Abrechnung in Shanghai

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Bewertung
****
Originaltitel
The Shanghai Gesture
Kategorie
Pre Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1941
Darsteller

Gene Tierney, Walter Huston, Victor Mature, Ona Munson, Phyllis Brooks

Regie
Josef von Sternberg
Farbe
s/w
Laufzeit
99 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Shanghai, China: Die US-amerikanische Revuetänzerin Dixie Pomeroy (Phyllis Brooks) ist einigermaßen abgebrannt in Shanghai gestrandet. Als sie auf offener Straße im Gewahrsam zweier Polizisten abgeführt werden soll, trifft sie Dr. Omar (Victor Mature), der sie im Nu aus solcher Situation befreit. Letzterer ist ein charmanter Tunichtgut und Lebemann, der sich mit seinem ebenfalls schillernden Bekannten Percival Montgomery Hower (Clyde Fillmore) auf dem Weg in Mother Gin Slings Casino befindet. In der stadtbekannten Spielhölle sind Omar und Hower quasi Bestandteile des Inventars exotisch-bizarrer Charaktere aus vielen Teilen der Welt, die alle etwas zu verbergen haben und deren jeweilige Identität vor allem wechselhaft scheint. Dr. Omar lässt die Blondine, auf die er selbst ein Auge geworfen hat, im Vorzimmer der legendären Besitzerin Mother Gin Sling (Ona Munson) zurück und begibt sich mit Hower in den gewaltigen Spielsaal. Hier haben sich auf stufenartig steigenden Emporen und Balkonen des Etablissements schon allerlei Nachteulen eingefunden. Unter ihnen ist an der Bar auch die junge Poppy Smith (Gene Tierney) in Begleitung eines Mannes (John Abbott), der auf Anfrage Omars und Howers ihr Bruder zu sein vorgibt, was nicht der Wahrheit entspricht. Sodann trifft Konsul Van Elst (Albert Bassermann) mit einer Abordnung von Diplomaten und Geschäftsleuten im Casino ein. Mother Gin Sling kennt Van Elst schon lange. Doch heute Abend hat er ihr im Auftrag des Millionärs und Spekulanten Sir Guy Charteris (Walter Huston) eine schlechte Nachricht zu übermitteln…
 
“People Live in Shanghai for Many Reasons... Most of Them Bad!” Der in Wien und New York aufgewachsene Regisseur Josef von Sternberg, Sohn eines Offiziers der Monarchie Österreich-Ungarn, hatte bereits in den 20ern Filme in den USA inszeniert, so auch Unterwelt (1927), einen legendären Vorläufer der Gangsterfilme und des Film Noirs Made in Hollywood. In den Dreißigern war er mit Marlene Dietrich liiert, mit der er u.a. Der blaue Engel (GER 1930) nach Heinrich Mann und Shanghai Express (USA 1932) drehte. Josef von Sternberg galt als extrem despotisch am Set, so dass ihn Robert Mitchum bei den Dreharbeiten zu Macao (USA 1952) vom Pier ins Hafenbecken zu werfen drohte. Bereits ab Marokko (USA 1930) schwelgte Josef von Sternberg in einem Exotismus, der für viele Produktionen aus dem Hollywood der 30er signifikant wurde. Der Ferne Osten zeigte nicht nur in Filmen wie Der General starb im Morgengrauen (USA 1937) sondern auch in Seriencharakteren wie Mr. Moto (Peter Lorre spielte von 1937 bis 1939 den chinesischen Detektiv Kentaro Moto) und natürlich Charlie Chan (von 1933 bis 1937mit Warner Oland, später mit Sidney Toler) seine Anziehungskraft. Abrechnung in Shanghai (der Film lief in Deutschland erstmals 1971 im Fernsehen ) ist nicht nur ein Werk, das teils dem Film Noir zuzurechnen ist, sondern auch ein Nachzügler der genannten Tradition. Er ist noch stark den Dreißigern verpflichtet, doch sind seine Mängel z.T. dem Eingreifen der Zensurbehörde (Hays Office) geschuldet, die erst ein vielfaches Umarbeiten des Drehbuchs und dann nochmals viele Schnitte forderte.
 
Bild Bild Bild
 
Abrechnung in Shanghai ist voller unsympathischer, verschlagener Charaktere, deren Verstrickung in tief in der Vergangenheit wurzelnde Geheimnisse nicht bloß deren Enthüllung mit sich bringt, sondern dessen Geschichte vom Motiv der Rache getrieben wird. Motive des Film-Noir-Kinos gibt es reichlich– die kalt berechnende, mit sexuellen Attributen jonglierende Femme fatale und den parasitenhaft an Intrigen spinnenden Ganoven ohne Gewissen. Sie verschlingen einander, diese amoralischen und artifiziellen Salonlöwen – rachsüchtig, wollüstig, nymphomanisch, habgierig und allesamt verloren. Josef von Sternbergs Film kennt keine Gewinner, nur Betrogene in einem Spiel, darin zuletzt kaum etwas real ist – an keiner der Hofschranzen seiner bizarren Kulissenwelt, die nach Sex und Opium duftet. Doch die Farce der Dekadenz, die vor dem Selbstbild der Vereinigten Staaten nicht innehält, konnte sein Autor und Regisseur nur in Andeutungen und Umschreibungen inszenieren, sosehr saß ihm bei der Verfilmung des Theaterstücks von John Colton (EA 1926) die Zensurbehörde, das Hays Office, im Nacken. Die Studiokulissen sind prachtvoll, Ona Munson, Victor Mature und Walter Huston sind auf der Höhe ihres Schauspiels; nur Gene Tierney lässt sowohl darstellerisch als auch mit Blick auf ihren Rollencharakter zu wünschen übrig – in ihr und mit ihr offenbart sich die Schwäche des gestutzten Werkes. Josef von Sternberg schaffte den Sprung in die Vierziger damit nicht. Der Film verschwand in der Versenkung und war das letzte rabiate Stück Filmkunst, darüber er halbwegs Kontrolle hatte. Poppy Smith: “You said Doctor Omar. Doctor of what?” Dr. Omar: “Doctor of nothing, Miss Smith. It sounds important and hurts no one. Unlike most doctors.”
 
Exzellente DVD (2009) der Orbit Media Ltd. (UK), die den Film ungekürzt im Originalformat bietet, bildtechnisch in einer guten Fassung, dazu den klar verständlichen Originalton ohne Untertitel, nur Extras gibt es keine. Eine sehenswerte Kuriosität!
 

Pre Noir | 1941 | USA | Josef von Sternberg | Albert Bassermann | Marcel Dalio | Mike Mazurki | Steven Geray | Victor Mature | Walter Huston | Gene Tierney | Ona Munson

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