Duell am Steuer

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Bewertung
****
Originaltitel
Hell Drivers
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1957
Darsteller

Stanley Baker, Herbert Lom, Peggy Cummins, Patrick McGoohan, Sean Connery

Regie
Cyril Endfield
Farbe
s/w
Laufzeit
104 min
Bildformat
Widescreen
 

 

 Duell am Steuer-Poster-web8.jpg Bild Bild Bild
 
Joe „Tom“ Yately (Stanley Baker) erscheint mit einem Kleiderbündel unterm Arm am Tor der Hawlett Trucking Company, die mit einer Flottille von 13 Lkws für eine nahegelegene Baufirma die Transporte von Schotter übernimmt. Worauf es dabei ankommt, ist einzig und allein Tempo, denn das entscheidet über die Anzahl der geleisteten Fuhren pro Tag. Im Büro lernt er die hübsche Lucy (Peggy Cummins) kennen, die ihm, der sich als erfahrener Lkw-Fahrer ausgibt, gleich einen Termin beim Geschäftsführer Cartley (William Hartnell) besorgt. Nachdem der skrupellose und schroffe Manager ihm zuerst ablehnend begegnet, gibt er Yately nach Einsicht in seinen Führerschein ohne Eintragung von Fahrdelikten die Chance, mit einer sogenannten Probefahrt sein Können unter Beweis zu stellen. In Begleitung des Mechanikers Ed (Wilfrid Lawson) macht sich Tom auf den Weg zur Kiesgrube und muss unterdessen feststellen, dass die Bremsen des Lasters nicht funktionieren. Als er dennoch eine gute Zeit fährt, bekommt er den Job als Fahrer für Hawlett, weicht aber im Büro Lucys Fragen  nach seinen Arbeitspapieren aus. Im nahe gelegenen Gästehaus von Ma West (Marjorie Rhodes) mietet sich Tom ein Zimmer. Hier lernt er zugleich die Kellnerin Jill (Jill Ireland) kennen, bevor am Abend die anderen Fahrer der Hawlett Trucking Company lärmend ins Haus einfallen und sich auf ihre Buden verteilen. Um ungestört zu beten, nutzt der aus Italien stammende Gino (Herbert Lom) stets das bisher leerstehende Zimmer, das nun von Tom bewohnt wird, der auf diese Weise eine weitere Bekanntschaft macht…
 
Das harte Sozialdrama mit Kriminalelementen im Handlungsverlauf war als direkter Vorläufer des Film Noirs im Verlauf der Dreißiger typisch für Hollywood. In Fritz Langs Gehetzt / Du lebst nur einmal (USA 1937) ist Eddie Taylor (Henry Fonda) ein Ex-Häftling – wie hier Joe „Tom“ Yately - und sein erster Job ist der eines Lkw-Fahrers. Er verliert ihn, als er sich dem Leistungsdruck der Firma nicht gewachsen zeigt. In Raoul Walshs Nachts unterwegs (USA 1940) mit George Raft und Humphrey Bogart wird das Gewerbe explizit thematisiert - inklusive der Arbeitsbedingungen samt Skrupellosigkeit aller Profiteure und Konkurrenzverhalten der Fahrer selbst. Jules Dassin griff im Film Noir Gefahr in Frisco / Markt der Diebe (USA 1949) das Szenario ein weiteres Mal auf. Mit Jules Dassin und Joseph Losey teilt Cy Endfield, der den Film Noir The Underworld Story (grauenhafter deutscher Titel: Der Gangsterboss von Rocket-City, USA 1950) gedreht hatte, dass er in der McCarthy-Ära mit Berufsverbot belegt wurde und nach Europa emigrierte. Wie Joseph Losey, der ungleich populärer wurde, blieb Endfield den Rest seines Lebens in England. Duell am Steuer drehte er, obgleich die McCarthy-Ära nach der skandalösen Verurteilung des Senators im Jahr 1954 als beendet gelten konnte, als C. Raker Endfield, um so den Film auch international platzieren zu können. Mit einem fulminanten Stanley Baker in der Haupotrolle und einem grandiosen Ensemble englischer Charakterdarsteller war Duell am Steuer als Hybrid aus Sozialdrama und Film Noir fürs englische Kino seit den unmittelbaren Nachkriegsjahren keinesfalls untypisch.
 
Bild Bild Bild
© Pidax film media Ltd.
 
“(Stanley) Baker is the nearest Britain came to producing a noir leading man, giving powerful and subtle performances in Hell Drivers (1957), Hell Is A City (1960), Blind Date (1959) and The Criminal (1960) (…) Baker’s film noirs constitute an intriguing series of interaction between Anglo-American crime traditions and British realist film aesthetics”, schreibt Mark Boulder in seinem Buch Film Noir: From Berlin To Sin City (2005). Tatsächlich gibt es sowohl inhaltlich als auch formal Aspekte, die eine Aufnahme von Duell am Steuer in die Serie der Film-Noir-Dramen englischer Studios mehr als rechtfertigen. Tom Yately ist ein Mann mit einer dunklen Vergangenheit, die er hinter der neuen Identität als Fahrer und einer just gewonnenen Gegenwart zu verbergen sucht. Außenaufnahmen, die trotz weitgehenden Fehlens von Urbanität viel zur tristen Atmosphäre beitragen, sowie eine Nebenhandlung, die das Drama der Familie Yately schließlich offenbart, dazu ein kontraststarkes Schwarzweiß von Kameramann Geoffrey Unsworth (Auf falscher Spur, UK 1950) addieren sich zu einem hochwertigen Spät-Noir des stets verlässlichen Studios The Rank Organisation. Zu guter Letzt ist Duell am Steuer auch sprachlich am laufenden Meter mit Dialogen klassischen Film Noirs gewürzt. Lucy: “You know, you've got a nasty habit...” Tom: “Yes, I've got lots of them. Which one are you talking about?
 
Die 2DVD-Ausgabe von Network / Granada Ventures Ltd. (2007) ist rundum erstklassig. Der Film ist ungekürzt und im Originalformat (16:9) enthalten, dazu den englischen Ton, leider ohne Untertitel, da solche Filme wie in Frankreich vor allem für den lokalen Markt vorgesehen sind. Überwältigend ist die Menge an Extras: Audiokommentare, der Kinotrailer, die Dokumentationen The Stanley Baker Story und Look In On Hell Drivers, Bildergalerien, etc. pp. Vollauf zu empfehlen!
 

Film Noir | 1957 | UK | Cyril Endfield | Geoffrey Unsworth | Alfie Bass | David McCallum | Herbert Lom | Sean Connery | Sidney James | Stanley Baker | William Hartnell | Peggy Cummins

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