Noch fünf Minuten zu leben

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Bewertung
***
Originaltitel
Five Minutes To Live / Door-to-Door Maniac
Kategorie
Post Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1961
Darsteller

Johnny Cash, Donald Woods, Cay Forester, Pamela Mason, Vic Tayback

Regie
Bill Karn
Farbe
s/w
Laufzeit
75 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Fred Dorella (Vic Tayback) erzählt die Geschichte seiner Bekanntschaft mit Johnny Cabot (Johnny Cash). Letzterer war an der Waterfront in Jersey City an einem Überfall beteiligt, bei dem er und sein Kumpel Pete (Max Manning) in einen Hinterhalt gerieten. Aber Johnny Cabot, der einen Polizisten mit dessen eigener Waffe niederschoss, konnte entkommen und suchte Zuflucht in dem Nest Camellia Gardens, 2000 Meilen von New Jersey entfernt. Hier hauste er mit Freundin Doris Jackson (Midge Ware) und seiner Gitarre, die er aus seinen Jahren als Sänger stets behalten hatte, in einem Motel. Doch er und Doris hatten für das Landleben nichts übrig und waren der bürgerlichen Idylle schnell überdrüssig. Da rief Max (Merle Travis), Inhaber einer Bowlingbahn, der den beiden mit ihrem Versteck behilflich gewesen war, bei Doris an. Er war mit Fred Dorella bekannt, der seinerseits Max an dem einen oder anderen Raubzug beteiligt hatte. Auch diesmal sollte Max für Fred einen zuverlässigen Partner besorgen und so trafen Doris und Johnny den ominösen Dorella in der Bowlingbahn. Doch als erstes enttarnt Fred Johnnys Freundin Doris als eine Frau, die er vor Jahr und Tag unter anderem Namen selbst kennen gelernt hat. Johnny schickt Doris ins Auto und bespricht mit Fred dessen Plan. Es geht darum, die Bank Harper Federal Trust zu überfallen und zwar zu zweit. Johnny Cabot hält das für völlig aussichtslos. Doch Fred Dorella hat sein Vorhaben mit einer diabolischen Zutat versehen - mit der Geiselnahme der Ehefrau (Cay Forester) des stellvertretenden Bankdirektors Kenneth Wilson (Donald Woods). Tatsächlich hat er den Alltag der Familie Wilson längst ausgespäht…
 
“Five Minutes to Live is certainly a film that utilizes elements of film noir, creating the foreboding and tension of a criminally charged situation with its use of lighting and space”, heißt es bei examiner.com. In der Geschichte des US-amerikanischen Film Noirs sind B-Filme oft jene Werke, die Jahrzehnte nach ihrer Enstehung beeindrucken - Perlen der Kinogeschichte wie Edgar J. Ulmers Umleitung (USA 1945), Rudolf Matés Opfer der Unterwelt (USA 1950) oder Cyril Endfields Aufruhr in Santa Sierra (USA 1950). Solche Produktionen fürs Programmkino, gern als “Double Bill“ vorgeführt, hatten geringe Budgets und kaum Ressourcen, um überhaupt zustande zu kommen. Wenn jedoch das Engagement der Filmschaffenden und der Darsteller in günstiger Weise zusammen fand, konnten außergewöhnliche Filme abseits des von der Zensur geprägten Hollywoodmainstreams entstehen. Das galt besonders für die Zeit ab den Spätfünfzigern, als die Zeichen der Zeit kulturell und politisch eine Erneuerung verkündeten. Damals befand sich mit Regisseuren wie John Cassavetes u.a. das US-Independent-Kino in seinen Anfängen. Zugleich entstanden Film-Noir-Nachzügler wie Allen Barons Explosion des Schweigens (USA 1961) oder eben Bill Karns Noch fünf Minuten zu leben. Was an Letzterem interessiert, ist die Tatsache, dass der über Jahrzehnte und seit den Mittneunzigern nochmals besonders zur Legende stilisierte Folk- und Countrysänger Johnny Cash die Hauptrolle eines pathologischen Killers spielt. Und obgleich es in dem Film kein großes Schauspiel zu sehen gibt, macht er das keinesfalls schlecht. Seine Überzeichnung des Rollencharakters erinnert an Robert Evans‘ artverwandten Felix Griffin in dem Western Noir Der Killer mit der sanften Stimme (USA 1958).
 
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Noch fünf Minuten zu leben wäre weit besser, wenn er in seinem Abschluss so zupackend wäre, wie er es zu Beginn ist. Der Start ist zu 100% Film Noir mit Fred Dorella als Erzähler der Geschichte Johnny Cabots. Formal und inhaltlich dynamisch ziehen solche 10, 15 Minuten in den Film hinein, entfalten sie dessen Handlungsprämisse, so aberwitzig Dorellas Kombination von Bankraub und Geiselnahme auch erscheinen mag. Johnny Cash und Vic Tayback sind ein klasse Gangsterteam. Das morgendliche Frühstück bei Familie Wilson ist der spießbürgerliche Alptraum schlechthin. Dessen Verlogenheit wird erst klar, als der Mustergatte sich auf den Weg zur Arbeit begibt. Natürlich muss sich der Mittelteil an William Wylers An einem Tag wie jeder andere (USA 1955) messen. Hier kommt Noch fünf Minuten zu leben zugute, dass er als Produktion unterhalb des Radars großer Marktinteressen härter, fieser, konsequenter sein kann, wodurch er manches Manko ausgleicht. Johnny Cash mutiert zur Kanalratte par excellence. Cay Forester, die selbst auch das Drehbuch schrieb, ist als mittelständische Hausfrau und Mutter eine gute Projektionsfläche für Regisseur Bill Karn und die Zuschauer. Und es ist die Ehefrau James Masons, Pamela Mason, die die zweite weibliche Hauptrolle spielt. Doch das Ende ist so erschreckend wie auch banal, da es den damaligen Erwartungshaltungen voll gerecht wird. Wer darüber nachdenkt, wird sich des Ekels kaum erwehren können; an und für sich überzeugt es jedoch nicht. Hier gibt es Ungereimtheiten, hier wirkt der Film, den man sich als Kuriosität der Frühsechziger allemal gut ansehen kann, unterhalb seiner Möglichkeiten flach. Und das ist bedauerlich.
 
Wegen seines in der Musikwelt populären Hauptdarstellers gibt es Noch fünf Minuten zu leben bei … And More Bears / Bear Family Records in einer deutschen DVD-Edition (2004), die für so einen Film das Nonplusultra ist. Ungekürzt im Originalformat, bildtechnisch überraschend gut, den Originalton mit deutschen Untertiteln, als Extras den Kinotrailer und ein achtseitiges Booklet mit Filmpostern, Stand- und Produktionsfotos sowie Infos zum Film, - nur die Laufzeitangabe von 91 Minuten ist falsch - das Ganze als Deluxe.Edition im Digipack. Erstklassig umgesetzt!
 

Post Noir | 1961 | USA | Bill Karn | Carl E. Guthrie | Vic Tayback | Cay Forester | Pamela Mason

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