Blinde Wut

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Bewertung
****
Originaltitel
Fury
Kategorie
Pre Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1936
Darsteller

Sylvia Sidney, Spencer Tracy, Walter Abel, Walter Brennan, Bruce Cabot

Regie
Fritz Lang
Farbe
s/w
Laufzeit
89 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros.
 
Auf dem Weg zu seiner Verlobten Katherine Grant (Sylvia Sidney) wird der Tankstellenbesitzer Joe Wilson (Spencer Tracy) in einer Kleinstadt namens Strand inhaftiert, weil er ein Kind entführt haben soll. Deren Einwohner sind im Nu von Joe Wilsons Schuld überzeugt und üben sich, von einigen besonders eifrigen Hetzreden aufputscht, in Selbstjustiz, indem sie in mörderischer Absicht das Gefängnis niederbrennen. Nur leicht verletzt kann sich Joe aus den Flammen retten. Von Rachedurst getrieben, verführt er seine beiden Brüder Charlie (Frank Albertson) und Tom (George Walcott) dazu, insgesamt 22 Bürger von Strand wegen des Mordes an ihm vor Gericht zu bringen…
 
Nach der Flucht aus Deutschland und dem kurzen Exil in Frankreich war Blinde Wut Fritz Langs erster in den USA entzstandener Spielfilm. Er läutete 1936 eine Schaffensphase ein, die exakt zwanzig Jahre später mit dem Film Noir Jenseits allen Zweifels (1956) enden sollte. Blinde Wut zeigt, wie der Mensch von nebenan urplötzlich zum Gewalttäter wird. Die Massenhysterie, zu der die Stadtbewohner sich gegenseitig anpeitschen, bildet den ersten Teil. Der von maßlosem Hass getriebene Joe Wilson, der nur mehr für seine Rache lebt, wird daraufhin vom Opfer zum Täter und genau das bildet den zweiten, abnschließenden Teil.
 
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© Warner Bros.
 
Spencer Tracy gibt eine überzeugende Darstellung. Seine Verwandlung vom unauffälligen Bürger zum blutrünstigen Rächer veranschaulicht die Naivität blinden Vertrauens auf soziale Strukturen, die schnell demontiert sind. Mit Sylvia Sidney stand Tracy eine für ihre Zeit exquisite Darstellerin zur Seite, die noch zwei weitere Male für den Exilanten Lang vor der Kamera ihr Talent beweisen sollte, u.a. auch in Gehetzt / Du lebst nur einmal (1937). Fritz Lang beklagte später, dass das Studio ihn zu einem harmonischen Ende gezwungen habe. Demgegenüber wirkt der Film heute seiner Zeit voraus, wenn man bedenkt dass die Pflicht zum Happy End gerade in den 40ern und 50ern weit mehr Bestandteil der Zensur war, der u.a. der rigide Hays Code und ab 1938 auch das Komittee für unamerikanische Umtriebe (HUAC) die Vorgaben in die Schere diktierten. Georg Seeeßlen bringt mit Blick auf  das Werk Langs den seinerzeit so delikaten Aspekt der soziokulturellen Relevanz in seinem Buch Kino der Angst (1980) auf den Punkt: „Fritz Langs Filme, als konstituierende für das Genre des Thrillers, ziehen also zum einen eine Verbindung von Schicksal und Gesellschaft, zum anderen reagieren sie auf das gewandelte bürgerliche Weltbild mit einer Fragestellung, die, wäre sie erkannt, allzu radikal hätte erscheinen müssen.“
 
Die deutsche DVD von Warner Bros. ist bildtechnisch topp restauriert, dazu originales Format und Originallänge, deutscher, englischer und spanischer Ton sowie wahlweise 13 Untertitel, den US-Kinotrailer und ein Audio-Kommentar von Peter Bogdanovich als Extras. Besser geht es kaum!
 

Pre Noir | 1936 | USA | Fritz Lang | Spencer Tracy | Walter Abel | Walter Brennan | Sylvia Sidney

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