Faust im Gesicht, Die

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Bewertung
*****
Originaltitel
Requiem For A Heavyweight
Kategorie
Post Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1962
Darsteller

Anthony Quinn, Jackie Gleason, Mickey Rooney, Julie Harris, Stanley Adams

Regie
Ralph Nelson
Farbe
s/w
Laufzeit
82 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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New York: Der 38 Jahre alte Profiboxer Louis “Mountain“ Rivera (Anthony Quinn) geht gegen den jungen Cassius Clay (alias Muhammad Ali) in der siebten Runde zu Boden und wird mit Platzwunden im Gesicht in die Kabine geführt. Sein Zustand ist schlecht, er murmelt wirr vor sich hin. Ein Check durch Dr. Gilbert (Louis Gilbert) zeigt, dass Mountain seine aktive Karriere sofort beenden muss, will er nicht sein Leben in Gefahr bringen. Riveras Trainer Army (Mickey Rooney) und Manager Maish Rennick (Jackie Gleason) sind von dieser Nachricht zwar nicht überrascht, doch beide auf ihre Weise betroffen. Army und Rennick arbeiten seit 17 Jahren mit Rivera zusammen, haben alle Triumphe und Tiefpunkte seiner Karriere im Boxsport mit ihm geteilt, zu dritt sind sie durch Dick und Dünn gegangen. Diesmal hat Maish jedoch eine Wette gegen seinen Schützling platziert und Ma Greeny (Madame Spivy) zugesichert, dass Mountain spätestens in der vierten Runde erledigt sei. Mountain hat große Mühe, wieder auf die Beine zu kommen. Army unterstützt ihn aus Leibeskräften, aber Maish ist ratlos. Er redet sich und Army ein, dass sie mit einem jungen Boxer bald wieder auf die Füße fielen, doch der Trainer will davon nichts wissen. Als Maish die Kabine verlässt, warten im Korridor bereits die Helfer Ma Greenys. Der dicke Rennick versucht davonzulaufen, doch Ma Greeny und ihre Jungs stellen ihn im Ring und sie lässt ihn wissen, dass es ihm verflucht schlecht ergehe, wenn er seine Schulden nicht zügig zurückzahlte…  

 

“Do you know why I talk so funny? Because I've been hit a million times.” Die Menschen sind nicht gleich, auch wenn es vor dem Gesetz, wie die nicht mehr ganz junge Beamtin des Arbeitsamts Grace Miller (Julie Harris) stets glaubt, so scheinen mag. Für Mountain Rivera gibt es keine Zukunft außerhalb seiner Vergangenheit, das Scheitern hatte ihn schon eingeholt, als er es fast geschafft zu haben glaubte, aber über dieses „Beinahe“ niemals hinauskam. Ralph Nelsons Die Faust im Gesicht ist purer Sozialdawinismus, ein bis in jede einzelne Szene spürbarer Befreiungsschlag vom Korsett der Zensur und der Restriktionen jener erzkonservativen 50er Jahre mit ihrer Selbstzufriedenheit und der McCarthy-Ära. Einst hatte Robert Wise in seinem grandiosen Film Noir Ring frei für Stoker Thompson (USA 1949) das Boxmillieu für eine auffällig verwandte Geschichte über einen alternden Boxer und dessen letztes Aufbäumen gegenüber dem sportlichen Niedergang und damit demjenigen seiner Existenz überhaupt gewählt. Nach einem Drehbuch Art Cohns ging es auch in diesem Film um Illusionen, Hoffnung, Freundschaft und Verrat. Mit Audrey Totter, Robert Ryan und George Tobias in den Hauptrollen glückte Wise ein Meisterstück, das in Anbetracht der heraufdämmernden 50er Jahre schnell vergessen war. Auch Mark Robsons Schmutziger Lorbeer (USA 1956) mit Humphrey Bogart in seiner letzten Rolle handelte von der Korruption und den menschenverachtenden Machenschaften im professionellen Kampfsport. Aber Ralph Nelsons Film geht noch einen Schritt weiter, fokussiert sich ganz auf seine zentralen Rollencharaktere, deren Beziehungsgeflecht im Mittelpunkt der Geschichte steht und die mit vier Akteuren besetzt wurden, wie sie besser kaum hätten ausgesucht werden können. Aber Die Faust im Gesicht ist nicht bloß ein Hochgenuss mit Blick auf die Leistungen der Akteure. Auch die Regie, das Drehbuch und die Kameraarbeit sind auf den Punkt.

 

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“A salute to what Hollywood can achieve with an intelligent screenplay and committed film-making talent. It doesn’t get better than this”, schreibt Tony D’Ambra für Filmsnoir.net und ich kann ihm nur von Herzen zustimmen. Bereits 6 Jahre zuvor hatte der damalige Fernsehregisseur Ralph Nelson dieses Skript Rod Serlings mit Jack Palance in der Rolle des Boxers Harland “Mountain“ McClintock für die TV-Reihe Playhouse 90 verfilmt, die ihren Namen der Spielfilmlänge ihrer Beiträge von 90 Minuten verdankte. Kameramann Arthur J. Ornitz (Serpico, USA 1973) liefert kontrastreich scharfe Bilder von den Straßen New Yorks, die in Schwarzweiß die Bühne dieses urbanen Dramas bilden und ganz in der Tradition klassischer Film-Noir-Dramen erscheinen. In keiner Weise prätentiös und nie vordergründig sentimental zählen das Finale und der Schluss des Films zu den wohl besten in der Geschichte Hollywoods und beweisen, dass Die Faust im Gesicht bereits 1962 eine andere Art des Filmschaffens einläutete, die einige Jahre später ins Zeitalter von “New Hollywood“ münden sollte. Ralph Nelson kehrte mit Millionenraub in San Francisco (FRA/USA 1965) nochmals aufs Terrain späten Film Noirs in Schwarzweiß zurück, ein fast vergessener und unterschätzter Thriller seiner Zeit mit ebenso einer großen Besetzung, inklusive Alain Delon, Elli Walach und Van Heflin.

 

Bild- und tontechnisch erstklassige deutsche DVD-Edition (2005) der Sony Pictures Home Entertainment GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, Tonspuren auf Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch und Spanisch, optional Untertitel auf Deutsch, Englisch, Arabisch, Französisch, Griechisch, Hindi, Niederländisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Türkisch, Ungarisch, leider ohne jegliche Extras.

 


Post Noir | 1962 | USA | Ralph Nelson | Anthony Quinn | Mickey Rooney | Val Avery | Julie Harris

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