Three Strangers

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Bewertung
****
Originaltitel
Three Strangers
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1946
Darsteller

Sydney Greenstreet, Geraldine Fitzgerald, Peter Lorre, Joan Lorring, Robert Shayne

Regie
Jean Negulesco
Farbe
s/w
Laufzeit
92 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Warner Bros.

London am 30. Januar des Jahres 1938, dem Tag vor Neujahr nach chinesischem Kalender: Die hübsche Mrs. Crystal Shackleford (Geraldine Fitzgerald) irrt über den nächtlichen Boulevard, als suche sie jemanden, bis sie vor dem Schaufenster eines Antiquitätengeschäfts innehält und jemandem zulächelt. Sie eilt weiter und in ihrem Leopardenmantel bewegt sie sich nun selbstbewusst durch die Straßen und weiß den von ihr angezogenen Mr. Jerome K. Arbutny (Sydney Greenstreet) hinter ihr. Als sie vor dem Haus ankommt, darin sie ein Apartment bewohnt, möchte er sich vorstellen, doch Mrs. Shackleford verhindert es und verrät auch ihren Namen nicht. Arbutny wundert sich, lässt es jedoch dabei bewenden und folgt der Unbekannten in ihre im ersten Stock gelegene Wohnung. Hier ist er, während ihm die Dame ein Glas Whisky anbietet, davon überrascht, in ihrer Gesellschaft einen zweiten Herrn, den ihnen beiden ebenso unbekannten John West (Peter Lorre) anzutreffen. Sie habe ihn mit dem gleichen Trick in ihr Apartment gelockt, gesteht sie Arbutny ein, der daraufhin gehen möchte, aber Crystal Shackleford fleht ihn an, dasss er bitte bleibe, indessen John West zum Ausdruckt bringt, wie sehr er sich amüsiere. Mrs. Shackleford erklärt ihnen, dass sie sie heraufgeführt habe, weil nach chinesischer Legende am Neujahrfest die Göttin des Glücks und des Schickals, Kwan Yin, welche als Bronzestatue auf ihrem Kaminsims thront, ihre Augen und ihr Herz drei Fremden öffne, wenn diese ihr mit einer Bitte huldigten…

 

"You only want what you can't have as long as you can't have it.” Wer im Film Noir die Figur der Femme fatale schätzt und Werke sucht, darin sie eine zentrale Rolle einnimmt, darf innehalten und sich Three Strangers zu Gemüte führen. Mit der diabolisch manipulativen Crystal Shackleford, einer verlassenen Ehefrau, geht der nach einem Drehbuch John Hustons und Howard W. Kochs gedrehte Film Noir an die Grenzen dessen, was die 40er Jahre an einer Femme fatale zu bieten hatten. In direkter Erbfolge zu der von von Gene Tierney verkörperten Ellen Berent in John M. Stahls Todsünde (USA 1945) und in Nachbarschaft zu der von Larraine Day dargestellten Nancy Patton in John Brahms The Locket (USA 1946) ist Crystal Shackleford der Inbegriff einer von Bosheit, Eifersucht und Narzissmus zerfressenen Frauenfigur des Film Noirs. Ihr tritt mit dem Rechtsanwalt und Vermögensverwalter Jerome K. Arbutny in Gestalt des durch seine Körpermasse beeindruckenden Sydney Greenstreets ein Mann gegenüber, der seinerseits nur von Eitelkeit, Geldgier und Selbstsucht getrieben ist. Als Prototypen des Geschlechterkampfs treten solche Alphatiere gegeneinander an, ohne dass sie es wissen oder nur ahnen. Nach ihrer ersten Begegnung führt sie der Verlauf von ihnen selbst voran getriebener Intrigen und deren individuelle Konsequenzen bei einem zweiten Treffen der “drei Fremden“ unter anderen Vorzeichen zusammen. Genau solche aber haben fürs Finale und für die Schlussequenz erhebliche Konsequenzen. Das Skript von John  Huston und Howard W. Koch ist voll von exakt konturierten Rollencharakteren; es hat zudem Tiefe und hält die eingangs gesetzte Messlatte bis zuletzt oben. Das ist nicht selbstverständlich in der Filmproduktion und zwar zu keinem Zeitpunkt ihrer Geschichte, nicht bloß in jenen 40er Jahren.

 

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© Warner Bros.

“Three Strangers is tightly paced, fairly credible and (…) generous to its characters, especially Peter Lorre's”, schreibt Glenn Erickson für DVD Savant. Er wird an dritter Stelle genannt, eine für ihn typische Platzierung, doch de facto ist Peter Lorre hier der Schauspieler der Stunde. In einem grundsätzlich starken Ensemble und in seinem achten von neun Filmen, die Lorre zwischen 1941 und 1946 mit Sydney Greenstreet drehte, ist er als John West der weltweise Kommentator jener Konkurrenz von Crystal vs. Jerome ums Lenkrad auf dem Weg ins Glück, das sie sich von Kwang Yin erhoffen oder durch sie erzwingen wollen. West ist am stärksten vom Unglück bedroht, das sie alle nach jenem chinesischen Neujahr an der nächsten Biegung ihrer Lebenswege erwartet. Doch als einziger von ihnen versucht dieser Fatalist nichts zu biegen und zu brechen. Peter Lorre war Jean Negulescos Lieblingsschauspieler, der mit ihm und Greenstreet bereits in Die Maske des Dimitrios (USA 1944) gearbeitet hatte. Kameramann Arthur Edeson (Die Spur des Falken / Der Malteser Falke, USA 1941), langjährig bei Warner Bros. unter Vertrag, war keiner der Magier des Film Noirs, kein John Alton,  James Wong Howe oder Milton R. Krasner, und man vermisst sie ein wenig, solche Magie der Bildkompositionen. Auch wirkt Alan Napier bereits zu gesetzt für Geraldine Fitzgeralds und/oder Marjorie Riordans romantische Avancen, ob von dunkler oder heller Natur, die jeweils 10 und 18 Jahre jünger waren. Doch das sind kleine Makel in einem ansonsten flott erzählten, etwas überladenen und dafür reichhaltigen Drama des klassischen Film Noirs. Empfehlenswert!

 

Erstklassige DVD-Ausgabe in der Warner Archive Collection (2015, nur in den USA) mit dem Film bild- und tontechnisch einwandfrei restauriert und ungekürzt im Originalformat dazu den original englischen Ton ohne Untertitel, das Ganze wie immer in dieser Reihe ohne Extras.

 


Film Noir | 1946 | USA | Jean Negulesco | John Huston | Peter Lorre | Robert Shayne | Sydney Greenstreet | Geraldine Fitzgerald | Joan Lorring

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