Limey, The

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Bewertung
****
Originaltitel
The Limey
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1999
Darsteller

Terence Stamp, Luiz Guzmán, Peter Fonda, Lesley Ann Warren, Barry Newman

Regie
Steven Soderbergh
Farbe
Farbe
Laufzeit
86 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Der Engländer Wilson (Terence Stamp) ist nicht mehr der jüngste, als er nach 9 Jahren im Gefängnis, wo er wegen wiederholten bewaffneten Raubüberfalls gesessen hat, wieder auf freien Fuß kommt. Zeitgleich erhält er Nachricht vom Tod seiner einzigen, just erwachsenen Tochter Jennifer (Melissa George), die in Los Angeles, Kalifornien, Schauspielunterricht genommen hatte. Wilson ist im Leben außer Jenny nicht viel geblieben, zudem glaubt er die Geschichte vom nächtlichen Autounfall, bei der ihr Wagen eine Böschung überfuhr und Feuer fing, nicht so recht. In Los Angeles angekommen, begibt er sich sofort zu Eduardo Roel (Luiz Guzmán), der ihm die Zeitungsnotiz von Jennys Unfall und Tod hat zukommen lassen. Eduardo saß bereits selbst im Gefängnis, hat nun eine Familie und war mit Jenny sowohl im Schauspielunterricht als auch lose befreundet. Ebenso war ihre Schauspiellehrerin Elaine (Lesley Ann Warren) mit Jenny bekannt und Wilson versucht, auch von ihr Auskünfte über seine Tochter zu erhalten, die er seit vielen Jahren nicht zu Gesicht bekam. Wilson verdächtigt schon bald Jennys Liebhaber Terry Valentine (Peter Fonda), einen legendären und steinreichen Musikproduzenten der Rockszene im L.A. der Sechziger und so alt wie Wilson selbst. Es nicht leicht, an den Mann heran zu kommen, und eine erste Spur führt sie zu einem Ring von Drogenhändlern, die in Beziehung zu Terry Valentines Bodyguard Jim Avery (Barry Newman) stehen, einer dubiosen Gestalt. Doch Wilsons Besuch bei den Burschen des Kartells entwickelt sich anders, als er geplant hatte...
 
Eine einfache Geschichte sei immer die beste, wissen Autoren und Regisseure aller Coleur gern zu berichten. Die Botschaft beeindruckt solange, bis ein Dutzend Geschichten sie widerlegen. Und dann ruft ein Film wie The Limey sie einem wieder in Erinnerung, der damit Ernst macht. Dass der simple Racheplot, schon seit Michael Winners Ein Mann sieht rot (USA 1974) eins der beliebtesten und zum Klischee gefrorenen Dauerthemen des Thrillerkinos, hierbei nicht zum x-ten müden Aufguss einer nicht einfachen sondern banalen Geschichte wird, ist den Männern hinter der Kamera zu verdanken. Neben dem Regisseur Stephen Soderbergh sind auch die Kameraarbeit Edward Lachmans (Nachts in Union City, USA 1980) und der Schnitt Sarah Flacks (Lost in Translation – Zwischen den Welten, USA 2003) dezidiert zu nennen. Denn die Schnitttechnik mit ihren Rückblenden und Vorwegnahmen in einer asynchronen Setzung von Bild und Ton als Versatzstücke, die jeder Zuschauer, der Wilsons assoziativem Fluss im Erkennen der Zusammenhänge zu folgen gewillt ist, im Kopf selbst zusammensetzen muss, machen den Reiz der Geschichte aus. So einfach sie ist, so intelligent wird sie erzählt. Es ist diese Intelligenz, die sie in ihren Nuancen vielschichtig macht. Hierbei kam Steven Soderbergh die Verwendung von Ausschnitten aus Ken Loachs Debütfilm Poor Cow - geküsst und geschlagen (UK 1967) zugute, darin ein junger Terence Stamp im Familienkreis mit Tochter posiert - Szenen, die als Erinnerungsfetzen Wilsons auf der Suche nach der Wahrheit erstaunlich schlüssig montiert sind.
 
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© Koch Media GmbH © Highlight Communications AG
 
“The Limey (...) is a first-rate crime thriller and further proof that Soderbergh is one of our great contemporary film stylists”, schrieb Edward Guthmann für den San Francisco Chronicle. Neben den erwähnten Kniffen der Filmtechnik ist aber auch im Skript von Lem Dobbs einiges angelegt, wovon die Beziehungen der Charaktere dieses reduzierten Kammerspiels profitieren. Wilson und Valentine sind beide um die sechzig, sie entstammen beide den Sechzigern, der Glanzzeit einer Jugendkultur zwecks Emanzipation vom Erbe der Nachkriegswelt, doch sie finden sich gleichermaßen beide in dieser Vergangenheit begraben – zwei Männer in Bilderwelten des Gewesenen. Es wird besonders deutlich, als Valentine den Verlust eines Fotos von Jenny, das in seinem Haus gerahmt hing, bemerken muss. Wilson, der auf Valentines Party unerkannt durch die Villa streifte, hat es aus eben diesem Rahmen entfernt und an sich genommen. Es gibt aber noch mehr Parallelen zwischen den Männern und es ist das absurde Finale mit seinem anrührenden und bizarr glaubwürdigen Schlusspunkt, das sie auf ihren quasi archimedischen Punkt zurückführt. Wilson, ein Mann ohne Vornamen, erscheint in der Verkörperung durch Terence Stamp von Lee Marvin als Walker in John Boormans Meisterwerk Point Blank - Keiner darf überleben (USA 1967) beeinflusst - nochmals die Sechziger. Im Jahr 2000 jedoch errang Mel Gibson mit dessen katastrophalem Remake Payback - Zahltag (USA 1999) den Blockbuster Entertainment Award, während Steven Soderberghs von der Kritik gefeierter The Limey beim Publikum sang- und klanglos floppte. So ist das eben mit dem Thrillerkino im Zeitalter von Tarantino & Co.
 
Sehr gute DVD-Ausgabe (2000) der Highlight Communications AG (CH) via Koch Media Media GmbH: ungekürzt im Originalformat mit deutschem oder englischem Ton (leider ohne Untertitel) und einigen Extras, d.h. Audiokommentare von Regie und Autor oder den Darstellern, einige Blicke hinter die Kulissen, der original Kinotrailer, Kurzinterviews, etc. pp.
 

Neo Noir | 1999 | USA | Steven Soderbergh | Barry Newman | Bill Duke | Joe Dallesandro | Luiz Guzmán | Terence Stamp | Lesley Ann Warren | Melissa George

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