Point Blank – Keiner darf überleben

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Bewertung
*****
Originaltitel
Point Blank
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1967
Darsteller

Lee Marvin, Angie Dickinson, Keenan Wynn, Carroll O'Connor, Lloyd Bochner

Regie
John Boorman
Farbe
Farbe
Laufzeit
91 min
Bildformat
Widescreen
 

 

Bild Bild Bild
© Warner Bros.
 
Auf der still gelegten und nun leer stehenden Gefängnisinsel Alcatraz in der Bay San Franciscos treffen sich eines Nachts Mal Reese (John Vernon), sein Freund Walker (Lee Marvin) und dessen  Frau Lynne (Sharon Acker). In dem verwaisten Gebäude wollen sie die Beute aus einem Raubzug unter sich aufteilen. Doch Mal Reese schießt Walker kaltblütig nieder und flieht zusammen mit Lynne, seiner heimlichen Geliebten. Den Totgeglaubten lassen sie in einer der Gefängniszellen liegen. Walker ist jedoch nur verletzt und es gelingt ihm mit schier übermenschlicher Anstregnung, sich von dem Gelände ins Wasser der Bay zu retten... Wieder genesen, findet Walker für sein Vorhaben der Rache und der Forderung seines Anteils, 93.000 US-Dollar, Unterstützung durch einen gewissen Yost (Keenan Wynn). In Los Angeles gerät er auf die Spur von Mal und Lynne, die bei seinem Erscheinen mit einer Überdosis Tabletten Selbstmord verübt. Walker nimmt Kontakt zu Lynnes Schwester Chris (Angie Dickinson) auf, die den Jazzclub The Movie House betreibt. Sie scheint den Aufenthaltsort von reese zu kennen und weiß auch, wer die Arbeitgeber von Walkers ex-Partner sind. Die haben inzwischen Lunte gerochen und Reese setzt alles daran, um Walker auszuschalten und seine Position in der "Organisation“, die er sich teuer erkaufte, zu sichern. Walker hat nur einen Menschen, dem er vertrauen kann, und das ist Chris, auf die auch Mal Reese ein Auge geworfen hat…
 
Der erste Neo-Noir. Warum? Weil der Engländer John Boorman das europäische Kino der Nouvelle Vague mit einem hohen Maß der Reflexion über das Erbe des Film Noirs zu einer Synthese verbindet, die einen neuartigen Typus des Hollywoodkinos kreierte. Hatte Alfred Hitchcock mit Psycho (USA 1960) eine Tür geöffnet, wurde John Boorman in der Nachfolge John Frankenheimers und dessen unglaublich unterschätztem Der Mann, der zweimal lebte (USA 1966) zu einem nächsten Filmschaffenden, der genau durch diese Tür auch hindurch schritt. Signifikant für Point Blank - keiner darf überleben ist seine Kälte. Die Personen agieren so getrieben wie in den Filmen Jean-Pierre Melvilles und so brutal wie bei Don Siegel, in dessen Ernest-Hemingway-Verfilmung Der Tod eines Killers (USA 1964) ebenfalls Lee Marvin und Angie Dickinson zwei Hauptrollen bekleideten.
 
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© Warner Bros.
 
Vor allem aber, und das vebindet Boorman hier so überaus präzise mit Alfred Hitchcock, John Frankenheimer und mit den Höhepunkten des klassischen Film Noirs, ist Point Blank - Keiner darf überleben ein Fest der Bilder. Der Kameramann Philip H. Lathrop kreiert Gemälde, darin das architektonische System der Stadt eine Geometrie der Herrschaft ist, der ihre Bewohner ausgeliefert sind. Einzig und allein Nomaden wie Walker, die deren Fassaden (er)kennen und all jene Wege, um ungesehen ins Penthouse und zurück ins Kellergeschoss der Parkagarage zu gelangen, können solche Macht für ihre Ziele nutzen. Der mit 43 Jahren weißhaarige Lee Marvin spielt den Walker mit einem Stoizismus, der die Zuschauer über die Mechanismen der Entfremdung auf jener Leinwand häufig im Unklaren lässt. Sind es die Personen? Ist es deren Welt an und für sich, die "Organisation"? John Boorman macht Point Blank - Keiner darf überleben zu einer Erfahrung, die die Handlung eines Krimis weit hinter sich lässt und tief verunsichert. Neo Noir par excellence.
 
Die DVD von Warner Brothers (2006) und die deutsche Lizenzausgabe der Süddeutschen Zeitung bringen den Film ungekürzt, im Originalformat, bildtechnisch 1A restauriert und mit einer Fülle an Untertiteln. Ein Muss!
 

Neo Noir | 1967 | USA | John Boorman | Donald E. Westlake | Philip H. Lathrop | John Vernon | Keenan Wynn | Lee Marvin | Angie Dickinson

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