Galveston - Die Hölle ist ein Paradies

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Psychologische Verteidigung


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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
****
Originaltitel
Galveston
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2018
Darsteller

Ben Foster, Elle Fanning, Lili Reinhart, Adepero Oduye, Robert Aramayo

Regie
Mélanie Laurent
Farbe
Farbe
Laufzeit
91 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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New Orleans im Jahr 1988: Der Berufskriminelle Roy Cady (Ben Foster) wird von Dr. Finelli (Jeffrey Grover) mit den Röntgenaufnahmen und der Diagnose seiner Lungenflügel konfrontiert. Aber noch bevor der Arzt in seinen Ausführungen zum Ende kommen kann, hat der aufgebrachte Cady die Praxis verlassen. Als er in dem in Hinterzimmern einer großen Wäscherei angesiedelten Hauptquartier seines Arbeitgebers, des Mobsters Stan Pitko (Beau Bridges), ankommt, wird er von diesem nach dem ärztlichen Befund gefragt. Doch Cady lügt und teilt ihm mit, dass alles in Ordnung sei. Auch Roy Cadys ex-Freundin Carmen (Maria Valverde) ist vor Ort, inzwischen die Mätresse seines Chefs Pitko. Jener teilt ihm mit, dass er heute Abend zusammen mit Angelo (Michael Ray Escamilla) dem unzuverlässigen Rechtsanwalt Frank Sinkowski einen Denkzettel verpassen solle, aber bitte ohne ihre Schusswaffen, damit es vor Ort nicht wie im letzten Jahr zu einem Unglück komme. In dem Mobile Home, das Cady momentan eine Bleibe ist, steckt sich jener erst ein Messer in den Stiefel und danach eine Pistole in den Bund seiner Hose. Er holt Angelo in einer Autoerkstatt ab und gemeinsam fahren sie in Roys Pick-Up-Truck zu Sinkowski. Sie teilen sich auf, benutzen den Front- und den Hintereingang und werden von zwei verborgenen Männern (G. Peter King, Jimmie Lee Sessoms) überwältigt. Im nächsten Augenblick tötet einer mit einem Kopfschuss Angelo, doch Roy kann ihn trotz seines Schocks über die Hinrichtung angreifen…

 

Das US-Debüt französischen Schauspielerin Mélanie Laurent als Regisseurin entstand nach dem Debüt-Roman Galveston (EA 2010, auf Deutsch 2014) von Nic Pizzolatto, der heute vor allem als Schöpfer und Autor der von HBO auf drei jeweils abgeschlossene Staffeln erweiterten TV-Serie True Detective (USA 2014 - 2019) bekannt ist. So wie die Erfolgsserie wurzelt Galveston - Die Hölle ist ein Paradies im klassischen Film Noir und auch im Neo Noir der 60er und der 70er Jahre. Signifikant ist dabei die Ausweglosigkeit, mit der die Protagonisten kämpfen, um sich aus den Fallstricken eines Schicksals zu befreien, das mit ihrer Vergangenheit verbunden ist und in das sie mit oder ohne eigenes Zutun hineingerieten, bevor sie nunmehr verzweifelt versuchen ihm zu entrinnen. Genau dafür hat Mélanie Laurent einen Sinn und das Auge ihrer Kamera einen Blick, weshalb trotz einer minimalistischen Handlung über die Strecke von 91 Minuten niemals Langeweile aufkommt. Das gilt zumindest für mich, denn wer nicht ein auf seine zentralen Charaktere fokussiertes Drama sondern explosive Action-Sequenzen am laufenden Meter sucht, ist hier grundfalsch. Selbst als Thriller, als welcher der Film mit Fug und Recht vermarktet wird, ist dessen Tempo geruhsam, nimmt sich doch der Mittelteil so wie im Roman ausgiebig Zeit, um das Miteinander der ungleichen Charaktere, durch Herkunft, Armut und Einsamkeit vereint, in all seinen Details vorzuführen. Aber just in dem Augenblick, da sie sich erstmals an ihrem Leben zu erfreuen beginnen, schlägt das Schicksal zurück.

 

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© Koch Media GmbH

“The journey to redemption is slow and painful“, schreibt Louise Keller wie beiläufig für Urban Cinefile, doch genau solcher Satz bringt die Essenz des Films zum Leuchten. Von Anbeginn senkt sich eine Schwere ins Herz des Zuschauers. Nichts und niemand ist hier leicht und gelöst. Ein jeder Schritt führt durch ein Halbdunkel der Bedrohungen, darin die Hoffnung schon längst nicht mehr zu Gast war. Ben Foster und Elle Fanning sind beide hervorragend gesetzt und in Anbetracht ihrer schlichten und zugleich extrem instabilen, launischen und traumatisierten Charaktere in ihrer Interpretation passagenweise brillant. Insbesondere Ben Foster erweist sich wie geschaffen für einen Neo Noir solcher Gangart und es scheint erstaunlich, dass er erst durch den Erfolg von David Mackenzies Hell Or High Water (USA 2016) auch international einem breiten Publikum bekannt wurde. Galveston – Die Hölle ist ein Paradies bietet tiefe und schonungslose Einblicke in die dunklen Seiten der USA, die von Angst, Armut und Gewalt geprägt sind. Es sind Einblicke in ein Land, das mit jenen Hochglanzthrillern, darin Keanu Reeves, Denzel Washington, Ben Affleck oder Tom Cruise in pervertiert faschistoider Robin-Hood-Manier für Ordnung sorgen, rein gar nichts zu tun haben. So wie Scott Coopers Auge um Auge – Out Of The Furnace (USA/UK 2013), Jeremy Saulniers Blue Ruin (USA/FRA 2013) oder David Burris‘ Zorniges Land (USA 2015) ist dieser Neo Noir von Mélanie Laurent und Nic Pizzolatto von derlei 08/15-Unterhaltung weit, weit entfernt. Und genau das macht ihn sehenswert.

 

Bild und tontechnisch erstklassige deutsche BD-und DVD-Editionen (2019) der Koch Media GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat und mit der original englischen Tonspur und optional deutschen Untertiteln, was die (miserable) deutsche Synchronisation in Anbetracht der pfiffigen Original-Dialoge Nic Pizzolattos ganz und gar überflüssig macht. Als Extra gibt es ein 18-minütiges Making of und den Kinotrailer.

 


Neo Noir | 2018 | USA | Mélanie Laurent | Nic Pizzolatto | Beau Bridges | Ben Foster | Elle Fanning

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