Chase, The

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Bewertung
****
Originaltitel
The Chase
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1946
Darsteller

Robert Cummings, Michèle Morgan, Peter Lorre, Steve Cochran, Jack Holt

Regie
Arthur D. Ripley
Farbe
s/w
Laufzeit
83 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Miami, Florida: Der Kriegsheimkehrer Chuck Scott (Robert Cummings) steht vor einem Restaurant und sieht hungrig in die Garküche hinterm Schaufenster – unrasiert und verschwitzt in einem billigen Anzug. Als er weiter gehen will, findet er vor sich auf dem Trottoir eine prall gefüllte Geldbörse. Nachdem er sich in dem Lokal auf Kosten des Eigentümers solchen Reichtums satt gegessen hat, bringt er die Brieftasche zurück zu Eddie Roman (Steve Cochran), der in einem noblen Viertel der Stadt eine gewaltige Villa bewohnt. Eingelassen wird er von Romans rechter Hand Gino (Peter Lorre), einem grantigen und zynischen Kettenraucher. Eddie Roman lässt sich eben eine Rasur verpassen und als die junge Frau, Ms. Connors (Florence Auer), ihm dabei versehentlich weh tut, schlägt und feuert er sie ohne zu zögern. Chuck Scotts Ehrlichkeit macht hingegen Eindruck auf den dubiosen Geschäftsmann und Roman bietet ihm die Position seines Chauffeurs an, was jener dankbar annimmt. Bei einem Abendessen mit dem bekannten Konzernchef Emmerich Johnson (Lloyd Corrigan), das in Eddie Romans Villa stattfindet, ist neben Gino auch Eddies Frau Lorna (Michèle Morgan) anwesend. Während des abschließenden Digestivs im Salon macht der Hausherr keinen Hehl aus seinem Missfallen einer Transaktion, die Johnson tätigte und die seine eigenen Geschäftsinteressen ausbremst. Nachdem Lorna die Herren verließ, schlägt Gino eine Begehung des Weinkellers vor, in die der Spirituosenfreund Johnson arglos einwilligt…

 

 
Ein Film Noir von Poverty-Row-Regisseur Arthur D. Ripley nach dem Roman The Black Path Of Fear (= Der schwarze Pfad, EA 1944), einem Werk aus der Black-Serie Cornell Woolrichs, deren Adaptionen für den Film Noir so sehr stilbildend waren und zu denen u.a. auch Black Angel (= Schwarzer Engel / Vergessene Stunde, USA 1946) zählt. The Chase spielt großteils bei Nacht und bringt undurchsichtige Gangster, eine wunderbare Femme fragile, gespielt von Michèle Morgan, und einen zutiefst labilen Loser, Chuck Scott, in einem einzigartig verwirrenden Drama von stets trügerischer Logik zusammen. Klingen diese Ingredienzien auch fragwürdig, erweist sich die rasante Dramaturgie und ihre Entwicklung bis auf die letzten 5 Minuten als so schlüssig wie glaubwürdig. The Chase, ein Film der in Deutschland seinerzeit nie ins Kino und trotz Peter Lorre (Der Verlorene, GER 1951) auch später nie ins Fernsehen fand, ist durch und durch klassischer Film Noir. Seine Handlung ist exemplarisch geprägt von der tiefen Erschütterung, die der Zweite Weltkrieg für die Gesellschaft der USA bedeutete. Er spielt in Miami und später in Havanna, Kuba, wo der brodelnde Dschungel urbaner Fremde von Kameramann Franz Planer (Zwischen Frauen und Seilen, 1949) in atmosphärischen Nachtbildern eingefangen wird. 
 
Bild Bild Bild
"Phantom Lady excepted, The Chase is the best cinematic equivalent of the dark, oppressive atmosphere that characterizes most of Cornell Woolrich's best fiction“, heißt es bei Alain Silver und Elizabeth Ward in Film Noir: An Encyclopedic Reference to the American Style (1993). Neben der Dunkelheit, die den Film stilistisch beherrscht, - konträr zu den hier abgebildeten, nachkolorierten Aushangfotos! - ist es die Riege exquisiter Darsteller, die den Film trägt. Allen voran brillieren die Exilanten Peter Lorre und Michèle Morgan (in ihrem einzigen US-amerikanischen Film) sowie ein überragender Steve Cochran (1957 von Michelangelo Antonioni für Der Schrei nach Italien geholt). Sogar Robert Cummings, sonst kein Favorit von mir, liefert eine glaubwürdige Vorstellung ab, die fern seiner Rollen mit dem angeboren sonnigen Gemüt eine deutlich dunkle Note anschlägt. Wie Edgar J. Ulmer überzeugt Arthur D. Ripley mit einem Talent, aus dem schmalen Budget der B-Produktion das Maximale heraus zu holen, so dass die Schauplätze und die Fotografie The Chase nach weit mehr aussehen lassen. Nur im Abschluss kann der sonst schlüssige Film Noir nicht überzeugen – allzu hastig rast (im wahrsten Sinn des Wortes) die Sache aufs Ende zu – Zack und aus! Hier fehlen The Chase gut und gern 10 sorgfältig editierte Minuten, die sich nahtlos ans bisher sauber Ausgeführte anschlössen, um die Zuschauer rundum zu… verunsichern. Hier fehlte, mit einem Wort, ein Billy Wilder oder Alfred Hitchcock und vielleicht der notwendige Rahmen seitens der Produktion. Dem erfahrenen Film-Noir-Freund ist The Chase dennoch ohne größeres Wenn und Aber zu empfehlen.
 
Die englische Edition der Pickwick Group Ltd. (2005) bringt The Chase, ein Film der Public Domain, als DVD zwar in optisch gelungener Verpackung unter Verwendung des alten Filmposters, jedoch den Film selbst in der miserablen Qualität aller auch online zu findenden Kopien, ungekürzt im Originalformat mit original englischem Ton ohne Extras, was ebenso für die US-DVD von Alpha Video (2003) gilt.  Ein weiterer Klassiker, der nach einer umfassenden Restauration schreit!
 

Film Noir | 1946 | USA | Arthur D. Ripley | Cornell Woolrich | Peter Lorre | Robert Cummings | Steve Cochran | Michèle Morgan | Shirley O'Hara

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