Night Editor

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Bewertung
****
Originaltitel
Night Editor
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1946
Darsteller

William Gargan, Janis Carter, Jeff Donnell, Coulter Irwin, Charles D. Brown

Regie
Henry Levin
Farbe
s/w
Laufzeit
68 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Columbia Pictures Corporation
 
New York: In einer schwülen Sommernacht patroulliert nur mehr die Stadtreinigung, als Johnny (Coulter Irwin) ins Redaktionsgebäude des New York Star schleicht und auf der Treppe noch einen Schluck Whiskey nimmt. Hier sitzen die Redakteure der Nacht unterm Vorsitz von Crane Stewart (Charles D. Brown) beim Pokerspiel, indessen das eine und andere Telefonat geführt wird und sich der Polizist “Doc“ Cochrane (Robert Kellard) ins Leichenschauhaus verabschiedet. Aber Johnny droht an seinem Schreibtisch einzuschlafen. Seit zwei Wochen war er nicht mehr Zuhause, was Stewart dazu veranlasst, den Kartenspielern die Geschichte von Police Detective Tony Cochrane (William Gargan) zu erzählen, die sich zur Zeit der Prohibition in den Spätzwanzigern zutrug. Jener liebte seinen Sohn (Michael Chapin), schon im Alter von 10 Jahren nur “Doc“ gerufen, und wollte nichts so sehr, wie sein Familienleben erhalten, zu dem auch Martha Cochrane (Jeff Donnell) gehörte. Während Tony Abend für Abend vorgab, noch arbeiten zu müssen und sich ins Büro verabschiedete, beteuerte er dort gegenüber seinem Vorgesetzten Captain Lawrence (Harry Shannon), demnächst mit einem neuen Bericht zum Fall Tully aufzuwarten. Sodann traf sich Tony Cochrane mit der reichen und ebenfalls verheirateten Lebedame Jill Merrill (Janis Carter), mit der er seit einiger Zeit ein Verhältnis unterhielt. Aber als sie eines Nachts an einem einsamen Strand parkten, gesellte sich ein zweiter Wagen zu ihnen, ebenfalls mit einem Mann und einer Frau besetzt. Dessen Fahrer steigt plötzlich aus und schlägt mit einem Wagenheber auf seine Begleiterin ein…
 
“Hey, Johnny. Are you quick, or are you dead?” - “I ain’t quick.” Nach einem Rundfunkprogramm von Hal Burdick, wiederum basierend aus der Erzählung Inside Story von Scott Littleton, verfasste Harold Jacob Smith für diesen B-Film ein Drehbuch, darin es von pfeilschnellen Dialogen nur so wimmelt. Von der ersten Sequenz ist gerade die Sprache dieses Film Noirs für jeden Connaisseur ein Genuss. Kurz vor jener restaurativen Zeit, die ab 1948 die McCarthy-Ära heraufdämmern sah, dürfen der amoralische Cop und die fiese Femme fatale in einem bemerkenswert dunklen und grimmigen Werrk nochmals vom Leder ziehen. “This is the stuff good 1940s film noirs and crime dramas are made of”, schreibt Steve Miller in seiner Besprechung für Shades of Gray. Natürlich sieht man Night Editor sein schmales Busget an. Er war einer aus dem Repertoire von B-Filmen, die auch Columbia Pictures in jener Zeit dutzendweise ins Kino brachte, und er war allein 1946 einer von sechs (!) Filmen, bei denen Allround-Handwerker Henry Levin Regie führte. Dennoch ist Night Editor weitaus besser gealtert als viele der A-Produktionen, die international in die Kinos kamen und oft noch heute als Klassiker gelten. Dies liegt an Rollencharakteren, die in der klassischen Hochzeit des Film Noirs nach dem Zweiten Weltkrieg die Grenze zwischen Gut und Böse aufhoben und bestenfalls die Innenwelten psychischen Bestands zur Anschauung brachten.
 
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“You’re like me. There’s a meanness inside of you that has to hurt or be hurt.” Janis Carter (I Love Trouble, USA 1948) ist als Femme fatale rundum überzeugend. Besonders der explizit und extrovertiert sexuelle Aspekt ihrer dunklen Begierde sind für Night Editor bemerkenswert, ließen das doch viele Produktionen andeutungsweise im Schatten, so dass der Zuschauer stets auf ein good bad girl hoffen konnte, wie etwa im Fall von Gilda (USA 1946) mit Rita Hayworth. Doch eine Jill Merrill entspricht mehr Vera (Ann Savage) in Edgar J. Ulmers legendärem B-Noir Umleitung (USA 1945). Dass nicht so sehr das Materielle sondern die Obsessionen ihrer sexuellen Neigungen im Mittelpunkt stehen, gepaart mit Jills Verachtung für die Biederkeit des Amerikanischen Traums, hebt Levins Film bzw. dessen Geschichte über den Standard vergleichbarer Unterhaltungswerke seiner Zeit. Die exzellente Kameraarbeit von Burnett Guffey, in den Vierzigern und Fünfzigern ein Magier des Schwarzweißkinos und vor allem des Film Noirs, ist der Punkt auf dem „i“. Leider erwies sich Night Editor für keinen der Beteiligten als Karriersprungbrett. Henry Levin (Die Reise zum Mittelpunkt der Erde, USA 1959) war zwar noch bis ins Jahr 1980 als Regisseur aktiv, - Western, Abenteuer, Science Fiction, etc. pp. - doch für Janis Carter und William Gargan brachten die restaurative McCarthy-Ära und der Vormarsch des Fernsehens bald das Aus. In Deutschland lief Night Editor, dessen Ende leider etwas hausbacken daherkommt, weder im Kino noch im Fernsehen und so wartet er bis heute auf seine Entdeckung.
 
Exzellente DVD-Edition (2011) von Sony Pictures Home Entertainment Inc. als einer von vier Filmen der 2DVD-Box Bad Girls of Film Noir Volume 2, die einzig in den USA erschien: Bildtechnisch topp und ungekürzt im Originalformat mit englischem Ton und englischen Untertiteln, ohne Extras. Empfehlenswert!
 

Film Noir | 1946 | USA | Henry Levin | Burnett Guffey | Anthony Caruso | Harry Shannon | Lou Lubin | William Gargan | Jeff Donnell

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