Wer ist Kendall Brown?

banner_noir_film_festival-2018.jpg


Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


Brighton Rock


Hier klicken zur Blu-ray


banner_der_film_noir_3.jpg


Bewertung
***
Originaltitel
The Limping Man
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1953
Darsteller

Lloyd Bridges, Moira Lister, Alan Wheatley, Leslie Phillips, Hélène Cordet

Regie
Cyril Endfield
Farbe
s/w
Laufzeit
76 min
Bildformat
Vollbild
 

 

The Limping Man-Poster-web1.jpg The Limping Man-Poster-web2.jpg The Limping Man-Poster-web4.jpg The Limping Man-Poster-web3.jpg
 
Der TWA-Flug 100 bringt den während des Zweiten Weltkriegs in London stationierten G.I. Frank Pryor (Lloyd Bridges) von New York zurück in die englische Metropole, die er vor sechs Jahren verließ. Doch er kehrt nicht nur in die Stadt sondern auch zu der englischen Schauspielerin Pauline French (Moira Lister) zurück, mit der er einst eine Beziehung unterhielt. Auf dem Rollfeld bittet ihn der hinter ihm zu den Flughafengebäuden laufende Kendall Brown (Bruce Beeby) um Feuer und wird im gleichen Augenblick von einem in der Nähe lauernden Heckenschützen erschossen. Alle Passagiere des Fluges und auch Pryor werden durch die ermittelnden Beamten von Scotland Yard, Inspector Braddock (Alan Wheatley) und Detective Cameron (Leslie Phillips), noch am Flughafen erstmals vernommen. Aber es ergibt sich bloß ein Hinweis aufs Apartment des Ermordeten, das sich dem Foto einer Frau verdankt. Kendall Brown trug es in der Manteltasche und ein junger Detektiv (Jon Evans) erkennt darauf im Hintergrund die South Hill Street in Chelsea. Indessen versucht Pryor vergeblich Pauline French zu erreichen, um ihr mitzuteilen, dass er aufgehalten wurde. Per Brief hatte sie angekündigt, ihn bei der Ankunft am Flughafen abholen zu wollen, doch sie ist nicht gekommen. Als er es aus einer Telefonzelle in der Innenstadt erneut versucht, erreicht Pryor immerhin ihre Hausangestellte Cynthia (Irissa Cooper), die soeben mit einigen Einkäufen hereinkommt. Aber Pauline selbst ist nicht Zuhause. Lediglich das gerahmte Foto auf dem Tisch, darauf das Telefon steht, ist identisch mit dem, das auch Kendall Brown mit sich führte…
 
Drei Jahre vor Wer ist Kerndall Brown? hatte der US-amerikanische Regisseur Cyril Endfield mit Lloyd Bridges und Frank Lovejoy in den Hauptrollen den Film Noir Aufruhr in Santa Sierra (USA 1950) gedreht. Dieses Meisterstück in der Tradition von Fritz Langs Blinde Wut (USA 1936) brachte ihn endgültig auf die schwarze Liste des Komitees für unamerikanische Umtriebe (HUAC) und Cyril Endfield wurde ein nächstes Opfer der McCarthy-Ära. Wie Joseph Losey fand er in England sein Auskommen, wo er zeitlebens blieb und bis 1971 als Autor, Filmregisseur und Produzent tätig war. Doch für die Exilanten aus den USA war der Neuanfang alles andere als leicht. Wer ist Kerndall Brown? wurde Cyril Endfields Debüt auf der Insel, bei dem er selbst im Vorspann unterm Pseudonym Charles De Latour genannt wurde – aus Angst vor schlechter Presse und einem Fernbleiben des Publikums. Joseph Losey erging es ebenso. Bei The Sleeping Tiger (UK 1954) fungierte er als Victor Hanbury. Wer ist Kerndall Brown? ist eine mäßig interessante Auftragsarbeit - eine gerade noch lauwarne Kriminalgeschichte, die sich typischer Stilelemente des Film Noirs bedient. Der Protagonist teilt mit der Femme fatale eine gemeinsame Vergangenheit und reihum erweisen sich Personen nicht als diejenigen, die sie zu sein scheinen. So mancher spielt ein doppeltes Spiel und ruckzuck werden die Betrüger zu Betrogenen.
 
The Limping Man-lc-web1.jpg The Limping Man-lc-web2.jpg The Limping Man-lc-web3.jpg
Während sich der Rückgriff auf Lloyd Bridges, der in Aufruhr in Santa Sierra eine großartige Leistung abliefert, zwar als gute Wahl erweist, gibt es für alle Darsteller doch wenig zu tun, um die öden Charaktere mit Leben zu füllen. Die Geschichte ist ein solcher Pulp-Standard, dass der Zuschauer den Eindruck gewinnt, es werden nur Stereotypen abgeklappert, – Polizeipräsidium, Variétebühne, Hausparty – von allem etwas. Auch sind die Logiklöcher und ist die Plausibilität der Geschichte - besonders mit Blick auf die Motivation von Pauline French – derart hanebüchen, dass die spätere Entwicklung zu keinem Zeitpunkt glaubwürdig erscheint. Auch Frank Pryor bleibt ein Mirakel. Was genau will er nach sechs Jahren in den USA wieder in London? Wieso geht er davon aus, das beendete Liebesverhältnis wiederaufnehmen zu können? Zudem entwickeln Lloyd Bridges und Moira Lister, die als Femme fatale nur bedingt überzeugt, so wenig Chemie miteinander, dass zumeist vor allem Alan Wheatley und Leslie Phillips als verschmitztes Ermittlerteam herausstechen. Ein enttäuschendes Ende, das eine Auflösung der meisten Handlungsfäden vermissen lässt, gibt dem Ganzen den Rest. Vor einer Zwei-Sterne-Bewertung bewahren den Streifen die Regie Cyril Endfields, der großteils außerhalb des Studios an Originalschauplätzen in London drehte, und die Kameraarbeit von Jonah Jones. Im Ganzen dennoch ein kaum mittelprächtiger Film Noir, den man sich zugunsten von Endfields Duell am Steuer (UK 1957) getrost schenken kann.
 
Wer ist Kerndall Brown? ist heute ein Film der Public Domain und liegt weltweit in verschiedenen DVD-Editionen von durchweg mittelmäßiger bis schlechter Bild- und Tonqualität vor, allemal stets ungekürzt und mit dem englischen Originalton.
 

Film Noir | 1953 | UK | Cyril Endfield | Alan Wheatley | Leslie Phillips | Lloyd Bridges | Moira Lister

Neuen Kommentar schreiben

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.