Dance With A Stranger

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Bewertung
*****
Originaltitel
Dance With A Stranger
Kategorie
Neo Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1985
Darsteller

Miranda Richardson, Rupert Everett, Ian Holm, Stratford Johns, Joanne Whalley

Regie
Mike Newell
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
98 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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London im Jahr 1954: Der schon ältere, aber betuchte und allein stehende Lebemann Desmond Cussen (Ian Holm) führt spät Abends einen Haufen seiner weit jüngeren Bekannten, unter ihnen Rennfahrer David Blakely (Rupert Everett), in einen populären Nachtclub, in höheren Stockwerken zugleich ein Bordell. Hier arbeitet die attrraktive Ruth Ellis (Miranda Richardson) als Geschäftsführerin in Diensten des Inhabers Morrie Conley (Stratford Johns), mit 27 Jahren bereits geschieden und die Mutter zweier Kinder von jeweils anderen Vätern. Mit Morrie redet Ruth offen über ihre Ideen und kann dem knauserigen Geschäftsmann sogar manches Zugeständnis abringen. Dass ihr Sohn Andy (Matthew Carroll) jedoch oberhalb einer Lasterhöhle aufwächst, schätzt sie nicht und plant bei einer weiterhin günstigen Entwicklung ihrer finanziellen Verhältnisse daher umzuziehen. Als David Blakely an einem der nächsten Abende erneut im Club erscheint, fühlt sich Cussen, der Ruth auf seine zurückhaltende Art verehrt, von dem Konkurrenten sichtlich bedrängt. Die Mädchen im Club, Barfrau Christine (Joanne Whalley) und auch Maryanne (Lesley Manville), sorgen dafür, dass sich die Männer wohlfühlen. David Blakely jedoch hat nur Augen für Ruth Ellis. Er macht der hübschen Frau Avancen und verbringt schließlich die Nacht bei ihr, die auch ihn attraktiv findet. Aber gleich bei diesem ersten Mal stellt er unmissverständlich klar, was er an ihr mag und was nicht und wie er sich das in Zukunft vorstellt…
 
Der Film beruht auf einer zum Zeitpunkt seiner Entstehung 30 Jahre zurückliegenden, wahren Begebenheit, dem Mord am Rennfahrer David Blakely durch seine Geliebte Ruth Ellis im April 1955, der zum Todesurteil und zur Hinrichtung von Ruth Ellis durch Erhängen führte. Der seinerzeit spektakuläre Fall ist das letzte jemals in England vollstreckte Todesurteil und löste eine heftige Debatte aus. Bereits kurz danach nahm sich J. Lee Thompson des Themas an und brachte mit Umfange mich, Nacht (UK 1956) einen Film Noir ins Kino, darin Diana Dors als Mary Price Hilton wegen Ermordung ihres betrügerischen Liebhabers im Gefängnis auf ihre Hinrichtung wartet. Wenig später zeigte Robert Wise mit Lasst mich leben (USA 1958) ein ebenfalls dem Film Noir zuzurechnendes Drama, darin es ums Todesurteil gegen Barbara Graham (Susan Hayward) ging, die 1955 in den USA nach Verurteilung wegen Mordes durch Indizienbeweise in der Gaskammer endete. Dance With A Stranger porträtiert das Leben von Ruth Ellis, ihrer Männer und ihres Sohnes vor dem tragischen Ereignis und spielt nicht im Gefängnis. Das Werk ist völlig unsentimental und dunkel. Es liefert pointierte Charaktrerporträts und zeigt die Bigotterie und das Rollenverständnis in der desorientierten Gesellschaft jener Nachkriegsjahre. Rupert Everett mimt David Blakely, einen Spössling der “Upper Class“, der einerseits mit seinem manischen Hang zum sportlichen Erfolg die Loslösung aus Familienbanden provoziert, andererseits den Tumult seiner Emotionen in der Begegnung mit Ruth durch eine die Kontrolle wiederherstellende Aggression und Gewalt auslebt.“I don’t take any of them seriously. They still got their mother’s milk dribbling down their chins”, erklärt die Bardame Christine ihr eigenes Verhältnis zu den Jungspunden im Club und Ruth läuft beschämt davon.
 
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© Studiocanal GmbH
 
Ihre leidenschaftliche und tief wurzelnde Abhängigkeit von David Blakely, die keinesfalls nur simple Begierde ist, ihr aufgrund dessen zwischen Liebe und Hass stürmisch pendelndes Temperament, das früh die Gefahren solcher Beziehung erspürt, all das zeigt Miranda Richardson als Ruth Ellis, zugleich ihr erster Kinofilm, mit einer unglaublichen Souveränität. Rupert Everett und vor allem auch Ian Holm erweisen sich als ebenbürtig und bisweilen großartig in ihren subtilen Darstellungen der mit Hemmungen und Ängsten belasteten Männer im Leben der scheinbar so lockeren und leichtgängigen Frau. Ein knackiges Drehbuch von Shelagh Delaney, eine rasante Regie von Mike Newell und eine wunderbare Kameraarbeit des Australiers Peter Hannan, der mit Anleihen beim klassischen Film Noir der 50er nicht spart, runden einen der besten englischen Filme der 80er Jahre. Im Gegensatz zum Genrekino aus Hollywood präsentiert sich Dance With A Stranger als beinhartes und kompromissloses Drama, das nach einem wiederholten Schauen verlangt. Bei den Filmfestspielen in Cannes wurde es 1985 als Bester Ausländischer Nachwuchsfilm ausgezeichnet, dabei waren sowohl seine Autorin als auch sein Regisseur seit den Frühsechzigern im Filmgeschäft. Und nicht nur in Andrew Spicers schicht Film Noir (EA 2002) betiteltem Buch wird das dort “overtly noir in theme and style“ beschriebene Werk inzwischen der europäischen Neo-Noir-Tradition zugerechnet. Verblüffend zeitloses und perfekt inszeniertes englisches Erzählkino.
 
Erstklassige DVD-Edition (2006) von Arthaus / Studiocanal mit dem Film ungekürzt im Originalformat, wahlweise deutsche und englische Tonspur, optional deutsche Untertitel, eine Fotogalerie sowie den Kinotrailer als Extras.
 

Neo Noir | 1985 | UK | Mike Newell | Joanne Whalley | Miranda Richardson

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