Cold Around The Heart

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Bewertung
**
Originaltitel
Cold Around The Heart / Cold Heart
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1997
Darsteller

David Caruso, Kelly Lynch, Stacey Dash, Chris Noth, John Spencer

Regie
John Ridley
Farbe
Farbe
Laufzeit
96 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Auf einem Highway inmitten einer von Gesträuch und Kakteen gesprenkelten Wüste im Süden der USA rasen das Gangsterpaar Ned Tash (David Caruso) und Jude Law (Kelly Lynch) in ihrem 1971er Plymouth Satelite in Richtung der Staatsgrenze, doch die sie verfolgende Polizei holt auf. Die beiden haben einen Juwelierladen ausgeraubt, allerdings wurden bei dem Überfall drei Menschen getötet. Mit der kostbaren Beute in einem blauen Stoffbeutel auf dem Armaturenbrett stellen sie fest, dass sie es wahrscheinlich nicht über die Grenze schaffen werden, und Jude, die hinterm Steuer sitzt und Vollgas gibt, beugt sich zu Ned auf dem Beifahrersitz und sie küssen sich. Indessen greift Ned zum Beutel und Jude zur Entriegelung der Beifahrertür, doch als sie jetzt hochblickt, steuert ein Pick-Up-Truck frontal auf sie zu. Jude muss blitzschnell ausweichen, so dass sich durch den Ruck die Beifahrertür öffnet und Ned bei voller Fahrt auf den Asphalt geschleudert wird. Aufgrund des Aufpralls ist er benommen, vielleicht verletzt, und Jude ist mitten auf der Fahrbahn zum Stehen gekommen. Für einen Moment blicken sie einander an; dann schlägt Jude die Tür zu und gibt Gas. Mit jaulender Sirene kommt der Polizeiwagen vor Ned zum Stehen… Der lädierte Gangster befindet sich im Krankenhaus der nächsten Kleinstadt, wo sich der ortsansässige Rechtsanwalt Nabbish (Richard Kind) ihm als sein Pflichtverteidiger vorstellt. Er möchte mit Ned dessen Fall besprechen, doch dafür interessiert sich jener nicht im Geringsten…

 

“Novelist John Ridley (…) makes his directorial debut (…) a wannabe neo-noir film that (…) doesn’t want to disappoint its B-film viewers in how much trash it can pile up in one film and still have room left for more trash”, resümiert Dennis Schwartz über dieses Werk mit u.a. Oliver Stone in der Liste ausführender Produztenten. War das womöglich der Film, der die Hollywoodkarrieren der in den 90er Jahren gefragten und einst vielversprechenden Schauspieler David Caruso (King Of New York – König zwischen Tag und Nacht, ITA/USA/UK 1990) und Kelly Lynch (Drugstore Cowboy, USA 1989) in B-Produktionen, TV-Serien und in Nebenrollen beerdigen half? Sollte mir jemand mit Hintergrundwissen diese Frage bejahen, würde es mich nicht wundern. Technisch ist der Film passabel, ansonsten gehört Cold Around The Heart zu den schlechtesten Neo Noirs jener Ära, womöglich sogar überhaupt. Derart viele ausgelutschte Klischees und dämliche Rollencharaktere in einem Werk zu platzieren und den Zuschauern am laufenden Meter eine pseudo-clevere Wendung nach der anderen andrehen zu wollen, von denen jede einzelne unlogisch und/oder unglaubwürdig ist, kann nur im Disaster enden, und genau das ist der Film. All die Gangster-Dialoge, jene von Wind und Wetter der harschen Realität gegerbten Wortwechsel der Figuren, sind nicht nur in der deutschen Synchronisation sondern auch im Original kaum auszuhalten. Was viele Drehbuchautoren des Film Noirs und des Neo Noirs auszeichnet, ihr Zugriff auf Sprache, missrät John Ridley zu einer bemüht hippen Geschwätzigkeit im Windschatten von Quentin Tarantino & Konsorten. Aber nicht allein die Verabalattacken sondern auch das Schauspiel der Beteiligten ist über weite Strecken zum Fremdschämen.

 

“From the first few minutes (…) it’s immediately clear something is terribly wrong with Cold Around the Heart”, schreibt Andrew Wickliffe für The Stop Button über diesen Flop an der Kinokasse.Wer bis zum Abspann dabei bleibt, und das ist keine leichte Aufgabe, wird womöglich so wie ich zu dem Schluss kommen, dass außer der Kameraarbeit von Malik Hassan Sayeed (Clockers, USA 1995) hier nichts und niemand stimmig wirkt. David Caruso und Kelly Lynch beweisen als Liebende auf der Flucht weder miteinander noch gegeneinander die geringste Chemie. Die behauptete Abhängigkeit ihrer Figuren, Neds und Judes in Liebe und Hass wurzelnde Beziehung, welche unkontrolliert auf ihr Finale à la Shakesperare zurast, ist einfach nur banal, und sein Schlusspunkt gibt den Film vollends der Lächerlichkeit preis. Im Jahr 1997 verfilmte Oliver Stone als U-Turn – Kein Weg zurück (FRA/USA 1997) John Ridleys Romandebüt Stray Dogs (EA 1997) und niemand als Ridley hatte das Drehbuch verfasst und trat im Gegenzug als ausführender Produzent auf. Schon Oliver Stones Neo Noir war ein epigonenhafter Trash, ein verkrampft schriller Tarantino-Abklatsch, doch Cold Around The Heart, womöglich an den gleichen Schauplätzen in Arizona gedreht, wirkt wie ein Abfallprodukt jenes immerhin von soliden Schauspielerleistungen knapp über Wasser gehaltenen Machwerks. Indessen John Ridley als Autor und Regisseur fürs Fernsehen und für Kinofilme weiterhin gefragt blieb, spielte David Caruso für 10 Jahre in 232 Episoden der TV-Serie CSI: Miami (USA 2002-2012) den Police Lieutenant Horatio Caine und hat sich nach deren Aus ganz aus dem Filmgeschäft zurückgezogen. Cold Around The Heart kann sich auch der hartgesottene Freund des Neo Noirs getrost schenken. Dieses Werk bietet seinen Zuschauern damals wie heute rein gar nichts.

 

Eine US-DVD (2006, Regionalcode 1) von Anchor Bay mit dem Film ungekürzt und im Originalformat und mit der original englischen Tonspur ist heute vergriffen und teuer. Unter seinem Originaltitel Cold Around The Heart erschien der Film als deutsche DVD (2007) via Caroland Medienvertrieb & Verlags GmbH, ebenfalls im Originalformat und ungekürzt, doch ohne den Originalton und einzig mit mit einer deutschen Synchronisation, die schier unzumutbar ist. Andere rein deutschsprachige DVD-Editionen unter Titeln wie Menschenjagd – Leichen pflastern ihren Weg (etc.) beinhalten den Film darüberhinaus nur im falschen Bildformat 4:3 (1.33:1).

 


Neo Noir | 1997 | USA | John Ridley | David Caruso | Jack Wallace | John Spencer | Kelly Lynch

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