Katzenmenschen

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Bewertung
****
Originaltitel
Cat People
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1942
Darsteller

Simone Simon, Kent Smith, Tom Conway, Jane Randolph, Jack Holt

Regie
Jacques Tourneur
Farbe
s/w
Laufzeit
69 min
Bildformat
Vollbild
 

 

Bild Bild Katzenmenschen-Poster-web4.jpg
© Warner Bros.
 
New York: Seit kurzem lebt die aus Serbien eingewanderte Modezeichnerin Irena Dubrovna (Simone Simon) in der US-Metropole, die sich für ihre Entwürfe gern im Zoologischen Garten des Central Parks inspirieren lässt. Während sie vor dem Raubtiergehege einige Skizzen eines Panthers anfertigt, lernt sie den Schiffsbauingenieur Oliver Reed (Kent Smith) kennen. Die beiden kommen ins Gespräch und Irena lädt Oliver zum Tee in ihr Apartment ein. Als sie aufbrechen, fällt eine der Zeichnungen zu Boden, auf der ein Panther von einem Schwert durchbohrt wird. Zuhause bei ihr fällt Reed nicht nur der eigenwillige Charme seiner Gastgeberin sondern auch eine Tischstatuette auf, die einen Krieger zeigt, der mit dem Schwert eine Katze aufspießt. Irena erläutert, dass es sich um einen serbischen König handele, der ein durch das Tier symbolisiertes Böses bekämpfe. In einer Zeit der Versklavung durch Mameluken hätten Bewohner ihres Dorfes sich der Hexenkunst verschrieben und wurden nach Befreiung des Landes daher vom König getötet. Nur die Stärksten und Klügsten hätten sich vor ihm in die Berge geflüchtet… Nachdem er seiner Kollegin Alice Moore (Jane Randolph) von seiner Bekanntschaft berichtete, schenkt Oliver Irena ein Kätzchen, doch dieses faucht nur und fasst kein Vertrauen zu ihr. Als sie es in der Tierhandlung umtauschen wollen, erfasst alle Tiere eine unerklärliche Panik. Die Inhaberin Mrs. Plunkett (Elizabeth Dunne) meint, dass diese eben einen Sinn für das Besondere in Menschen hätten...
 
„Mit seiner expressionistischen Lichtsetzung zählt Jacques Tourneurs Film zu den Höhepunkten des Film noir“, heißt es auf der Website des deutschen Filmvertriebs Arthaus zu diesem Klassiker. Und Steve-O beginnt im Webportal Noir Of The Week seine Rezension: ”Cat People from 1942 is a film noir disguised as a horror film. Filled with the same visual style and sense of fatalism that dominated film noir during the classic film noir (that would peak four or five years later especially at RKO), Cat People is the ultimate horror-noir.” Tatsächlich ist Horror als visuelles Element im Film selbst zu vernachlässigen und wird auch seitens der Regie nachlässig behandelt. Der effekthascherische Budenzauber, mit dem der Horrorfilm später das Übernatürliche bebilderte, kommt nirgendwo vor. Vielmehr symbolisiert das Übersinnliche in der Erzählung - bis zum Schluss belässt sie eine Restmenge des Zweifels! - soziale Belange, die sich im Hollywoodfilm der Frühvierziger anderweitig nie so hätten thematisieren lassen. Die Angst vor der eigenen und die Lust an einer zügellosen Sexualität - vielleicht sogar gepaart mit Aspekten von Gewalttätigkeit - sowie die unauslotbare Isolation eines Menschen aufgrund dessen Andersartigkeit und tief wurzelnder Unintegrierbarkeit, wie hier von der serbischen Einwanderin Irena Dubrovna exemplarisch verkörpert: Im Film Noir kommender Jahre sollte all das seinen Platz finden. Schon im gleichen Jahr zeigte die Figur des Philip Raven (auf Promofotos ist Alan Ladds Schatten der eines Raben, so wie Irenas Existenz als Pantherkatze großteils über ihren Schattenwurf symbolisiert wird) in Die Narbenhand / Killer zu vermieten (USA 1942) nach Graham Greene einen überraschenden Grad an Ambivalenz.
 
 
Bild Bild Bild
© Studiocanal GmbH
 
"A kiss could change her into a monstrous fang-and-claw killer!" hieß es seinerzeit auf einem Filmplakat für Katzenmenschen. Irena Dubrovna / Reed ist eine frühe Inkarnation der Femme fatale, wie sie der Film Noir ab 1944 mit Darstellerinnen wie Joan Bennett, Barbara Stanwyck, Gene Tierney (auch ihre Laura in Otto Premingers gleichnamigem Film Noir von 1944 arbeitet als Modezeichnerin) und Lauren Bacall im Repertoire führen sollte. Kent Smith ist als männlicher Protagonist von Anbeginn derart jungenhaft und in der Fragerrolle, dass sowohl Irena als auch Alice ganz natürlich ihre Stärken ausspielen. Die starken Frauen der USA im Weltkrieg, sie geben hier bereits den Ton an und lenken mit ihren Antworten die Männer zu Entscheidungen, die sie im Stillen längst selbst getroffen haben. Die Frau, vor der man sich (als arglos naiver Mann) ängstigen muss und die zugleich ein Faszinosum darstellt – in Katzenmenschen steht sie voll im Mittelpunkt. Doch ist mit ihr auch das Thema hoffnungsloser Einsamkeit verknüpft, Fluch eines Schicksals, das im Inneren nistet – zentrales Motiv der Psychologie vieler Film Noirs. Simone Simon (Bestie Mensch, FRA 1938) führt ein gutes bis sehr gutes Ensemble. Jacques Tourneur steuert im Verbund mit Kameramann Nicholas Musuraca - beide arbeiteten auch am Film-Noir-Klassiker Goldenes Gift (1947) zusammen - eine deutlich von Orson Welles (Citizen Kane, USA 1940) und dem Expressionismus der 20er beeinflusste Regie bei. Auch hierzulande ist Katzenmenschen längst in der Schublade „Kultfilme“ einsortiert, deren zeitlose Attraktivität von Generation zu Generation überliefert wird. 1944 drehte Robert Wise als The Curse Of The Cat People eine leider in Vergessenheit geratene, überaus originelle Fortsetzung. 1982 verstieg sich Paul Schrader (Ein Mann für gewisse Stunden, USA 1980) zu einem furchtbar banalen Remake.
 
Erstklassige DVD-Edition der Arthaus Collection: bildtechnisch topp restauriert, ungekürzt im Originalformat, deutscher und englischer Ton, optional deutsche Untertitel, im schönen Digipack mit hochwertigem Essay und dem Kinotrailer als Extra.
 

Film Noir | 1942 | USA | Jacques Tourneur | Nicholas Musuraca | Kent Smith | Jane Randolph | Simone Simon

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