Lasst mich leben

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Bewertung
*****
Originaltitel
I Want to Live!
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1958
Darsteller

Susan Hayward, Simon Oakland, Virginia Vincent, Theodore Bikel, Wesley Lau

Regie
Robert Wise
Farbe
s/w
Laufzeit
114 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© United Artists Corporation
 
Barbara (Susan Hayward) ist eine Prostituierte und ein extrovertiertes Partygirl, stets auf der Suche nach einem Kick und eventuell nach einem Lover. Mit ihrer Freundin Peg (Virginia Vincent) macht sie die Nachtclubs und Privatpartys um San Francisco unsicher, tanzt ektastisch zu den Klängen der Jazzorchester und ist um eine freche Antwort nie verlegen. Ihr Geld verdient die Kleinkriminelle auch damit, dass sie in Bars gestrandete Handlungsreisende und andere Spießbürger zu scheinbar aufregenden Pokerrunden schleppt, die jedoch von ihren Freunden Emmett Perkins (Philip Coolidge) und John R. “Jack“ Santo (Lou Krugman) inszeniert werden, um derlei Typen auszunehmen. Diese Trickbetrügerei läuft nicht übel, aber als Barbara zwei Freunden ein falsches Alibi verschafft, wird sie wegen Meineids zu einer Haftstrafe verurteilt und erweitert ihre kriminelle Biografie um eine Seite, die schwerwiegende Folgen haben wird. Wieder auf freiem Fuß nimmt sie ihr altes Leben in Los Angeles wieder auf, bevor sie sich entschließt, Barkeeper und Junkie Henry L. Graham (Wesley Lau) zu heiraten, von dem sie schließlich einen Sohn bekommt. Das Familienleben wird allerdings von Henrys Morphiumsucht überschattet, der alles Geld verbraucht, so dass er sich selbst um Haus und Hof und um die Frau und den Sohn bringt. Barbara kehrt mit dem Baby zu Perkins und Santo zurück, die sich inzwischen mit Bruce King (James Philbrook) zusammen taten, doch Barbara kann jenen auf den Tod nicht ausstehen…
 
“I Want to Live! is a 1958 film noir written by Nelson Gidding and Don Mankiewicz, produced by Walter Wanger, and directed by Robert Wise, which tells the heavily fictionalized story of a woman, Barbara Graham, convicted of murder and facing execution“, informiert Wikipedia - The Free Encyclopedia. Inwieweit der biografische Film die Geschichte Barbara Grahams “heavily fictionalized“ wiedergibt, wie es hier rechthaberisch heißt, ohne dass dafür echte Belegstellen folgen, ist nicht einmal so sicher. Die genannten Drehbuchautoren folgten den veröffentlichten Briefen der Barbara Graham und den ausgiebigen Recherchen des Journalisten Edward S. Montgomery – im Film dargestellt von Simon Oakland. Als Plädoyer wider die Todesstrafe lässt es Robert Wises Film und vor allem Susan Haywards Darstellung so aussehen, als sei die Angeklagte Graham des Mordes nicht schuldig, ohne dass Skript und Film das explizit behaupten oder zu beweisen sich anschickten. Was demgegenüber minutiös wiedergegeben wird, sind die überaus zweifelhaften Ermittlungsmethoden der US-Polizei, die mit Lügen gegenüber Barbara Graham und mit Lockangeboten für Mithäftlinge und Zeugen ein Geständnis erschlichen, dass die Glaubwürdigkeit der amoralischen Angeklagten bei der Jury erschütterte. Allemal zeigt das tendenziöse Zitat aus Wikipedia, in welchem Maß der Film bis heute die Geister scheidet. Exakt 55 Jahre nach Lasst mich leben ist die Todesstrafe ebenso Realität des US-amerikanischen Justizsystems, wie sie es damals war. Seinerzeit wurde das Werk von der Kritik enorm positiv aufgenommen und u.a. dieses Echo kann als Nachhall der Wut und des Überdrusses der US-Intelligenz post McCarthy gelten. In Europa durfte Lasst mich leben im Jahr 1958 teils nicht aufgeführt werden und kam auf den Index.
 
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© United Artists Corporation
 
Der Film berührt und schockiert, insofern in der rigiden und von der eigenen Machtfülle berauschten US-Staatsräson die Möglichkeit eines Justizirrtrums nicht einmal in Betracht gezogen wird. Dafür muss Lasst mich leben nicht in allen Details historisch akurat sein, muss der Film nicht explizit als ein “Message Movie“ den Zeigefinger heben, worauf Robert Wise dann auch vollends verzichtet. In nüchterner, dramaturgisch voll ausgereifter Kühle und Härte prallen Welt und Gegenwelt aufeinander und die Schatten der Begebenheiten fallen in alle nur denkbaren Richtungen. Niemand ist eine Heldengestalt, nirgendwo ist eine moralisch integre Seele in Sicht - nicht ein einziges Schlupfloch, durch das die Hoffnung in die Schwärze dieses Dramas Einlass fände. Solches ruft Beifall hervor und erzeugt Widerstand bei denen, die nicht auszuhalten gewillt sind, an der Unfehlbarkeit und Integrität des Rechtsstaats den leisesten Zweifel nagen zu sehen. Susan Hayward erhielt für ihre Leistung verdientermaßen den Oscar als beste Hauptdarstellerin; sie ist als Barbara Graham eine wahre Tour de Force auch für den Zuschauer. Zudem wurden Robert Wise als bester Regisseur und Nelson Gidding und Don Mankiewicz als beste Drehbuchautoren sowie Lionel Lindon für die beste Kameraarbeit in Schwarzweiß mominiert, ohne jeweils den Preis zu erhalten. Die ersten 40 Minuten gehören mit zum Feinsten, was der Film Noir in seiner Spätphase zu bieten hat und halfen Robert Wises nächstem Meisterwerk, Wenig Chancen für morgen (USA 1959), bereits auf die richtige Spur.
 
2004 erschien eine deutsche DVD der MGM Home Entertainment GmbH, ungekürzt und bildtechnisch gut, doch mit der originalen Widescreen-Fassung (1.66:1) auf Vollbild 4:3 gequetscht, so dass nur die Mitte des Bildschirms mit einem Bild gesegnet ist - dazu oben und unten, rechts und links schwarze Balken. Eine korrekte Fassung gibt es unseres Wissens nur in den USA als DVD mit Regionalcode 1. Immerhin bietet die hiesige Edition eine deutsche, englische, spanische, italienische und finnische Tonspur, dazu optional französische, niederländische und griechische Untertitel. Extras gibt es keine.
 

Film Noir | 1958 | USA | Robert Wise | Lionel Lindon | Simon Oakland | Raymond Bailey | Peter Breck | Susan Hayward

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