They Won’t Believe Me

 

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Bewertung
*****
Originaltitel
They Won’t Believe Me
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

Susan Hayward, Robert Young, Jane Greer, Rita Johnson, Tom Powers

Regie
Irving Pichel
Farbe
s/w
Laufzeit
95 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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Los Angeles, Kalifornien: In der Hall Of Justice verhandelt man im Prozess wider den Börsenmakler Larry Ballentine (Robert Young), der des Mordes an Verna Calson (Susan Hayward) angeklagt ist. Der Verteidiger Cahill (Frank Ferguson) hält sein Schlussplädoyer und lobt die Aussagen der wichtigen Zeugen, die man gehört habe, so etwa die der Journalistin Janice Bell (Jane Greer) oder die von Ballentines Geschäftspartner Trenton (Tom Powers). Die endgültige Wahrheit sei dennoch eine andere, und so ruft ruft Cahill schließlich Larry Ballentine persönlich in den Zeugenstand, damit er den Mitgliedern der Jury seine Geschichte berichte… Sie beginnt in New York, wo sich der mit der reichen Greta Ballentine (Rita Johnson) unglücklich verheiratete Larry jeden Samstag auf der 52nd Street mit Janice Bell in Nick’s Restaurant verabredete. Hier tranken sie die von Nick (Hector V. Sarno) gemixten Satuday Specials und Larry zeigte Janice etwa das Modell einer Motoryacht, ein Stück ihres gemeinsamen Zukunftstraums…. An einem dieser Samstage im Juni bemerkte Larry auch, dass das Zigarettetui von Janice schadhaft war. So erstand er bei einem Juwelier eines in Gold. Als er damit nach Hause kam, waren im Salon mehrere Gäste, unter ihnen auch die von Larry gehasste Tante Martha Hines (Lillian Bronson), die zu Recht den Verdacht äußerte, er habe seinen fünften Hochzeitstag vergessen. Geistesgegenwärtig zog Larry das als Geschenk verpackte Zigarettentetui aus der Tasche und überreicht es Greta als sein Präsent für sie…

 

“I think, it was somewhere along the way I first realized I was running in a pattern too. A pattern of dollar signs.“ Seit vielen Jahren war mir bewusst, dass Irving Pichels They Want Believe Me zum Kernbestand der Film-Noir-Titel des Filmstudios RKO Radio Pictures vor der Übernahme durch Howard Hughes im Jahr 1948 (und ihren schlimmen Folgen) gerechnet werden muss. Dazu zählen immerhin solche Klassiker wie Murder, My Sweet (USA 1944), Die Spur des Fremden / Der Fremde (USA 1946), Born To Kill (USA 1947) oder Goldenes Gift (USA 1947). Mit Susan Hayward, Jane Greer und Robert Young fantastisch besetzt, von Harry J. Wild, der Nummer 1 hinter der Kamera bei RKO, auf Zelluloid gebannt und mit einem Drehbuch von Jonarthan Latimer (Der gläserne Schlüssel, USA 1942) war ich auf diesen Film überaus gespannt. Es gab seit Jahr und Tag nur ein erhebliches Problem. They Won’t Forget hat in der ursprünglichen Kinofassung eine Laufzeit von 95 Minuten (NTSC) und erschien so auch im Jahr 1990 via Turner Home Entertainment und Image Entertainment auf einer Laser Disc. Auf DVD und auch im US-Fernsehen via TCM (Turner Classic Movies) wird aber nur eine 1957 zum Zweck der Wiederaufführung im Doppel-Programm völlig entstellte 80-Minuten-Version gezeigt und dies ungeachtet der teils falschen Angaben auf Rückseiten von DVD-Editionen, die zum Beispiel im Fall der ersten italienischen Ausgabe als Nessumo mi crederà via Universal Pictures Italia SRL die vollen 95 Minuten angab, jedoch die zerstückelte Kurzfassung von 80 Minuten enthielt. Die ursprüngliche Version von 1947 ist heute nur schwer erhältlich oder im Rahmen einer Retrospektive zu sehen. Allein sie ist aber jenes Meisterstück eines Film Noirs, von dem hier die Rede ist und der ähnlich wie Edmund Gouldings Der Scharlatan (USA 1947) oder wie Edward Dmytryks Kreuzverhör (USA 1947) für seine Zeit zu provokant war und floppte.

 

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“This satisfying thriller is a tense, involving and atmospheric Forties film noir, with a (…) sharp sting in the tail and attention-grabbing performances“, schreibt Derek Winnert und liegt damit genau richtig. Bis auf die stets in Stunden der Nacht und in Schluchten einer Großstadt angesiedelten Drehorte hat They Won’t Believe Me alles, was man von einem Film Noir mit einem Schuss Melodram erwarten kann. Die Charaktere lügen und betrügen einander, sind infiziert von Habgier, Leidenschaft und Egoismen, dahinter sie wie Blinde nach Liebe und Bestimmung tasten. Scheinen sie wider Erwarten fündig geworden, wirft eine Schicksalsmacht sie zurück ins Niemandsland ihrer Einsamkeit… Derelei kann schnell pathetisch oder zumindest übertrieben wirken, doch Latimer und Pichel halten ihre Erzählung auf Kurs, und die exzellent aufspielenden Darsteller tun das Nötige, damit es auch gelingt. Das Finale – komplementär zu Jacques Touneurs Goldenes Gift (USA 1947) – ist dem Film durch und durch angemessen, und das ist etwas, was sich nicht von vielen Filmen aus der Hochzeit des Studiosystems in Hollywood behaupten lässt. Ähnlich wie die genannten Werke und auch wie Edgar G. Ulmers Ohne Erbarmen (USA 1948) zählt They Won’t Believe Me zu den bis heute wenig wertgeschätzten Film Noirs der zweiten Hälfte der 40er Jahre. Im Zuge der Wiederentdeckungen und der Arbeit von Institutionen wie der Film Noir Foundation, San Fran Francisco, sind jedoch viele inzwischen restauriert und auf Filmestivals wieder zugänglich geworden, nur They Won’t Believe Me leider immer noch nicht.

 

Meines Wissens gibt es bis dato weltweit keine ungekürzte originale 1947er Kinofassung des Films auf BD oder DVD. Die einzigen existenten DVD-Editionen kommen als Nessumo mi crederà aus Italien (2005) und als Ellos no creen en mi aus Spanien (2015) und bieten im originalen Bildformat lediglich die 80-minütige Fassung aus dem Jahr 1957, die jedoch keinesfalls zu empfehlen ist.

 


Film Noir | 1947 | USA | Irving Pichel | Harry J. Wild | Anthony Caruso | Don Beddoe | Robert Young | Tom Powers | Ellen Corby | Jane Greer | Susan Hayward

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