Allotment Wives

 banner_02_noir_city-18-web-2.jpg


banner_noir_film_festival-2020-2.jpg


Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


banner_der_film_noir_3.jpg


Bewertung
***
Originaltitel
Allotment Wives
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1945
Darsteller

Francis Kay, Paul Kelly, Otto Kruger, Gertrude Michael, Teala Loring

Regie
William Nigh
Farbe
s/w
Laufzeit
78 min
Bildformat
Vollbild

 


 

Allotment Wives-Poster-web1.jpg Allotment Wives-Poster-web2.jpg Allotment Wives-Poster-web3.jpg Allotment Wives-Poster-web4.jpg

 

In Newark, New Jersey, findet sich im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs im War Department das Office of Dependency Benefits (ODB). Mit 8000 Angestellten regelt es die Zuwendungen für alle Angehörige, deren Ehemänner oder Väter mit der US Army im Kriegseinsatz sind oder gar den Tod fanden. Elf Milliarden US-Dollar sind über das ODB in den letzten Jahren weitergeleitet worden. Weil monatlich Millionen von Schecks per Postsendung ihre Adressaten finden, haben kriminelle Organisationen das Sytem der Verteilung längst für sich zu nutzen verstanden…Also empfängt Brigadegeneral H.N. Gilbert (Jonathan Hale), der Direktor des ODB, den aus dem Krieg zurückgekehrten Colonol Pete Martin (Paul Kelly), im Privatleben Journalist. Gilbert erklärt Pete Martin, dass meistens Bigamie das effektivste Mittel scheint, um reihenweise Zuwendungen von im Krieg gefallenen GI’s einzustreichen. Solche falschen Ehefrauen zu verhaften und wegzusperren, könne das Treiben aber nicht stoppen. Hinter ihnen stünde eine kriminelle Vereinigung, welche man bis dato nicht habe ausfindig machen können. Der Fall eines Kameraden, der solchem Betrug aufsaß und inzwischen tot ist, kann Martin, der auf einen Job als Leiter der Untersuchung nicht erpicht zu sein scheint, schließlich überzeugen. So händigt General Gilbert dem Schnüffler, der incognito in seinen Beruf als Reporter bei der Zeitung zurückkehren wird, einen als verdächtig eingestuften Scheck aus und entsendet ihn damit nach San Francisco, Kalifornien…

 

Mitte der 30er Jahre waren sie beide Filmstars in Hollywood: Kay Francis (Jahrgang 1905) und Getrude Michael (Jahrgang 1911). In der Mitte solchen Jahrzehnts gehörten sie zu den bestbezahlten Schauspielerinnen der USA. In den mit Kay Francis für Warner Bros. gedrehten Werken à la Mary Stevens, M.D. (USA 1933) und Living On Velvet (USA 1935) oder in den mit Gertrude Michael besetzten Filmen der Paramount Pictures wie Menace (USA 1934) oder The Notorious Sophie Lang (USA 1934) standen auf Plakaten ihre Namen an erster Stelle, deutlich oberhalb all der männlichen Filmpartner. Aber im Gegensatz zu den Konkurrentinnen ihrer eigenen Generation - Barbara Stanwyck, Bette Davis und Joan Crawford - hatten sie in den frühen 40er Jahren, als die Genannten allesamt Anfang bis Ende 30 waren, kein fulminantes Comeback, welches sie erneut in die erste Riege der Hollywoodstars katapultierte. So fanden sich Kay Francis und Gertrude Michael 1945 in dieser für das Powerty-Row-Studio Monogram Pictures gedrehten B-Produktion unter der Regie von William Nigh. Letzterer hatte seine besten Jahre ebenfalls hinter sich, war er doch ein großer Regisseur der Stummfilmzeit gewesen. In den 40er Jahren drehte Nigh mindestens drei und mitunter bis zu sieben jener billigen Produktionen für das Doppelprogramm in Provinzkinos.

 

Allotment Wives-lc-web1.jpg Allotment Wives-lc-web2.jpg Allotment Wives-lc-web3.jpg

 

Aber Allotment Wives, der mit seiner so selbstverständlich starken Frauenfigur Sheila Seymour (Kay Francis) im Zentrum der Handlung an den im gleichen Jahr mit Joan Crawford in ihrer Oscar-Rolle als Mildred Pierce besetzten Solange ein Herz schlägt (USA 1945) erinnert, ist halt ein Film Noir. Sein Skript birgt einige für die Zeit bemerkenswerte Details. So ist die Darstellung des Doppellebens der Sheila Seymour, die als Geschäftsfrau ebenso wie als Gangster erfolgreich und den naiven Männern aller Altersklassen klar überlegen ist, mehr als facettenreich. Der Ursprung ihres Tuns, wie skrupellos oder mörderisch letzteres auch sein mag, ist die obsessive Liebe zu ihrer Tochter Connie (Teala Loring). Damit gleicht sie der 5 Jahre später von Andrea Palma verkörperten Rosaura de Cervera und deren Liebe zum Sohn Mario (Rubén Rojo) in Alberto Gouts Entfesselte Moral (MEX 1950), einem der besten Film Noirs aus Mexiko. In beiden Werken wissen die Kinder vom Doppelleben ihrer Mütter nicht das Geringste; jene halten das Dunkel ihrer verbrecherischen Umtriebe von den Sprösslingen fern. Leider ist in Allotment Wives der Rest der Handlung solcher Ambiguität des zentralen Rollencharakters nicht gewachsen. Hat Gertrude Michael als einstige Jugenfreundin, die Sheila Seymour wiedererkennt, sie daraufhin bedroht und erpresst, noch eine halbwegs glaubwürdige Rolle, so folgt Paul Kellys detektivische Arbeit, die dem Syndikat den Garaus machen soll, dem 08/15-Standard vieler Kriminalfilme der Zeit. Und es ist offensichtlich, dass Otto Kruger als kühler Kopf und Mann fürs Grobe an Sheilas Seite ein weit besserer Schauspieler als eben Paul Kelly war. Kay Francis drehte 1946 mit Wife Wanted einen letzten Spielfilm für Monogram, trat dann für sechs Jahre nurmehr im Theater auf und zog sich 1952 ins Privatleben zurück. Gertrude Michael wurde für ihren Auftritt in Delbert Manns Der Außenseiter (USA 1961), ihrem allerletzten in einem Kinofilm, nicht einmal mehr im Abspann genannt. Als sie am Silvestertag des Jahres 1964 starb, war sie 53 Jahre alt.

 

Erstaunlicherweise existiert bis dato weltweit keine BD oder DVD dieses Films. In Online-Portalen findet sich mit englischer Tonspur ohne Untertitel eine TV-Kopie in bild- und tontechnisch unterdurchschnittlicher Qualität, die ungekürzt und im Originalformat eingefleischten Freunde des Film Noirs dennoch empfohlen sei.

 


Film Noir | 1945 | USA | William Nigh | Jonathan Hale | Otto Kruger | Paul Kelly | Teala Loring

Neuen Kommentar schreiben

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.