USA 1941) und Macao (USA 1952). Mit einem von Herzen jener Ära des Hollywood-Kinos zugeneigten Esprit lässt Regisseur Trueba die dunkel dräuende Ambivalenz von Sternbergs Faszination für das schwüle Großstadtszenario in der chinesischen Metropole wiederauferstehen. Dabei sind in solchen in Schwarzweiß gefilmten Segmenten, darin sich der längst zur Ikone ausgerufene spanische Widerstandskämpfer Kim auf eine gefährliche Mission nach Fernost begibt, sowohl die Kulissen als auch die Rollencharaktere par excellence dem Film Noir jener Jahre geschuldet und agieren als Gestrandete ihrer Zeit im Spannungsfeld zwischen Liebe, Spionage und Drogensucht.
 
Der Bericht von Kims Mitstreiter Nandu Forcat (Eduard Fernández), der Dani und Susana über das Schicksal des berühmten Widerständlers ins Bild zu setzen vorgibt, findet in der in Barcelona angesiedelten Haupthandlung seine Entsprechungen. Letztere zeichnet ein Bild der Nachkriegswirren mit all den verschollenen oder getöteten Vätern, der Schwierigkeit des Heranwachsens in solchem Klima der Entwurzelung, das das Verschwinden einer Generation - Fernando Fernán Gómez’ Capitán Blay ist ein grandios anarchistischer Rollencharakter - nur mehr schwieriger macht. Zuletzt ist El embrujo de Shanghai jedoch ein Hohelied auf das Drama des Lebens im Film, darin sich jenseits der dokumentarischen Wahrheit einer Geschichtsschreibung dessen Gehalt abbildet. Schon zu Beginn wissen wir, dass Anita abends an der Kinokasse sitzt, dem Eingang zu den künstlichen Paradiesen, wohin Susanna am Ende des Films ihrer Mutter nachfolgt. Und während eingangs ein großes Plakat für Otto Premingers Film Noir Laura (USA 1944), der im Januar 1946 in Spanien Prämiere hatte, zu sehen ist, ist es am Ende Otto Premingers Mord in der Hochzeitsmnacht (USA 1945), der in Spanien ab März 1947 nachfolgte, und der auf Spanisch bezeichnenderweise ¿Ángel o diablo? betitelt war, die für Dani stets zentrale Fragestellung seines jungen Lebens. Mit seinen guten Schauspielerleistungen, einem pointierten Finale und der wunderbaren Kameraarbeit von López Linares ist El embrujo de Shanghai eine ebenso ungewöhnliche wie auch lohnenswerte Erweiterung des Kanons, die allerorten ein Publikum finden sollte.
 
Es gibt eine exzellente spanische DVD von Lolafilms (2002) mit dem Film ungekürzt im Originalformat und inklusive des spanischen Originaltons mit optional englischen Untertiteln, ein Making of als Extra. Empfehlenswert!
 

Neo Noir | 2002 | International | Fernando Trueba | Eduard Fernández | Ariadna Gil

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