Locket, The

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Bewertung
***
Originaltitel
The Locket
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1946
Darsteller

Laraine Day, Brian Aherne, Robert Mitchum, Gene Raymond, Sharyn Moffett

Regie
John Brahm
Farbe
s/w
Laufzeit
85 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros.
 
New York: Das betuchte Ehepaar Luise (Nella Walker) und Arthur Wendell (Reginald Denny) aus Florida besucht die Hochzeitsgesellschaft ihres Neffen John Willis (Gene Raymond). Hier lernen die beiden nerstmals dessen Braut Nancy Patton (Laraine Day) kennen, die John heute heiraten wird. Man trinkt Champagner und plaudert ausgelassen in diesen Kreisen, wo Geld kein Thema ist, als ein Bediensteter (Ben Erway) John Willis in dessen Arbeistzimmer bittet, da sich ein Besucher eingestellt habe. Tatsächlich wartet dort ein Dr. Blair (Brian Aherne), der sich Willis als ehemals in New York praktizierender Psychiater vorstellt. Der Grund seines Hierseins sei allerdings wenig erfreulich. Und so erfährt John Willis, dass Nancy schon einmal verheiratet war und zwar mit jenem Dr. Blair, der immerhin Nancys Geburtstag weiß und dem Ahnungslosen ihre Geschichte erzählt… Im Jahr 1938 begegneten sich Nancy und Blair in einem Park in Miami, Florida, als sie mit ihren Fahrrädern ineinander fuhren – der Beginn einer Freundschaft, die bald in eine Liebesbeziehung mündete. Blair war bereits Mitte dreißig, hatte kein Geld, aber Nancy machte das nichts aus, sie liebte ihn. Nach der Heirat kehrte das Paar nach New York zurück, wo Dr. Blair sich erneut der Arbeit in seiner Praxis widmete, bis ihm seine Sprechstundenhilfe Ms Wyatt (Nancy Saunders) eines Tages einen unbekannten Besucher ankündigte. Es handelte sich um den Kunstmaler Norman Clyde (Robert Mitchum), noch bis vor kurzerm Nancys Verlobter…
 
“If you’re lucky, you can afford to be nice.“ Der deutsche Auswanderer John Brahm hatte für die Twentieth Century Fox mit jeweils Laird Cregar in der Hauptrolle gleich zwei rabenschwarze Kriminaldramen um wahnsinnige Verbrecher im viktorianischen London des späten 19. Jahrhunderts gedreht. Scotland Yard greift ein (USA 1944) und The Hangover Square (USA 1945) gelten bei Freunden gotischer Schauermärchen im Windschatten der Sherlock-Holmes-Reihe mit Basil Rathbone (USA 1939-1946) und manches in London angesiedelten Film Noirs wie Ministerium der Angst (USA 1944) als Meisterstücke Bahms. Doch vor allem sein heute vergessener Guest In The House / Satan In Skirts (USA 1944) dürfte ihn 1946 bei RKO als Regisseur für The Locket ins Gespräch gebracht haben, stand doch in diesem Vorläufer mit Hauptdarstellerin Anne Baxter bereits eine perfide manipulative (und psychopathologische) Femme fatale im Mittelpunkt der Handlung. Laraine Day ist in The Locket gut in ihrer Rolle der aufgrund eines Erlebnisses in der Kindheit tief verstörten Nancy, doch überragend ist sie nicht. Im Grunde spielt sie das All-American-Girl, welches sie hier nicht ist, demgegenüber ihre dunkle Seite jedoch nur zwei, drei Male überhaupt sichtbar wird. Dass Dr. Blair, ihr erster Ehemann und ein erfolgreich praktizierender Pychiater, über 5 Ehejahre hinweg niemals einen ernsten Verdacht hegt und allen Schilderungen ihres ex-Verlobten, des Malers Norman Clyde, auch langfristig weniger Glauben schenkt als Nancys lapidaren Beteuerungen, ist völlig abstrus. Und Norman Clydes finale Konsequenz aus dem Bruch mit Nancy entspricht in keiner Weise dem Bild, das der allemal kompetente, allerdings gegen seinen Typ gecastete Robert Mitchum von der Persönlichkeit des Künstlers vermittelt. Es überzeugt den aufmerksamen Zuschauer damit ebenso wenig.
 
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© Warner Bros.
 
Das Beste an The Locket ist Nicholas Musuracas Kameraarbeit, der nicht nur diesen Film Noir in seiner Zeit zu veredeln wusste. Er stiftet die sinistre und ahnungsvoll dunkle Atmosphäre, die den Film mit Beginn der ersten Rückblende bis zum Ende durchzieht. Die narrative Struktur einer sukzessiv wachsenden Einsicht ins Psychogramm der Nancy Patton aka Nancy Blair aks Nancy Monks wird nicht zu Unrecht von vielen Kritikern lobend hervorgehoben. Wie Robert Siodmaks Rächer der Unterwelt / Die Killer (USA 1946) profitiert der Film davon und verrätselt sein zentrales Anliegen. Aber die Enthüllung der psychischen Wunde trägt wenig dazu bei, den Nancy-Carakter so facettenreich werden zu lassen, dass der Zuschauer an ihrem weiteren Geschick ernsthaft Anteil nähme. Bei seiner Prämiere erhielt der Film sowohl gute als auch zurückhaltende Kritiken, heute wird er von der Film-Noir-Gemeinde in den USA extrem positiv bewertet. Für mich allerdings bringt es Denis Schwartz in seiner Rezension für Ozu’s World Movie Reviews auf den Punkt: “The Locket only had some glitter but not enough substance. Though (…) it still kept me alert wanting to know what gives. The problem is I never satisfactorily found out what gives.“ John Brahm drehte im Folgejahr den Film Noir The Brasher Doubloon / The High Window (USA 1947) nach einem Roman Raymond Chandlers und enttäuschte einmal mehr.
 
Weltweit gibt es sogar mehrere hochwertige DVD-Editionen, etwa die englische Ausgabe (2011) von Odeon Entertainment Ltd. mit dem Film ungekürzt im Originalformast, bild- und tontechnisch topp, dazu den englischen Originalton ohne Untertitel und ohne Extras.
 

Film Noir | 1946 | USA | John Brahm | Nicholas Musuraca | Robert Mitchum | Ellen Corby

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