Body Count - Flucht nach Miami

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Bewertung
**
Originaltitel
Body Count
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1998
Darsteller

David Caruso, Linda Fiorentino, John Leguizamo, Ving Rhames, Donnie Wahlberg

Regie
Robert Patton-Spruill
Farbe
Farbe
Laufzeit
85 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Universal Pictures

Im John Hancock Musuem stehlen die Gangster Pike (Ving Rhames), Chino (John Leguizamo), Crane (Forest Whitaker) und Booker (Donnie Wahlberg) in dunkler Nacht wertvolle Gemälde europäischer Meister aus dem Archiv. Aber die Alarmanlage schrillt und in der Ferne sind bereits die Sirenen mehrerer Polizeiwagen zu hören, nachdem Chino wider die Vereinbarung im Ausstellungsraum ein Bild aus seinem Rahmen herausschnitt. Die vier rennen mit der Beute und ihren Masken in der Hand, in schwarzen Overalls und mit schwerer Austrüstung zum Ausgang. In diesem Augenblick rast auch schon Hobbs (David Caruso), der fünfte im Bunde, mit einem Transporter die Straße hinunter, dicht gefolgt von zwei Polizeiwagen. Als er vor dem Eingang des Museums zum Halten kommt, steigt er aus, eine Schrotflinte im Arm, und nimmt den herannahenden, ersten Wagen unter Feuer. Das Fahrzeug überschlägt sich, rutscht mit schrillem Knirschen über den nassen Asphalt und kommt auf dem Dach liegend zum Halten. Der zweite Einsatzwagen der örtlichen Polizei hält ebenfalls, zwei Beamte springen heraus. Und während die Einbrecher das Schloss der Eingangspforte aufknacken und zum Auto stürmen, kommt es zu einem Schusswechsel… Der Transporter fährt in eine auf dem Land gelegene Scheune, wo vier der Gangster aus dem Wagen springen und sich gegenseitig beschuldigen, den Coup vermassselt zu haben. Crane war derjenige, der alles genau geplant hatte. Ausgerechnet er ist bei der Schießerei gestorben…

 

“A big Hollywood picture that received the ultimate slap in the face, direct to video hell“, beginnt Kevin Craig seine Filmbesprechung für Moviemaven’s Haven. Nachdem bei Testvorführungen die Zuschauerresonanz ausgesprochen negativ ausfiel, wurde der Film in den USA, dem Land seiner Entstehung, im April 1998 einzig als VHS-Video veröffentlicht und dem Home-Entertainment-Markt in den Rachen geworfen. Nur in wenigen Ländern lief er im Kino und hielt sich dort auch nicht lange. Für die Hauptdarsteller Linda Fiorentino und David Caruso, in der ersten Hälfte der 90er Jahre erfolgreich und zuvor in William Friedkins Neo Noir Jade (USA 1995) bereits gemeinsam vor der Kamera, war es ein weiterer Sargnagel ihrer Karrieren als Filmstars, die in beiden Fällen vier Jahre später (so gut wie) beendet waren. David Caruso gab ab diesem Zeitpunkt in 232 Episoden der TV-Serie CSI: Miami (USA 2002-2012) den Police Lieutenant Horatio Caine und hängte direkt im Anschluss die Schauspielerei an den Nagel. Linda Fiorentino trat 2009 noch einmal in einem Kinofilm auf, der aber im Gedächtnis der Filmgeschichte noch weniger als Robert Patton-Spruills unsäglich banaler, brutaler und letzten Endes überflüssiger Neo Noir Body Count – Flucht nach Miami haften blieb. Dessen Drehbuchautor Theodore Witcher und auch Regisseur Patton-Spruills hatten sich im Vorjahr mit je einem Achtungserfolg als Debütanten im Filmgeschäft ausgezeichnet. Ihre Kooperation im Fahrwasser der Neo Noirs John Dahls, Steve Soderberghs, Quentin Tarantinos und Oliver Stones ist eine Aneinanderreihung von Zeitgeist-Klischees, das seine Akteure einem armseligen Rip-Off von Reservoir Dogs (USA 1992) preisgibt. Vor allem ist es jedoch das enervierende Over-Acting John Leguizamos als psychopathischer Killer Chino, das dieses Machwerk trotz der für einen Kinofilm kurzen Spielzeit fast zur Tortur werden lässt.

 

Die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts waren eine Blütezeit des Neo Noirs - eine umfassende Wiederaufnahme und Neuinterpretation vieler Topoi des klassischen Film Noirs durch engagierte und eigenwilige Autoren und Regisseure. John Dahls Kill Me Again / Töten Sie mich (USA 1989), James Foleys After Dark, My Sweet (USA 1990) und Dennis Hoppers The Hot Spot – Spiel mit dem Feuer (USA 1990) hatten den Startschuss gesetzt, und die Erfolge von Joel und Ehan Coen, David Mamet und natürlich Quentin Tarantino taten ein Übriges. Erst kurz vor der Jahrtausenwende verebbte die Welle jenes neuartigen, oft vielschichtigen Thrillerkinos, das in seinem Fahrwasser auch Epigonen und Trittbrettfahrer anzog. David Caruso hatte zuvor in John Ridleys Cold Around The Heart (USA 1997) mitgewirkt, in einem wie Body Count – Flucht nach Miami unfassbar banalen und von unsympathischen Rollencharakteren bevölkerten 08/15-Film. In beiden Fällen ist symptomatisch, das die Autoren ihre Figuren vermeintlich überraschenden Wendungen aussliefern, deren Cleverness die Zuschauer verblüffen soll. Zumeist sind diese Oho- und Aha-Effekte aber unlogisch und in einer Handlung aus der Drehbuchschublade auch vorhersehbar. Fazit: Finger weg von diesem Möchtegern-Neo-Noir aus einem Jahrzehnt, das um Längen Besseres zu bieten hat.

 

Es gibt eine sehr gute deutsche DVD-Edition (2005) der Universal Pictures Germany GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bild- und tontechnisch einwandfrei, dazu die original englische Tonspur und auch eine deutsche Synchronisation, optional deutsche Untertitel, das Ganze ohne jegliche Extras.

 


Neo Noir | 1998 | USA | Robert Patton-Spruill | David Caruso | Forest Whitaker | John Leguizamo | Ving Rhames | Linda Fiorentino

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