Fatale Begierde

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Psychologische Verteidigung


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Bewertung
****
Originaltitel
Unlawful Entry
Kategorie
Neo Noir
Land
USA/JPN
Erscheinungsjahr
1992
Darsteller

Kurt Russell, Ray Liotta, Madeleine Stowe, Roger E. Mosley, Ken Lerner

Regie
Jonathan Kaplan
Farbe
Farbe
Laufzeit
107 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Los Angeles: Karen Carr (Madeleine Stowe) liegt abends im Bett und sieht Fernsehen. Ihr Mann Michael (Kurt Russell) telefoniert aufgeregt mit seinem Anwalt Roger Graham (Ken Lerner) wegen der riskanten Finanzierung eines Nachtclubs, in den er sein gesamtes Erspartes investiert. Das junge Ehepaar hat soeben ein Haus in einer schönen Gegend der Stadt bezogen und geschäftlich muss nun der Erfolg diese Investition absichern. Da hört Michael aus dem Parterre plötzlich ein Geräusch und begibt sich nach unten. Mit einem Golfschläger bewaffnet sieht er nach, ob alles in Ordnung ist. Beruhigt schenkt er sich etwas zu trinken ein, als seine Frau plötzlich auf der Treppe stehend einen Warnschrei ausstößt. Der Einbrecher Ernie Pike (Johnny Ray McGhee) stürzt sich aus dem Badezimmer hinterrücks auf Michael, verfehlt ihn und greift sich Karen. Indem er ihr ein Küchenmesser an die Kehle hält, kann er über die Terrasse entkommen, bevor er seine Geisel in den Swimming Pool stößt. Das Paar hat einige Mühe, sich zu beruhigen, auch als schließlich die Streifenpolizisten Officer Roy Cole (Roger E. Mosley) und Officer Pete Davis (Ray Liotta) am Tatort erscheinen, um die Anzeige aufzunehmen. Besonders Officer Davis erweist sich dabei um das Wohl Karens bemüht und rät dem Ehepaar dringend dazu, sich eine Alarmanlage installieren zu lassen. Zudem soll am nächsten Vormittag ein Team der Spurensicherung bei den Carrs nach Hinweisen auf den Täter suchen. Doch als Karen am nächsten Morgen allein Zuhause ist, tut sich erst einmal nichts. Schließlich aber kümmert sich Pete Davis persönlich darum, dass sowohl die Spurensicherung als auch die Sicherheitsfirma erscheinen und sieht netterweise nochmals selbst nach dem Rechten…

Mit der ersten Einstellung, einer gesicherten Unfallstelle in Los Angeles, einem wegfahrenden Streifenwagen und dem anschließenden Schnitt – Blick aufs Haus der Carrs – wird klar, was Jonathan Kaplan hier beizusteuern weiß: Atmosphäre. Ja, der Regisseur beherrscht sein Handwerk und bringt in einer lückenlosen Dramaturgie seine Geschichte bis zuletzt auf die Schiene. Sein Psychothriller, typisch für die Frühneunziger, ist durchweg spannend und konzentriert sich im Verlauf mit einigem Erfolg auf das Duell der drei Hauptdarsteller, wobei insbesondere Madeleine Stowe durch eine subtile Darstellung zu überzeugen weiß. Indem sie nämlich fast nichts zu tun scheint, nur an zwei, drei Stellen sich behutsam interessiert auf Pete Davis einlässt und ihrem Mann Kontra bietet, zieht genau das den harten und zutiefst gestörten Polizisten in ihren Bann. Hier blitzt auch in der Geschichte das Besondere auf, was sie ansonsten leider vermissen lässt. So ist die Erzählung einerseits sicher von Film Noirs wie Joseph Loseys Dem Satan singt man keine Lieder (USA 1951) beeinflusst, dessen erste fünfzehn Minuten deutlich an Fatale Begierde erinnern, andererseits ist sie im letzten Drittel allzu vorhersehbar. Dass die allergrößte Bedrohung da lauert, wo der Normalbürger Hilfe erwartet, ist eine Rezeptur, die bereits der Film Noir und Regisseure wie Alfred Hitchcock im Repertoire führten. Der psychotische Cop wurde nach Dem Satan singt man keine Lieder und Orson Welles’ Im Zeichen des Bösen (USA 1958) zu einer Standardrolle des Thrillerkinos schlechthin. Aber die Filmproduktion in Hollywood zeichnet sich durch verfestigte Schemata aus, die auch im Fall von Fatale Begierde zu einem Durchschnittsdrehbuch führten.
 
Bild Bild Bild
© Concorde Home Entertainment GmbH

Neben Jonathan Kaplans solider Inszenierung – viele Nachtszenen in der Stadt, sorgfältig durchdachte Kameraführung – sind es vor allem die Darsteller, die ihren Teil zum Gelingen beitragen. Außer Madeleine Stowe können auch Kurt Russel als Yuppie im Aufwind und Ray Liotta (Phoenix - Blutige Stadt, USA 1998) als Psychopath - ähnlich wie bei Anthony Perkins blieb an späteren Rollen meist etwas davon haften - voll überzeugen. Zudem erscheint das Ensemble der Nebendarsteller als eins, das selbst kleine Szenen, die die Story geschickt abstützen, mit Blick auf die Psychodynamik glaubwürdig erscheinen lässt. Deborah Offner als Karens Kollegin Penny, Dino Anello als Kleindealer Leon, Ken Lerner als Anwalt Roger Graham sind allesamt exzellent besetzt. Im Finale ist man dann bei der typischen Hollywoodkost angelangt, vorhersehbar und übertrieben. Bis dahin ist Fatale Begierde einer der besseren Frühneunziger-Neo-Noir-Thriller von der Stange, darin vor allem Kurt Russel als Michael Carr tief in den Abwärtsstrudel gerät, und damit stets auch sehenswert.

Gute DVD-Edition der Concorde Home Entertainment GmbH (2007), die den Film ungekürzt im Originalformat, bildtechnisch einwandfrei und mit wahlweise englischer und deutscher Tonspur und dazu optional deutschen Untertitel bietet, den US-Kinotrailer als Extra.
 

Neo Noir | 1992 | USA | Jonathan Kaplan | Harry Northup | Kurt Russell | Ray Liotta | Madeleine Stowe

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