Fluch des Blutes

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Bewertung
*****
Originaltitel
Devil’s Doorway
Kategorie
Western Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1950
Darsteller

Robert Taylor, Louis Calhern, Paula Raymond, Marshall Thompson, James Mitchell

Regie
Anthony Mann
Farbe
s/w
Laufzeit
84 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Nach Ende des Sezessionskrieges reitet Lance Poole (Robert Taylor), ein Indianer vom Stamm der Shoshoni im Rang eines Sergeant Mayor bei der Armee der Konföderierten, zurück in seine Heimat in Medicine Bow, Wyoming. Im dortigen Big Horn Saloon trinkt er zur Begrüßung mit dem Wirt Bob Trammell (Tom Fadden) und mit Sheriff Zeke Carmody (Edgar Buchanan) einen Whisky. Die beiden bewundern die Congressional Medal of Honor für besondere Verdienste an Pooles Uniformjacke, doch ein ebenfalls am Tresen stehender Anwalt namens Verne Coolan (Louis Calhern) meint, dass man früher bei der Armee mit der Auswahl des Personals sorgfältiger gewesen sei… Zeke informiert Lance, dass die Eisenbahn ins Land vordringe und dass es den Ort für immer verändern werde. Er begleitet den Indianer hinaus auf die Straße, wo just Lance Pooles Vater (Fritz Leiber) in Begleitung von zwei Shoshoni herbei geritten kommt. Nach der Begrüßung reiten sie hinaus zur Farm der Familie Poole. Lance sieht auch andere Mitglieder seines Stammes wieder, etwa den kleinen Jimmy (Henry Marco). Allerdings muss er erkennen, dass es seinem Vater gesundheitlich schlecht geht und jener bald zu sterben glaubt. Lance kehrt voller Optimismus aus dem Krieg zurück und meint, durch das Leben und Arbeiten auf der Farm die Gegensätze zwischen den Menschen unterschiedlicher Abstammung und Hautfarben überwinden zu können. Doch Lances Vater ist auch am Ende seines Daseins stets bitter und voller Skepsis…
 
“It's getting so crowded a man can't draw a full breath.” Es dauert eine Weile, bis die Dunkelheit in und aus den  Poren der Protagonisten kriecht, bis solches Drama aus dem „Wilden Westen“ Hollywoods seine Natur offenbart. Für einen Western Noir ist das keinesfalls untypisch, meist sogar die Regel. Denn fast jeder Western der Vierziger und Fünfziger belegt seine Zugehörigkeit zum Genre durch Standarderöffnungen wie diese: Ein Mann reitet in eine Stadt, steigt vom Pferd, betritt den Saloon… der Vorspann ist zu Ende und der Film beginnt. Nach 20 Minuten sorgt der stets zuverlässige Louis Calhern, welcher in Gestalt des gierigen und skrupellosen Advokaten Coolan den Antagonisten Lance Pooles zur Perfektion spielt, fürs Entree ins Territorium des Film Noirs. Ausgerechnet mit dem Einzug der Rechtsprechung der Vereinigten Staaten von Amerika im Anschluss an den Bürgerkrieg verlieren die Indianer der Region ihre Ansprüche auf das von ihnen besiedelte Land. Der Erbe seines soeben verstorbenen Vaters, jener Lance Poole, der in diesem Krieg selbst wider das Joch der Sklaverei als Soldat gekämpft hatte, sieht sich nicht nur betrogen, sondern auch in seiner Verantwortung für Stamm und Familie auf verlorenem Posten. Einen solch brisanten Film mit einer politisch eindeutigen Tendenz (selbst im Gewand des Western) an der Schwelle zur McCarthy-Ära ins Kino zu bringen, bleibt bis heute erstaunlich. Robert Taylor war 1947 einer der „freundlichen Zeugen“ bei der durch FBI-Direktor J. Edgar Hoover und das Komitee für unamerikanische Aktivitäten (HUAC) angeordneten Verfolgung „kommunistischer“ (= andersdenkender) Filmschaffender in Hollywood. Anthony Mann war mit Geheimagent T (USA 1947) und Schritte in der Nacht (USA 1948) selbst an erzreaktionären Propagandafilmen in der Maske des Film Noirs beteiligt gewesen. Fluch des Blutes, man mag es drehen und wenden, wie man will, ist das Gegenteil solcher Machwerke und vor allem gnadenlos konsequent.
 
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Von den drei 1950 veröffentlichten Western des Regisseurs Anthony Mann kam Fluch des Blutes zwar (im September) als letzter ins Kino, war jedoch als erster bereits 1949 gedreht worden. Winchester 73 mit James Stewart hatte seine Premiere am 12. Juli 1950, Farm der Besessenen mit Barbara Stanwyck nur 9 Tage später, am 21. Juli 1950. Im März 1950 war Anthony Manns letzter Film Noir, der mit Fairley Granger und Cathy O’Donnell besetzte Side Street angelaufen, ebenso wie Fluch des Blutes eine Produktion der Metro-Goldwyn-Mayer (MGM). Anthony Manns drei Western von 1950 waren seine letzten Filme in Schwarzweiß; Fluch des Blutes wurde seine letzte Zusammenarbeit mit dem Derwisch der Bilderwelten des Film Noirs, dem Kameramann John Alton. Mit ihm hatte Mann zwischen 1947 und 1949 fünf weitere Film Noirs gedreht hatte, zählt man Schritte in der Nacht (USA 1949) hinzu, für den offiziell Alfred Werker als Regisseur zeichnet. Tödliche Grenze war 1949 Manns erster Hybrid zwischen Film Noir und Western gewesen, ihm folgte 1950 der endgültige Wechsel ins Genre-Kino. Dennoch sollten sich fast alle Anthony-Mann-Western bis 1958 - auch die in Farbe - deutlich vom Film Noir beeinflusst zeigen. Fluch des Blutes ließ die Kritiker seinerzeit kalt und war für sein Publikum zu ernst und zu tragisch, ein nahezu nihilistischer Anti-Western auf der Schwelle zu den selbstgerechten, apolitischen Fünfzigern. Er gilt heute als eine der besten Leistungen Anthony Manns überhaupt und das völlig zu Recht.
 
In den USA erschien Devil’s Doorway als DVD-R in der Warner Archive Collection (2012) mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bild- und tontechnisch gut, mit dem Originalton und ohne Untertitel und auch ohne Extras. In Europa gibt es eine italienische DVD-Edition mit wahlweise italienischem oder englischem Ton, optional italienische Untertitel, ebenfalls ungekürzt im Originalformat.
 

Western Noir | 1950 | USA | Anthony Mann | John Alton | Edgar Buchanan | Fritz Leiber | James Millican | John Maxwell | Louis Calhern | Rhys Williams | Robert Taylor

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