Tödliche Geschäfte

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Bewertung
***
Originaltitel
Time Is My Enemy
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1954
Darsteller

Dennis Price, Renée Asherson, Susan Shaw, Patrick Barr, Bonar Colleano

Regie
Don Chaffey
Farbe
s/w
Laufzeit
64 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Mitten in Londons West End wird am helllichten Tag der Juwelier Ralph Curtis in seinem Laden überfallen und niedergeschossen. Drei Männer stürmen aus dem Geschäft und fliehen mit einem gestohlenen Wagen in eine entlegene Gegend, wo sich Martin Radley (Dennis Price) zu Fuß ins Gewimmel der Großstadt davon macht. Indessen sind Inspector Charles Wayne (Duncan Lamont) und Peter Thompson (William Franklyn) von Scotland Yard am Tatort eingetroffen, wo der schwer verletzte Juwelier soeben ins Krankenhaus abtransportiert wird. Die Evening News bringt den Vorfall bereits auf der Titelseite ihrer Abendausgabe. Davon nimmt auch Martin Radley Notiz, der nun versucht, Mrs. Barbara Everton (Renée Asherson) ans Telefon zu bekommen, doch von der Hausangestellten Betty (Barbara Grayley) mitgeteilt bekommt, dass sie noch unterwegs sei. Kurze Zeit später kehrt sie jedoch von einem Einkaufsbummel zurück und trifft im eigenen Haus auf ihre Tante Laura Wescott (Agnes Lauchlan), die sich wegen der Ausstellung des Onkels Henry in London aufhält. Indessen kehrt auch Martin Radleys Mitbewohner (Bonar Colleano) zurück, der seinerseits schon versucht hat, die erbeuteten Juwelen an einen Händler namens Sheldon zu verkaufen. Doch jener wollte die Ware auf keinen Fall in Kommission nehmen. Durch den Schwerverwundeten, der sich akut in Lebensgefahr befindet, ist der Raub für alle Beteiligten mehr zu einer Bürde als zu einem Erfolg geworden. So muss sich Martin Radley, der selbst geschossen hat, schleunigst etwas einfallen lassen, denn er braucht das Geld mehr als dringend …
 
Wenn der routinemäßig abgedrehte B-Thriller ab der vierzigsten Minute in Gang kommt, ist man als Zuschauer schon müde. Von Drink zu Drink, von Telefonat zu Telefonat müht sich die Handlung in den billigen Studiosets der ersten Dreiviertelstunde, bis Barbara Everton sich mit den Fakten konfrontiert sieht und entscheiden muss. Schade! Im englischen Film Noir der Vierziger und Fünfziger tummelten sich viele Schauspieler, die wie in den USA ab den Mittfünfzigern reihenweise in zweit- bis drittklassige Fernsehserien abwanderten und oft nie wieder den Sprung auf die Leinwand schafften. Renée Asherson, Brenda Hogan und Alfie Bass zeigen ihr Können und vermögen ihre papierdünnen Charaktere dennoch kaum mit Leben zu füllen. Zudem gibt es einen Subplot, Kriminalautor John Everton (Patrick Barr) vs. Inspector Charles Wayne, angereichert mit einer moralischen Fragestellung, die durch das Ende des Films - ähnlich demjenigen von Anthony Kimmins’ Der Täter fährt nach Norden (UK 1952) - nochmals ad absurdum geführt wird, was man bei besonderer Neigung als „subversiv“ interpretieren könnte. Doch Duncan Lamont ist als Inspector Wayne und als Darsteller nicht der Typ, der solch eine Neigung hervorriefe und leider nicht der einzige Negativpunkt der Produktion. Während es atmosphärisch stimmige Aufnahmen aus Londons Innenstadt bei Tag und Nacht zu sehen gibt, sind einige der Studiosets - vor allem Nachtclub und Flughafen - derart dilettantisch arrangiert, dass es bestenfalls für einen Lacher reicht.
 
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Elemente des Film Noirs sind in diesem Thriller die Spiele mit der Identität gleich mehrerer Personen. So hat Martin Radley ein Ereignis des Weltkrieges zu nutzen verstanden, die seine neu zu erfinden. Er tut es einmal mehr, nachdem der Raubüberfall auf den Juwelier tragisch missrät. Es sind diese Elemente in der Beziehung zu Mrs. Barbara Everton, die die Handlung schließlich voran treiben, demgegenüber einige andere ungeklärt außen vor bleiben. Die beiden Komplizen des Raubs verschwinden und von den Juwelen ist nach dem missglückten Versuch ihres Verkaufs bald keine Rede mehr. Auch Radleys trunksüchtiger Mitbewohner - gespielt von Bonar Colleano - verschwindet irgendwann von der Bildfläche. Hier hätte sich dieser Film von kurzen 64 Minuten, der in seinen ersten zwei Dritteln soviel Zeit vertändelt, mehr Mühe geben können. Solches geht klar zu Lasten des Drehbuchs. Ab Anfang der Fünfziger wurden auch in England die wirklich pointierten und hochwertigen Film-Noir-Dramen rar – die Zeiten von Ausgestoßen (UK 1947), Brighton Rock (UK 1947) oder Jim Ackland unter Mordverdacht (UK 1947) waren eindeutig vorbei. Dennoch wird das englische Kino jener Zeit in Deutschland stets unterschätzt. Es brachte viele Film-Noir-Klassiker jenseits von Der dritte Mann (UK 1949) hervor und verfügte über eine hohe Anzahl guter Darsteller, wie sogar ein gerade noch mittelmäßiger Krimi wie Tödliche Geschäfte (der Titel entstammt der DDR, wo der Film im deutschsprachigen Raum einzig aufgeführt wurde) noch beweist. Sehen muss man ihn trotzdem nicht.
 
Die einzige jemals veröffentlichte DVD-Edition als Doppel mit They Can't Hang Me (UK 1955) zeigt den Film in einer erstaunlich guten Bildqualität, ungekürzt im Originalformat mit gut verständlichem, englischem Originalton und ohne Extras.
 

 

Film Noir | 1954 | UK | Don Chaffey | Dennis Price | Bonar Colleano | Alfie Bass | Renée Asherson | Susan Shaw

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