Bezahlte Nächte

 

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Bewertung
****
Originaltitel
Salón México
Kategorie
Film Noir
Land
MEX
Erscheinungsjahr
1949
Darsteller

Marga López, Miguel Inclán, Rodolfo Acosta, Roberto Canedo, Mimí Derba

Regie
Emilio Fernández
Farbe
s/w
Laufzeit
91 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Verlag für Filmschriften Christian Unucka

Mexico City bei Nacht: Mercedes Gómez (Marga López) eilt in den Salón México, einen bekannten Nachtclub des Viertels, um dort mit Paco (Rodolfo Acosta) die finale Runde eines Tanzwettbewerbs zu bestreiten. Vor der Tür begrüßt sie den Streifenpolizisten Lupe López (Miguel Inclán), der ihr Feuer gibt und der hübschen Frau versonnen hinterdrein blickt… Zu Beginn ist die Bühne von Paaren dicht belagert, die sich im Rhythmus der Tanzkapelle übers Parket bewegen. Schließlich sind nur mehr wenige vertreten, darunter Paco und Mercedes, das Paar mit der Nummer 13. Paco hatte dem Bandleader zugeflüstert, dass jener das Publikum dazu bewegen solle, für ihn zu stimmen, ansonsten drohe den Leuten Prügel. 500 Pesos und ein Pokal erwarten die Gewinner, und Mercedes beschwört Paco, ihr das Geld zu geben, das sie so dringend brauche, und mit dem Pokal vorlieb zu nehmen. Paco ermahnt sie, sich darauf zu konzentrieren zu gewinnen… Tatsächlich gewinnen Mercedes und Paco den Tanzwettbewerb und Paco nimmt unterm Jubel des Publikums sowohl den Pokal als auch das Geld entgegen. Er rennt durch die Menge dem Ausgang zu, Mercedes hinterdrein, und sie versucht mehrfach ihm das Geld abzuluchsen oder zumindest die Hälfte davon, als den ihr zustehenden Anteil zu erhalten. Paco drückt ihr den Pokal in die Arme und stößt sie von sich. Dies beobachtet vor dem Salón México auch Lupe López, indessen Paco auf der Straße eine der Huren anspricht und mit ihr im gegenüberliegenden Hotel Jardin verschwindet…

 

“Salón México (…) is infused with a strong religiosity and patriotism, but the drama drives the narrative, and the noir motifs of entrapment and fatalism are well to the fore”, schlussfolgerte Tony D’Ambra vor längerer Zeit in filmsnoir.net und wies auf einen Film hin, der wie auch sonst das mexikanische Kino der 40er und 50er Jahre zu Unrecht in Vergessenheit geriet. Unter dem Titel Bezahlte Nächte lief das in seiner Heimat mit Filmpreisen ausgezeichnete Film-Noir-Melodram von Emilio Fernández ganz selbstverständlich auch in den Kinos der jungen Bundesrepublik Deutschland. Aber wer weiß davon heute noch in einem Land, dass der Filmklassik die kalte Schulter zeigt? Allein Kameramann Gabriel Figuera (Die Vergessenen, MEX 1950) war über Jahrzehnte hinweg einer der besten seines Fachs und hat international u.a. und mehr als einmal mit Luis Buñuel, John Huston und Don Siegel gearbeitet. Rodolfo Acosta ist ein ganz typischer Vertreter des mexikanischen Film Noirs der Zeit, der im Jahr darauf sogar in Hugo Fregoneses US-amerikanischem Film Noir One Way Street (USA 1950) an der Seite von James Mason und Dan Duryea auftreten sollte. Acosta ist der skrupellose Gangster und Zuhälter in einer Person, eine Rolle, die er in Opfer der Leidenschaft (MEX 1951) neben Ninón Sevilla nahtlos fortsetzte. Die als Stilrichtung namens “Cabaretera“ bekannten Film Noirs aus dem wohlhabenden und prosperierenden Mexiko der Nachkriegsjahre erzählen oft eine nahezu identische Geschichte. Eine junge Frau von Bildung und (zumindest im Innersten) von Anstand und Moral sieht sich gezwungen, sich im Dschungel der Nachtclubs und billigen Hotels als Tänzerin, Sängerin und Prostituierte durchs Leben zu schlagen. Dem Unhold, dem sich der Engel der Nacht oft in Hassliebe verbunden und ausgeliefert sieht, steht nicht selten eine Lichtgestalt von Mann gegenüber, dessen Chancen, die Geliebte zu befreien und in eine bürgerliche Existenz zu retten, jedoch denkbar gering sind. Und exakt so ist die Situation auch in Emilio Fernandéz' Bezahlte Nächte gestrickt.

 

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In Alberto Gouts Entfesselte Moral (MEX 1950) verkörpert Miguel Inclán einen hinkenden Killer; hier spielt der exzellente Darsteller einen von Leidenschaft und Pflichttreue zerrissenen Polizeibeamten. Der ist in Liebe zu Mercedes Gómez entbrannt, von der er mehr weiß, als ihm guttut, und von der er mehr will, als er kriegen kann… Marga López erhielt von der Academia Mexicana de Artes y Ciencias Cinematográficas für ihre Rolle in Bezahlte Nächte 1950 den Ariel Award für die beste Schauspielerin. Autor und Regisseur Emilio Fernández drehte mit Verbotene Straße (MEX 1951) unter Mitwirkung Rodolfo Acostas und des Kameramanns Gabriel Figuera einen weiteren mexikanischen Film Noir der Extraklasse, der ebenso in Deutschland zur Aufführung kam. Seit einigen Jahren werden vor allem in den USA und in Kanada die Werke Alberto Gouts, Robert Gavaldóns und Emilio Fernández‘ in Retrospektiven des mexikanischen Film Noirs wiederaufgeführt. Doch DVD-Editionen sind auch international schwer erhältlich, Untertitel zumeist nicht enthalten. Bezahlte Nächte und andere mexikanische Produktionen, die einst in Deutschland ein Publikum fanden, müssten auch hierzulande dringend wieder mehr Beachtung finden. Viele dieser Klassiker beweisen vor und hinter der Kamera eine ganz ureigene Klasse.

 

In Europa gibt es eine französische DVD-Ausgabe (2012) der Albares Productions in deren Collection Latine mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu den spanischen Originalton mit optional französischen Untertiteln, bild- und tontechnisch immerhin solide bis gut, das Ganze ohne Extras.

 


Film Noir | 1949 | International | Emilio Fernández | Gabriel Figuera | Miguel Inclán | Rodolfo Acosta

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