Schachmatt

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Bewertung
****
Originaltitel
Pushover
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1954
Darsteller

Fred MacMurray, Philip Carey, Kim Novak, Dorothy Malone, E.G. Marshall

Regie
Richard Quine
Farbe
s/w
Laufzeit
88 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Columbia Pictures Corporation
 
Los Angeles: Eines Morgens um halb neun überfällt der Gangster Harry Wheeler (Paul Richards) mit einem Kumpanen die Bank of Southern California, indem er dem Wachmann (K. L. Smith) folgt, der als erster die Tür öffnet. Nach und nach trudeln Angestellte in die Filiale, die für den Publikumsverkehr noch geschlossen ist. Als der Bankdirektor (Hal Taggert) und sein Stellvertreter (John De Simone) erscheinen, plündert Harry Wheeler den Safe. Unerwartet versucht der längst entwaffnete Wachmann im letzten Augenblick die beiden Gangster an der Flucht zu hindern und wird von Wheeler kaltblütig erschossen… Lona McLane (Kim Novak) war im Magnolia Theatre, wo sie sich zwei Filme ansah, und geht zu vorgerückter Stunde zu ihrem Cabriolet, das auf einem ums Eck gelegenen Parkplatz steht. Aber der Wagen will partout nicht anspringen, als ein freundlicher Mann (Fred MacMurray) sich vom Seitenfenster hereinbeugt und sie fragt, ob er ihr helfen könne. Lona ist von dem Herrn, der genau wie sie im Kino war, sichtlich angetan, und der Fremde wirft einen Blick unter die Motorhaube, wo er allerdings auf die Schnelle nicht fündig wird. Die beiden besuchen eine nahegelegene Bar, wo der Mann einen Automechaniker (James Anderson) verständigt, der zu vorgerückter Stunde zurückkehrt und mitteilt, dass er den Wagen wohl mitnehmen müsse. Lona McLane bittet nun ihren Helfer in der Nacht, sie nach Hause zu bringen, womit allerdings nicht unbedingt ihre eigene Wohnung gemeint ist…
 
“New car, mink coat, no clocks in the joint... probably the story of her life.” Ich bin kein Fan Fred MacMurrays. Seine Filmografie - haufenweise Komödien, Walt-Disney-Produktionen, Western und Romanzen- steht für vieles aus Hollywood, was ich nicht schätze. Seine berühmteste Filmrolle, die des Versicherungsagenten Walter Neff in Billy Wilders Film-Noir-Klassiker Frau ohne Gewissen (USA 1944), hatte er eingangs abgelehnt, weil er fürchtete, seine Fans würden ihn als solch einen düster abgründigen Charakter nicht sehen wollen. Der eiserne Republikaner und 1968 neben Bob Hope und James Stewart Wahlkampfhelfer für Richard Nixon trat meist in harmlosen, das Spießbürgertum zelebrierenden Filmen und Fernsehserien auf. Aber… als Schauspieler war er ein Ass, wenn er richtig gefordert wurde, und genau das zeichnet Schachmatt aus. Exakt zehn Jahre nach der genannten Initialzündung klassischen Film Noirs - Frau ohne Gewissen - kehrte MacMurray in Los Angeles als Police Detective Paul Sheridan auf diese Bühne zurück und bereichert sie mit einem weiteren exzellenten Portrait eines einsamen, zerrissenen und schließlich tragischen Antihelden des Film Noirs. Seine Darstellung entfaltet den Charakter in seiner Komplexität - den zynischen Polizisten, der sich unerwartet verliebt und in der Begegnung mit der deutlich jüngeren Frau sich der eigenen Träume und Sehnsüchte aus halb vergessenen Jugendjahren erinnert. Plötzlich öffnet sich das Tor in eine Zukunft, die bis dato fantastisch und unerreichbar schien, ein Ausweg aus der Tristesse des Polizeialltags, wo man nächtelang in leeren Apartments Aschenbecher füllt und mit dem Fernglas das Leben von Fremden ausspioniert. Es sind genau jene Szenen mit Fred MacMurray und Philip Carey als den abgebrühten Cops in einem kahlen und dunklen, bloß mit Telefon, Abhörtechnik und Kaffebechern ausgestatteten Zimmer, die Schachmatt jenen klaustrophopischen, mitunter fatalistischen Grundton beifügen.
 
Bild Bild Bild
© Columbia Pictures Corporation
 
Lona McLane in der Darstellung durch die 21jährige Kim Novak in ihrem zweiten Film und in der ersten Rolle, für die sie namentlich im Vorspann genannt wird, ist als Rollencharakter etwas weniger konturiert. Ihr Leben ist völlig leer. Lona ist die Mätresse eines Gangsters, über den sie so wenig wie möglich wissen möchte. Aber ihr schönes Cabriolet, das Apartment und der Pelzmantel entschädigen sie für eine entbehrungsreiche Kindheit, von der wir in einem Nebensatz erfahren, denn: “Money isn’t dirty. Just people.” Lona McLane ist das Objekt der Begierde und das Subjekt der Verführung, all das ist schlüssig, denn als Ankerplatz seiner Sehnsucht macht sie Paul Sheridan klar, wie auch dessen Leben hinter der Fassade der betriebsamen Polizeiarbeit im Grunde leer ist. Dass er sich schnell von ihr dazu hinreißen lässt, aufs Ganze zu gehen und seine Kollegen auszubooten, ist glaubwürdiger, als dass Lona sich auf der Stelle für einen Mann interessiert, der 25 Jahre älter ist als sie selbst. Hinter den coolen Sprüchen und dem “Buddy“-Getue sind die Cops sich fremd. Der eine kriecht als Alkoholiker seiner Pension entgegen, der andere erweist sich als verkappter Frauenhasser, Sheridan ist ein Zyniker durch und durch. Mit seinem B-Film-Flair ist Schachmatt bis heute ein klasse Film Noir, sorgfältig im Aufbau und spannend im Finale, das an Konsequenz nichts zu wünschen übrig lässt. Kameramann Lester White sorgt bei fast durchweg nachts angesiedelten Szenen für eine stimmige Bildästhetik und Regisseur Richard Quine für eine stringente Dramaturgie.
 
In den USA erschien Schachmatt unterm Originaltitel Pushover in der 5DVD-Box Columbia Pictures Film Noir Classics II (2010) mit dem Film ungekürzt im Originalformat, – im Jahr 1954 einer der ersten in Widescreen – den englischen Originalton samt Untertiteln und den US-Kinotrailer als Extra. In Europa gibt es als La casa número 322 eine spanische DVD von Sony Pictures Home Entertainment, die auch die englische Tonspur bietet.
 

Film Noir | 1954 | USA | Richard Quine | Fred MacMurray | Dorothy Malone | Kim Novak

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