Jack der Killer

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Bewertung
***
Originaltitel
Western Pacific Agent
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1950
Darsteller

Kent Taylor, Sheila Ryan, Mickey Knox, Morris Carnovsky, Robert Lowery

Regie
Sam Newfield
Farbe
s/w
Laufzeit
65 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© VCI Entertainment

Ein Zug der Western Pacific Railway rast in Kalifornien durch den Feather River Canyon und eine Angestellte der Zuggesellschaft (Gloria Grey) informiert die Reisenden per Durchsage über die Sehenswürdigkeit. Sie erwähnt, dass entlang des Flusses Gold geschürft werde, und als der Zug an einem Lager verwegener Gestalten vorüberfährt, fragt eine Passagierin (Vera Marshe) den neben ihr sitzenden Herrn (Jason Robards, Sr.), ob es Goldsucher seien. Jener erklärt ihr, dass es sich um Wanderarbeiter und andere Nomaden handele, meistens anständige Kerle, allerdings sei hin und wieder auch ein Krimineller unter ihnen. Aus dem Grund beschäftige die Western Pacific Railway spezielle Detektive, und einer namens Rod Kendall (Kent Taylor) sei zufällig mit ihm befreundet. Er habe ihm kürzlich die Geschichte eines Doppelmordes erzählt, der mit der Eisenbahnlinie und mit jenen obdachlosen Nomaden in Zusammenhang stehe… Der für die Western Pacific Railway tätige Bill Stuart (Robert Lowery) ließ sich wie jeden Monat beim Stopp eines Fernzugs die Tasche mit Lohngeldern in Höhe von 50.000 US-Dollar in bar aushändigen. Damit machte er sich auf den Weg zurück in die Kleinstadt Chester, wo er zusammen mit seiner Schwester Martha (Sheila Ryan) lebte. An dem gleichen Morgen erhielt der Ladenbesitzer Joe Wicken (Morris Carnovsky) Besuch von seinem Sohn Frank (Mickey Knox), einem Tunichtgut, den er seit über einem Jahr nicht mehr gesehen hatte und der den Vater auch heute lediglich des Geldes wegen besuchte…

 

“Directed by busy Sam Newfield, Western Pacific Railroad is a real crackerjack of a movie with an exciting (…) Knox, unnervingly convincing as a ruthless drifter”, schreibt Stuart Galbraith IV für DVD Talk über den extrem obskuren B-Film der Sigmund Neufeld Production im Vertrieb der Lippert Pictures. Anlass seiner Rezension war die Wiederveröffentlichung des Werks in dem mit 9 Filmen auf drei DVDs bestückten Box-Set Forgotten Noir & Crime Collection 4 (2008) der VCI Entertainment in den USA. Tatsächlich war Sam Newfield einer der am meisten beschäftigten Regisseure von Poverty-Row-Produktionen und mit lediglich 4 Filmen war das Jahr 1950 für ihn ein ruhiges, hatte er doch in den 40ern oft eine zweistellige Quote pro Jahrgang zu verzeichnen. Dass der Film unterm Titel Jack der Killer ernsthaft auch in bundesdeutschen Kinos zu sehen war, ist ebenfalls bemerkenswert. Zum ersten heißt besagter Mörder im Original nicht “Jack“ sondern Frank, zum zweiten war die Bundesrepublik eines der wenigen nicht englischsprachigen Länder, wo das Werk ebenfalls zu sehen war. Ein Film Noir mit einem kaltblütigen Killer auf der Flucht war in jener Zeit eine typische Spielart des Filmstils: Schritte in der Nacht (USA 1948), Stadt ohne Maske / Die nackte Stadt (USA 1948), Der Mann ohne Gewissen (UK 1948), The Threat (USA 1949) und Aufruhr in Santa Sierra (USA 1950) zeigen Protagonisten, die zu dem von Mickey Knox gespielten Drifter Frank Wicken auffällige Parallelen aufweisen. Insbesondere das Finale erinnert an Jules Dassins Stadt ohne Maske / Die nackte Stadt, darin der gesuchte Killer Willie Garzah (Ted de Corsia) auf der Williamsburg Bridge in New York in die Höhe steigt. In Jack der Killer erklimmt Frank Wicken auf seiner Flucht das Gestänge einer bei Chester über einen Schifffahrtsweg führenden Klappbrücke.

 

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© VCI Entertainment

Im Übrigen ist die Filmhandlung jedoch ein vorhersehbarer Kriminalfall nach Schema F. Solcher Detektiv der Eisenbahngesellschaft, Kent Taylor als Rod Kendall, ist ein Charakter vom Reißbrett, der zu guter Letzt die Schwester des ermordeten Bill Stuart ehelichen darf. Er und Sheila Ryan sind im Kontext des Films nicht schlecht platziert; das ist einzig und allein Sid Melton, dessen aufdringlich witzige Figur namens Elmer hier nichts zu suchen hat. Solcher Minuspunkt wird zumindest teilweise durch Morris Carnovsky ausgeglichen, ein exquisiter Charakterdarsteller, dessen Filmkarriere kurz vor dem Ende stand. Er und Mickey Knox sahen sich 1950 im Fadenkreuz des House Committees on Un-American Activities (HUAC) und konnten in den USA nur noch wenige Film- und Fernsehrollen gewinnen. Morris Carnovsky wurde in den 50er und 60er Jahren zu einem erfolgreichen Theaterschauspieler; Knox wanderte nach Italien aus. In Sidney Lumets Blick von der Brücke (FRA/ITA 1961) nach einem Theaterstück Arthur Millers traten sie erneut gemeinsam vor die Kamera. Oliver Stone benannte seinen in Natural Born Killers (USA 1994) von Woody Harrelson gespielten Serienmörder nach Mickey Knox: offensichtlich eine Hommage an den Darsteller und womöglich an seine Rolle als Frank Wicken.

 

Unter seinem Originaltitel Western Pacific Agent erschien der Film einzig in den USA in der erwähnten 3-DVD-Box (2008, RC 1) mit dem Titel Forgotten Noir & Crime Collection 4 von VCI Entertainment, bild- und tontechnisch allemal solide, ungekürzt und im Originalformat mit dem englischen Originalton ohne Untertitel und auch ohne Extras.

 


Film Noir | 1950 | USA | Sam Newfield | Kent Taylor | Mickey Knox | Morris Carnovsky | Robert Lowery | Ted Jacques

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