Cruel Gun Story

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Bewertung
***
Originaltitel
Kenjû zankoku monogatari
Kategorie
Post Noir
Land
JPN
Erscheinungsjahr
1964
Darsteller

Jô Shishido, Chieko Matsubara, Tamio Kawaji, Yûji Odaka, Minako Katsuki

Regie
Takumi Furukawa
Farbe
s/w
Laufzeit
87 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Der Flughafen Tokios: Der eben aus dem Gefängnis entlassene Mörder Joji Togawa (Jô Shishido) sieht vom Maschendrahtzaun den startenden und landenden Maschinen zu. Plötzlich fährt ein Mann in einem Cabriolet vor und die beiden rasen im offenen Wagen gen Zentrum. Dort hat Togawa einen Termin bei dem ehemaligen Rechtsanwalt Ito (Zenji Yamada) der mit seiner Lizenz auch seinen Einfluss verlor und nun als Handlanger des Gangsterbosses Matsumoto (Hiroshi Nihon'yanagi) ein Auskommen findet. Er war es, der Joji Togawa im Auftrag Matsumotos zwei Jahre vor Ende seiner Haftstrafe aus dem Gefängnis schleuste. Und er kennt sich in der Vergangenheit Togawas aus, dessen Schwester Keiko (Minako Katsuki) vor drei Jahren durch einen Lkw-Unfall beide Beine verlor und im Rollstuhl sitzt. Es war der Mord an dem Fahrer, der Joji Togawa damals hinter Gitter brachte… Ito schlägt Togawa einen Fischzug vor, der über sechs Monate hinweg geplant wurde und für sie beide von Vorteil sein könnte. Mit vier Handlangern soll Togawa den Panzerwagen überfallen, der die Wetteinnahmen von der Pferderennbahn am Stadtrand zur Bank im Zentrum transportiert. Bis in den Abend grübelt Togawa, ob er zusagen soll, dann will er es sich immerhin überlegen. Ito gibt ihm Geld und Fotos von Kondo (Hiroshi Kondô), Okada (Shôbun Inoue) und Teramoto (Kojiro Kusanagi). Der vierte Mann im Bunde ist Togawas alter Freund Shirai (Yûji Odaka), der ihn auf dem Beifahrersitz des Cabriolets bereits erwartet…
 
Ein überraschend schwacher Film, der sich nach einem gelungenen Auftakt zunehmend in Klischees verliert, seine Handlungslogik aus dem Blick verliert und bald als Abklatsch der Vorbilder aus den USA und aus Frankreich erscheint. Zum ersten ist die Idee mit dem Raub der Wetteinnahmen der Pferderennbahn eindeutig von Stanley Kubricks Die Rechnung ging nicht auf / Killing (USA 1956) inspiriert; auch in Don Siegels Hölle 36 (USA 1954) ging es bereits darum. Ausgerechnet Don Siegel hat im Jahr 1964 mit Der Tod eines Killers eine zweite Fassung von Ernest Hemingways Kurzgeschichte The Killers gedreht, zugleich Remake von Robert Siodmaks klassischem Film Noir Rächer der Unterwelt /Die Killer (USA 1946), da schon zwei Drittel der Erstverfilmung nicht Teil der Hemingway-Erzählung waren. Siegel wiederum lässt die Gangster in seinem Film einen Überfall auf einen gepanzerten Geldtransport durchführen, der exakt so ausgeführt wird, wie es Togawa und seine Schergen in Cruel Gun Story handhaben. Der Tod eines Killers hatte Ende Mai 1964 seine Prämiere in Japan, so dass man vermuten könnte, die Drehbuchautoren Haruhiko Ôyabu und Hisataka Kai hätten den Überfall Eins zu Eins aus Siegels Film kopiert. Allerdings gibt IMDB.com an, dass Cruel Gun Story bereits am 1. Februar 1964 in Japan angelaufen sei, so dass Don Siegels Autor Gene L. Coon vom japanischen Film hätte klauen müssen. Beide Filme erschienen in den USA in der Criterion Collection, doch das Rätsel um die Analogie ihres jeweils zentralen Handlungsbestandteils ist stets unaufgeklärt. Neben Stanley Kubrick scheinen auch Jules Dassins Rififi (FRA 1955) und Jean-Pierre Melvilles Der Teufel mit der weißen Weste (FRA/ITA 1962) für Cruel Gun Story Pate gestanden zu haben, hier gibt es mit Blick auf Handlung, Drehorte und Atmosphäre deutliche Anklänge.
 
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Togawa wird zu Beginn des Films wie ein waschechter Film-Noir-Charakter eingeführt. Nach drei Jahren im Gefängnis kommt er durch die Protektion ihm bekannter Gangster auf freien Fuß und wird zugleich durch jenen tragischen Unfall, der seine Schwester an den Rollstuhl fesselt, von Schuldgefühlen geplagt. Aber der Versuch einer Charakterzeichnung, durch einige Freunde aus Togawas Vorleben unterstrichen, wird nicht fortentwickelt. Spätestens nach dem ersten Drittel entfernt sich Cruel Gun Story vom Terrain des Film Noirs und wird zur banalen Gangsterposse mit dem abgebrühten Tausendsassa Togawa, der immer skrupelloser, brutaler und dümmer zu werden scheint, je länger der Film dauert. Jô Shishido schneidet als Darsteller bestenfalls solide ab und dies gilt für die meisten seiner männlichen Kollegen. Demgegenüber ist Chieko Matsubaras Rollencharakter Rie ein solches Nichts, dass der Zuschauer sich fragt, warum sie überhaupt mitspielt. Die superbösen Gangster sind, was sie sind, und trotz der gelungenen Schwarzweiß-Optik mit vielen Film-Noir-Referenzen und trotz des tragischen Kniffs zum Ende, will sich bei diesem Drama für den Film-Noir-Freund weder Spannung noch ansonsten viel Genuss einstellen. Im Kontext der Nikkatsu-Produktionen war Seijun Suzuki die rühmliche Ausnahme und vor allem das belegt die DVD-Veröffentlichung eines Stücks flachen Unterhaltungskinos, das bestenfalls historisch von Belang ist.
 
Die DVD-Ausgabe ist Teil der Eclipse Series 17 mit dem Titel Nikkatsu Noir (2009). Sie beinhaltet insgesamt fünf Filme (Regionalcode 1.), jeweils bildtechnisch topp mit englischen Untertiteln und im Originalformat. Im Ganzen ist die - leider kostspielige - Box für den Film-Noir-Freund oder für Fans asiatischen Kinos durchaus von Interesse.
 

Post Noir | 1964 | International | Takumi Furukawa | Jô Shishido | Tamio Kawaji | Chieko Matsubara

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