Side Street

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Bewertung
****
Originaltitel
Side Street
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1950
Darsteller

Farley Granger, Cathy O’Donnell, James Craig, Paul Kelly, Jean Hagen

Regie
Anthony Mann
Farbe
s/w
Laufzeit
83 min
Bildformat
Vollbild
 

 
 
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© Warner Bros.
 
New York City: Früher hatte Joe Norson (Farley Granger) eine eigene Tankstelle. Doch inzwischen lebt er mit seiner schwangeren Frau Ellen (Cathy O’Donnell) bei seinen Schwiegereltern und kann froh sein, dass er einen Teilzeitjob als Paketbote gefunden hat. Das Paar leidet unter der Situation. Besonders Joe möchte seiner künftigen Familie ein würdiges Leben bieten, und so führt ihn eine unerwartete Situation in Versuchung. Als er auf seiner täglichen Route einmal wieder im Büro des Rechtsanwalts Victor Backett (Edmund Ryan) vorbei kommt, ist niemand dort, aber in einem Umschlag findet sich ein Bündel Geldscheine und Joe stiehlt es im Affekt. Doch während er davon ausgehen musste, dass es sich um bloß 200 US-Dollar handele, finden sich in dem Brief tatsächlich 30,000. Das Geld stammt aus einer von Lucille Colner (Adele Jergens) mit ihrem Kumpanen George Carsell (James Craig) inszenierten Erpressung des Börsenspekulanten Emil Lorrison (Paul Harvey), den wiederum Lucille verführte, während George im Verborgenen einige Fotos schoss. Joe weiß davon zwar nichts, wird aber von Panik ergriffen, als ihm klar wird, dass sein Verbrechen eine ganz andere Dimension annimmt und Backett sich das Geld um jeden Preis wird wieder beschaffen wollen. Er belügt Ellen, indem er vorgibt, er habe außerhalb der Stadt einen lukrativen Job gefunden, und deponiert das Geldpaket bei dem ihm bekannten Kellner in einer Bar, Nick Drumman (Ed Max). Zu gleichen Zeit ist Captain Walter Anderson (Paul Kelly) von der New Yorker Polizei mit der Untersuchung eines Mordes befasst. Die Leiche Lucille Colners wurde aus dem East River gefischt…
 
Von den international hoch gepriesenen Film Noirs des Regisseurs Anthony Mann ist mir dieser bei weitem der liebste. Er ist weniger bekannt und muss auf John Alton als Kameramann verzichten, doch macht auch Joseph Ruttenberg (Geheimaktion Carlotta, USA 1949) seine Sache geradezu exzellent. Side Street erzählt eine echte Film-Noir-Geschichte von dem, der in Versuchung geführt wurde und nach dem einen Fehltritt sein Leben nicht mehr in eine geordnete Bahn zu lenken in der Lage ist. Die Maschinerie der Wirklichkeit gerät in Bewegung, die Mechanik der Stadt droht Joe Norson zu zermalmen und sein Zappeln, all jene heillosen Versuche, die Situation nochmals in den Griff zu kriegen, macht es nur noch schlimmer. Er tritt aus der kleinbürgerlichen Sphäre mit ihren Alltagsnöten, die in der Lade seiner Armut sich sammeln, hinaus in die Straßenschluchten voller Verbrechen und Leidenschaften. Doch er ist ihnen nicht gewachsen, weder den inneren Zuständen noch den Leuten, die sie verwalten und grimmig und grausam daraus ihren Profit schlagen. Finstere Schurken und verzweifelte Lebedamen kämpfen ums Überleben und jenes immer noch größere Stück vom Kuchen, das ihnen den Aus- und Aufstieg ermöglichen soll. All das inszeniert Anthony Mann vor Ort im New York des Jahres 1950 mit dem pragmatisch unaufgeregten Blick seiner Kamera für das Wesentliche – für das Erzählen einer Geschichte, deren Tragik mit dem Ende des Films nicht enden wird.
 
Bild Bild Bild
© Warner Bros.
 
Dafür hat er die richtigen Schauspieler zur Hand. Farley Granger und Cathy Donnell waren bereits in Nicholas Rays Im Schatten der Nacht (USA 1948) die ideale Kombination jener jungen Liebenden, die das Schicksal mit jedem Tag aufs Neue straft. Und Jean Hagen (Asphalt-Dschungel / Raubmord, USA 1950), Paul Kelly (Kreuzverhör, USA 1947) und natürlich Charles McGraw (Rächer der Unterwelt / Die Killer, USA 1946) bilden eine Riege von Film-Noir-Darstellern, die den Film mit ihrem Schauspiel per se auf ein bestimmtes Niveau heben. In nur 83 Minuten erzählt Side Street seine Geschichte rasant und streckenweise packend, baut dennoch seine Charaktere glaubwürdig aus, so dass auch Cathy O’Donnell (mit tendenziell wenig zu tun) das ihrige dazu gibt. Bestechend an diesem Film Noir ist im Anschluss an Jules Dassins Stadt ohne Maske / Die nackte Stadt (USA 1948) die extensive Nutzung der Stadt selbst, die eine ganz und gar prominente Rolle innehat – brodelnd, dunkel - hier strahlend und dort verschattet. Side Street ist ein Film Noir, der geradezu exemplarisch die Rezeptur des Film-Noir-Kinos seiner Zeit zusammen fasst und, obgleich kein Meisterwerk, bis zum Abspann zu überzeugen weiß. Dem Film-Noir-Freund sei er anstelle von so Überflüssigem wie Geheimagent T (USA 1947) oder Schritte in der Nacht (USA 1948) - beide mit Beteiligung Anthony Manns und John Altons - Side Street wärmstens empfohlen.
 
Side Street, der 1950 in der jungen BRD nicht zur Aufführung kam, gibt es weder in Deutschland noch sonstwo in Europa als DVD. Die US-DVD in der 5-DVD-Box Film Noir Classic Collection Vol. 4 (2009) bei Warner Bros. bietet eine bildtechnisch topp restaurierte, ungekürzte Fassung im Originalformat, gut verständlichen Originalton und den US-Kinotrailer als Extra.
 

Film Noir | 1950 | USA | Anthony Mann | Charles McGraw | Farley Granger | Harry Bellaver | John Maxwell | Paul Harvey | Paul Kelly | Whit Bissell | Adele Jergens | Cathy O'Donnell | Jean Hagen

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