Pulverfass New York / Straßen der Weltstadt

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Bewertung
****
Originaltitel
City Streets
Kategorie
Pre Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1931
Darsteller

Gary Cooper, Sylvia Sidney, Paul Lukas, Wynne Gibson, William Boyd

Regie
Rouben Mamoulian
Farbe
s/w
Laufzeit
83 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Paramount Pictures Corporation

 

New York: Bier ist ein lukratives Geschäft in der Stadt, und der mächtige Gangster “Big Fellow” Maskal (Paul Lukas) beherrscht die Branche, indessen sich RZ als ein interessierter Käufer von dessen Brauerei dort eingefunden hat und Maskal eine hohe Kaufsumme in bar aushändigt. Er macht deutlich, dass Maskal auf dieser Seite des Flusses eh keine Rechte beanspruchen könne und sich glücklich schätzen dürfe, überhaupt Geld zu erhalten. Letzterer zeigt sich scheinbar unterwürfig, während RZ angekündigt, am nächsten Tag mit seinem Mob den Laden zu übernehmen. Doch Maskal weist Blackie (Stanley Fields), Pop Cooley (Guy Kibbee) und McCoy (William Boyd) wortlos an, sich um den Herrn zu kümmern und schon bald sieht man RZ‘s hübsche Melone, daraus eben noch das Geld hervorgezaubert wurde, den Fluss hinabtrudeln. Die drei Gangster fahren mit Cooley am Steuer in die Stadt zurück, wo sie den Wagen am Straßenrand parken und sich Cooley vor der Glasfront einer Bar eine Zigarre anzündet und einer jungen Frau zuzwinkert (Sylvia Sidney), die am Tresen via Strohhalm an einem Drink nippt. Die Frau ist Nan Cooley, Pops Tochter, die sich nun den Wagen der drei Mörder schnappt und in die Nacht davonfährt… Der Kunstschütze “The Kid” (Gary Cooper) arbeitet an einem Schießstand auf dem örtlichen Jahrmarkt und trifft hier am Abend gerne noch Nan, Pops Tochter und seine Verlobte. Wie schon häufiger versucht sie sich heute an den Schießscheiben und trifft wie auch die anderen Kunden leider nichts…

 

“Far from being a one-trick pony, City Streets is filled with Mamoulian’s trademark shadowy scenes of expressionism, resulting in (…) carrying the proto-noir label today”, resümiert Cliff Aliperti für Immortal Ephemera über einen Film, der stets weniger bekannt als The Public Enemy (USA 1931) und Der kleine Cäsar (USA 1931) blieb, doch um einiges poetischer und eigentümlich ambivalent und zeitlos daherkommt. In Österreich kam er 1931 unter dem Titel Pulverfass New York ins Kino, und auch in Deutschland gelangte er kurz vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten als Straßen der Weltstadt in die Lichtspielhäuser. Aber noch bevor am 28. Mai 1931 via Warner Bros. die erste Verfilmung von Dashiell Hammetts Romans Der Malteser Falker (EA 1930) unter dem Titel The Maltese Falcon in den USA ihre Premiere feierte, brachte Paramount am 18. April 1931 Pulverfass New York / Straßen der Weltstadt nach Dashiell Hammetts Erzählung After School (EA 1930) heraus. Erst 10, 11 Jahre später wurde Hammett mit der dritten Verfilmung von Der Malteser Falke durch John Huston, der in Deutschland nach dem Weltkrieg als Die Spur des Falken (USA 1941) lief, sowie durch Frank Tuttles (ebenfalls bereits zweiter) Adaption von dessen Roman Der gläserne Schlüssel (USA 1942) zum ursprünglichen Initiatoren der Welt des “Film Noir“. Obwohl er sein letztes literarisches Werk bereits 1934 verfasst hatte, galt Dashiell Hammett neben Raymond Chandler nun als Schöpfer jener Hardboiled Detective Stories, wie sie zum Markenzeichen des Film Noirs und der von Romantik und Nihilismus geprägten 40er Jahre wurden. All das findet sich in City Streets schon reichlich – wundersam romantisch und böse amoralisch ist die Erzählung, getragen von Lug und Trug und Mord sowie grausamer Illoyalität und Gefühlskälte.

 

Pulverfass New York-still-web1.jpg  Pulverfass New York-still-web2.jpg Pulverfass New York-still-web3.jpg
© Universal Pictures

 

Es zeigen sich mehrere Einflüsse, die in diesem Vorläufer des Film Noirs aufs Beste zusammentreffen. Mit Sylvia Sidney und Gary Cooper sind die zentralen Rollencharaktere exzellent besetzt; die Chemie der beiden ist fantastisch. Der Regisseur Rouben Mamoulian, bis 1942 ein wichtiger Name in Hollywood, erweist sich im zweiten Spielfilm seiner Karriere als zutiefst überlegt und innovativ. Er gibt einzelne Sequenzen, die uns ganz nahe an die Rollencharaktere heranführen, ihnen ungewöhnlich viel Raum und Zeit zugestehen, und auch sonst inszeniert Mamoulian mit sichtbarer Sorgfalt und Ruhe. Zudem aber ist der Film-Noir-Charakter des Werks ein Verdienst des Kameramanns Lee Garmes (Der Scharlatan, USA 1947), der im Zugriff auf den Expressionismus der 20er Jahre eine Serie ungewöhnlich versponnener Licht-und-Schatten-Spiele auf die Leinwand zaubert, die den Film im Sinne des wie Fritz Lang experimentierfreudigen Rouben Mamoulians veredeln. Nahe am Meisterstück ist es für mich sein harmlos fader Schluss, der den Genuss des Werks zu guter Letzt trübt.  Fazit: Eigenwilliger, spannender und großartig besetzter Vorläufer des Film Noirs, sicher nicht so gut wie Josef von Sternbergs Unterwelt (USA 1927), doch für den Connaisseur des Filmstils im Grunde unverzichtbar.

 

Erst seit 2016 ist der bis dahin seltene City Streets in den USA als DVD-R (codefree) in der teuren Vault Series von Universal Pictures erhältlich und zwar ungekürzt im Originalformat, bild- und tontechnisch solide bis gut, wenn auch nicht überragend, ohne Untertitel und ohne Extras. Eine bereits zuvor in Spanien von Arthouse Media unterm Titel La calles de la ciudad veröffentlichte DVD (2011), die ebenfalls den englischen Originalton beinhaltet sowie den Film ungekürzt und im originalen Bildformat beinhaltet, liegt uns nicht vor.

 


Pre Noir | 1931 | USA | Rouben Mamoulian | Dashiell Hammett | Lee Garmes | Bill Elliott | Gary Cooper | Paul Lukas | Sylvia Sidney

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