Verbrecherische Hände

 banner_02_noir_city-18-web-2.jpg


banner_noir_film_festival-2019 Kopie.jpg


Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


banner_der_film_noir_3.jpg


Bewertung
****
Originaltitel
En la palma de tu mano
Kategorie
Film Noir
Land
MEX
Erscheinungsjahr
1951
Darsteller

Arturo de Córdova, Leticia Palma, Carmen Montejo, Ramón Gay, Consuelo Guerrero de Luna

Regie
Roberto Gavaldón
Farbe
s/w
Laufzeit
113 min
Bildformat
Vollbild

 


 

Verbrecherische Haende-Poster-web1.jpg Verbrecherische Haende-Poster-web2.jpg Verbrecherische Haende-Poster-web3.jpg Verbrecherische Haende-Poster-web4.jpg

 

Mexiko-Stadt: Jaime Karin (Arturo de Córdova) gibt sich als ein Professor aus, den die Welten des Jenseits‘ in ihre Geheimnisse einweihen und der seinen Kunden daher die Zukunft vorhersagen kann. Doch tatsächlich ist Professor Karin, wie ihn alle nennen, ein Scharlatan, dessen größte Meisterschaft in einer Menschenkenntnis besteht, die ihn die Ängste, Wünsche und Träume seiner Kunden für sich nutzen und zu deren Gunsten steuern lassen. In seinem Studio, das samt Kristallkugel den Hokuspokus der Esoterik wiederspiegelt, rät er einer jungen verheirateten Frau (Bertha Lomelí), ihren betrügerischen Ehemann gewähren zu lassen anstatt ihn aufzugeben, denn am Ende werde sie gewinnen. Die wohlhabende Señorita Arno (Consuelo Guerrero de Luna), eine ältliche Jungfer mit geheimen Begierden, bekommt von ihm zu hören, dass sie sich bitte einen Liebhaber zulege. Der ach so ehrbare Karin weiß in Einzelfällen, da ihm das Schicksal ein Dokument in die Hand spielt, eine Kundin (Tana Lynn) aber auch davon zu überzeugen, dass ein Kleingeld in bar nicht ihn persönlich zum Schweigen brächte, sondern er als Wächter über das Wissen der Götter eben solches verborgen hielte… Um über seine weibliche Klientel genau informiert zu sein, benutzt Professor Karin seine Ehefrau Clara Stein (Carmen Montejo). Sie arbeitet in einem Schönheitssalon des Viertels und entlockt ihren Kundinnen jenen Klatsch und Tratsch, den der Professor so gut zu deuten und zu verarbeiten weiß. Und der heutige Tag spielt ihm geradewegs in die Hände…

 

“In the Palm of Your Hand, an entrancingly sensuous drama of deception, seduction, and murder”, fasst die US-Filmkritikerin und Buchautorin Imogen Sara Smith für Critics Round Up ihre Wiederentdeckung dieses Klassikers des mexikanischen Film Noirs zusammen. Zu einer Zeit, als das Kinoschaffen Hollywoods den Filmmarkt noch nicht so weltweit allmächtig beherrschte, liefen Produktion aus Lateinamerika auch in westeuropäischen Kinos und sogar in Deutschland. Noch heute bezeugen Plakate, Aushangfotos und Filmprogramme aus Frankreich, Italien, Portugal oder der Bundesrepublik, dass Verbrecherische Hände, wie die Produktion vom Verleih hierzulande betitelt wurde, auch in hiesigen Breiten ein Publiukum fand. Während das südamerikanische Filmschaffen der 40er und 50er Jahre letzten Jahrhunderts in Kanada und in den USA von Cineasten aktuell wiederentdeckt wurde, herrscht bei deutschen Filmvertrieben oder auch auf namhaften Filmfestivals diesbezüglich Unkenntnis vor. Die einstige Hochphase mexikanischen Kinos ist in Deutschland mehr oder minder eine Leerstelle. Dabei ist der abgründige, nachtschwarze Film Noir Verbrecherische Hände nahezu ein Meisterwerk und zeigt vor und hinter der Kamera die entwickelte Expertise aller Beteiligten. Der damals 42jährige Autor und Regisseur Roberto Gavaldón drehte in Kooperation mit seinem Co-Autor José Revueltas seinen achtzehnten eigenen Spielfilm. Beide hatten mit Palast der Sünde / Die Andere (MEX 1946) bewiesen, dass sie auch im Film Noir heimisch sind. Der US-amerikanische Kameramann Alex Phillips (Entfesselte Moral, MEX 1950) und der gleichfalls aus den USA stammende Charles L. Kimball, der den Filmschnitt besorgte, waren ebenfalls an Palast der Sünde / Die Andere beteiligt gewesen. Beide lebten und arbeiteten ausschließlich in Mexiko. Mit Schauspieler Arturo de Córdova (La diosa arrodillada, MEX 1947) verfügte Verbrecherische Hände über einen der großen Filmstars des Landes und mit Leticia Palma (Vagabunda, MEX 1950) über ein bemerkenswertes Nachwuchstalent, das in seiner Rolle der Femme fatale perfekt besetzt ist.

 

Verbrecherische Haende-still-web1.jpg Verbrecherische Haende-still-web2.jpg Verbrecherische Haende-still-web3.jpg

 

In Verbrecherische Hände nutzt Roberto Gavaldón die Topologie des Film Noirs mit einer Eleganz und einem Selbstbewusstsein, dass der Cineast noch heute staunen kann. Womöglich ist letzteres sein Rezept, so dass wir als Zuschauer die im Drehbuch angelegte Zeichnung der vier zentralen Charaktere, die sich auf Schicksalswegen gegeneinander ausspielen oder lediglich ausgespielt werden, als glaubwürdig und stringent erachten. Die Themen sind keinen Steinwurf von denen der griechischen Tragödie oder von denen der großen europäischen Dramatiker entfernt. Verbrecherische Hände als Fortsetzung einer intensiven Auseinandersetzung mit den Fragen der menschlichen Natur im Ursprung und im Streben, dies gelingt Roberto Gavaldón verblüffend unprätentiuös und für die Zeit seiner Entstehung ebenso verblüffend explizit, nämlich mit Blick auf Fragen der Moral und Ethik in Randzonen und im Zentrum der bildungsbürgerlichen Gesellschaft Mexikos. Es ist höchste Zeit, dass die mexikanische Filmklassik einem Publikum jenseits der Spanisch sprechenden Nationen zugänglich gemacht und somit eine Wiederentdeckung in jenen Ländern ermöglicht wird, die einst mit diesem Zweig der lateinamerikanischen Filmproduktion vertraut waren.

 

Die einzige DVD (2006) vom Studio Latino in deren Reihe Joyas del cine Mexicano ist lange vergriffen und präsentiert den Film ungekürzt im Oiginalformat mit dem spanischen Originalton, das Ganze leider ohne Untertitel und ohne Extras, bild- und tontechnisch solide.

 


Film Noir | 1951 | International | Roberto Gavaldón | Alex Phillips | Arturo de Córdova

Neuen Kommentar schreiben

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.