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Bewertung
***
Originaltitel
The Brothers Rico
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1957
Darsteller

Richard Conte, Dianne Foster, Kathryn Grant, James Darren, Larry Gates

Regie
Phil Karlson
Farbe
s/w
Laufzeit
92 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Columbia Pictures
 
In einer Kleinstadt an der Küste von Florida: Edward „Eddie“ Rico (Richard Conte), der wohlhabende Inhaber der Bay Shore Laundry, wird eines Nachts durchs Klingeln des Telefons plötzlich aus dem Schlaf gerissen. Am anderen Ende der Leitung ist ein Mann namens Phil (Paul Dubov) aus Miami, den Eddie gleich als Freund aus alten Tagen erkennt. Phil gibt Eddie zu verstehen, dass sein Boss Sid Kubik (Larry Gates) ihm einen Mann namens Joe Wesson (William Phipps) schicken wird, der durch eine Anstellung in Eddie Ricos Wäscherei für einige Zeit untertauchen muss. Eddie Rico ist davon wenig begeistert. Seitdem er vor drei Jahren als deren Buchhalter aus der verbrecherischen „Organisation“ ausstieg und mit der eigenen Wäscherei sein Glück machte, hat ihm Kubik noch nie jemanden geschickt. Doch Phil hängt auf, ohne sich zu verabschieden, und Eddie versucht, gegenüber seiner Frau Alice (Dianne Foster), die einen Teil des Gesprächs mit anhörte, den Anruf herunterzuspielen. Doch Alice ist seit 10 Jahren mit Eddie verheiratet und sie kennt seine Vergangenheit nur zu gut. Just versuchen die beiden, ein Kind zu adoptieren, nachdem sie keine eigenen bekommen können, und wollen dadurch ihr Glück vervollständigen., Als am nächsten Tag ein Brief von Mama Rico (Argentina Brunetti) aus New York eintrifft, die dem Gangster Sid Kubik einst das Leben rettete, gibt es mehr schlechte Nachrichten. Seit Monaten hat sie nichts von Eddie jüngeren Brüdern Gino (Paul Picerni) und Johnny (James Darren) gehört. Und noch am gleichen Morgen wird Eddie erfahren, dass sie sich zu Recht um die beiden sorgt…
 
„Now you can’t buck the system, Eddie. It’s real tough. Tough!“ So spricht der Gangster Charlie Gonzales (Rudy Bond) zu Eddie Rico, als sich die Ereignisse bereits überschlagen und der im biederen, wohlhabenden Mittelstand angelangte Inhaber einer Wäscherei erkennen muss, dass er sowenig wie seine Brüder und seine Mutter der eigenen Vergangenheit wird entfliehen können. Zehn Jahre vor John Boormans legendärem Neo Noir Point Blank – Keiner darf überleben (USA 1967), darin sich die hiesige “Organisation“ nochmals gesteigert in die vermeintlich legale Form der “Corporation“ überführt sieht und damit konsequent zu einem Teil des Staats- und Wirtschaftssystems im Ganzen, schuf der tief im Film Noir verwurzelte Regisseur Phil Karlson mit dieser Verfilmung eines Romans Georges Simenons einen über weite Strecken beeindruckenden Thriller um die Verbindung einer italienischen Familie aus New York mit quasi der “Mafia“. Wie im Gangsterfilm der Dreißiger ist das Verbrechen hierarchisch strukturiert und wie ein Großunternehmen organisiert, und wenngleich es stets eine Gegenwelt zum bürgerlichen Alltag der USA darstellt, ist diese mit den legalen und administrativen Strukturen im ganzen Land aufs engste verzweigt. Eddie Rico kann auf keinem Flughafen landen, keine Bank betreten und kein Hotelzimmer buchen, ohne dass die Schergen der “Organisation“ davon nicht Wind bekämen. Als er in El Camino, Kalifornien, Sid Kubiks Mitstreiter Mike Lamotta (Harry Bellaver) begegnet, klärt der ihn darüber auf, dass ihm praktisch die ganze Stadt gehöre. Eddie Rico ist ohne seine Erlaubnis nicht in der Lage, ein Ferngespräch anzumelden. Im Anschluss an die McCarthy-Ära in den USA, die das Vertrauen so manches Kulturschaffenden in den eigenen Staat erschütterte, formuliert Mama Rico gegenüber ihrem Ältesten frühzeitig die zentrale Botschaft: „Trust nobody!“ Doch Eddie muss im Lauf des Films erst lernen, wie sehr die Welt, die er einst kannte und in die er stets vertraut, sich gewandelt hat.
 
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George Simenons Romanvorlage, Phil Karlsons zupackende Regie und Burnett Guffeys exzellente Kameraarbeit sorgen für einen späten Film Noir, der meistenteils überzeugt. Viele Darsteller in Nebenrollen sind exzellent besetzt, allen voran Larry Gates, Harry Bellaver, Richard Bakalyan (Chinatown, 1974) und Argentina Brunetti. Leider wirkt Richard Conte, Sohn eines italienischstämmigen Friseurs, mit 47 Jahren nicht mehr so engagiert wie in den Spätvierzigern, da er als Max Monetti in Blutsfeindschaft (USA 1949) bereits einen Sprössling aus einer italienischen Familie spielte. Für die Hauptrolle und im Angesicht der tragischen Ereignisse ist er streckenweise zu reserviert und unbeteiligt. In entscheidenden Szenen lässt er sich von Kathryn Grant, James Darren und Paul Picerni die Butter vom Brot nehmen. Mit Dianne Foster entwickelt er eine gute Chemie, auch das Finale ist spannend, demgegenüber das Ende für jeden Zuschauer, der 90 Minuten am Ball bleibt, eine Zumutung darstellt. Was diese honigsüß kitschige, letzte Einstellung in dem Film zu suchen hat, weiß der Himmel. In einer Weise, die an Fritz Langs Gardenia – eine Frau will vergessen (USA 1953) denken lässt, straft sie den Großteil der Handlung schlicht Lügen. Auf halbem Weg zum Klassiker patzt das Drehbuch hiermit entschieden. 1972 verfilmte Paul Wendkos den Roman mit Ben Gazzara (Mord an einem chinesischen Buchmacher, USA 1977) als Eddie Rico noch einmal.
 
Exzellente DVD-Edition im Rahmen der Columbia Pictures Film Noir Classics II, eines 2010 nur in den USA bei Sony Pictures Home Entertainment erschienen Box-Sets mit fünf Filmen: bildtechnisch topp restauriert, ungekürzt im Originalformat, englische Tonspur und englische Untertitel, mit einem Audiokommentar von Martin Scorsese und dem US-Kinotrailer als Extras. In Europa gibt es lediglich eine spanische DVD-Edition, somit aber Regionalcode 2 (Deutschland & Europa), die ebenfalls die englische Tonspur beinhaltet.
 

Film Noir | 1957 | USA | Phil Karlson | Georges Simenon | Burnett Guffey | Harry Bellaver | Paul Dubov | Richard Conte | Kathryn Grant

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