Kokain

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Bewertung
***
Originaltitel
Johnny Stool Pigeon
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1949
Darsteller

Howard Duff, Shelley Winters, Dan Duryea, Tony Curtis, John McIntire

Regie
William Castle
Farbe
s/w
Laufzeit
75 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Universal-International Pictures Inc.

San Francisco, Kalifornien, bei Nacht: Im Hafen liegt ein Frachtschiff am Pier und zwei Staatsbeamte, der eine Sam Harrison (Gar Moore) von der Zollbehörde und der andere George Morton (Howard Duff), ein Polizist der Drogenfahndung, haben sich im Schatten eines Lagerhauses auf die Lauer gelegt. Da gibt der Matrose John Whalen (Don Hayden) mit seiner Taschenlampe ein Signal und Pete Carter (Edwin Max), ebenfalls im tiefen Schatten der Lagergebäude stehend, antwortet seinerseits mit dem Aufblitzen einer Lampe. Whalen verlässt mit einem Sack über der Schulter das Schiff, und die beiden Beamten nehmen die Verfolgung auf, als der Matrose mit Carter in einem Lagerhaus verschwindet. In einem stillen Winkel hat Whalen den Sack von der Schuter genommen und Pete Carter in Mantel und Hut will ihm eben einen Umschlag überreichen, als Morton die beiden auffordert ihre Hände hochzunehmen. Doch es kommt zu einem Schusswechsel; der unbewaffnete Matrose stirbt und Pete Carter kann entkommen. Ein enttäuschter George Morton fordert jenen durch den Schusswechsel aufgeschreckten Wachmann (Bert Stevens) des Lagerhauses auf, das Büro der Gerichtsmedizin anzurufen. Morton entnimmt die Brieftasche des Matrosen aus dessen Hosentasche und stellt fest, dass John Whalen gerade mal 20 Jahre alt wurde. Irgendwo in Shanghai, China, hatte ihm jemand damit locken können, ohne Aufwand und auf die Schnelle ein Taschengeld zu verdienen. Nur ein bisschen Glück brauchte es dazu ebenfalls…

 

Um als Undercover-Agent in eine kriminelle Organisation des internationalen Drogenschmuggels mit Sitz in Vancouver, Kanada, eingeschleust zu werden, stellt der Polizeibeamte George Morton dem seit drei Jahren inhaftierten Johnny Evans (Dan Duryea) eine Haftverkürzung in Aussicht. Evans hasst Polizisten und ist außer sich, dass er für Morton zum Spitzel (= “Stool Pigeon“) werden soll, zugleich lässt ihn das Gefägnis mürbe werden. So kann er der Versuchung nicht widerstehen und willigt ein, allerdings erst, nachdem ihm Morton im Leichenschauhaus Evans‘ just an einer Überdosis Heroin verstorbene Ehefrau zeigte, ein Opfer der organisierten Drogenkriminalität… William Castles erste Regie-Arbeit für Universal-International Pictures driftet nach einem flotten Start in die Routine jener pseudo-dokumentarischen Kriminaldramen, die sich der Stilelemente des Film Noirs bedienten, in der Morgendämmerung einer herannahenden McCarthy-Ära ihre Zuschauer jedoch auf Staatsräson und Patriotismus einstimmen sollten. Als Vorläufer und Vorbilder dieses Films können Anthony Manns Geheimagent T (USA 1947) und William Keighleys Straße ohne Namen (USA 1948) gelten, obgleich man Castle und Drehbuchautor Robert L. Richards (Act Of Violence, USA 1948) zugute halten muss, dass die Töne patriotischer Selbstbeweihräucherung nicht so übertrieben und grotesk daherkommen, wie es in jenen von ihren Erzählern auf dem Off (auch in Kokain gibt George Morton Bericht von den Ereignissen) angetriebenen Filmen der Fall ist. Zudem besticht das heute obskure Werk durch seine Besetzung. Alle drei Akteure im Zentrum der Handlung hatten sich schon zuvor im Film Noir durch je herausragende Leistungen verdient gemacht: Howard Duff in Jules Dassins Stadt ohne Maske / Die nackte Stadt (USA 1948), Shelley Winters in George Cukors Ein Doppelleben / Mord in Ekstase (USA 1948) und Dan Duryea u.a. in Roy William Neills Vergessene Stunde / Schwarzer Engel (USA 1946). Dass der spätere Weltstar Tony Curtis (als Anthony Curtis) eine erste sichtbar relevante Rolle spielt, ist eine zumindest erwähnenswerte Randnotiz.

 

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© Universal-International Pictures Inc.

Vor allem der Mittelteil des Films ist zäh, darin die beiden als vermeintliche Partner auftretenden Antipoden George Morton und Johnny Evans dank großmäuliger Coolness versuchen, mit dem Mob ins Geschäft zu kommen. Das ist ebenso klischeebefrachtet wie teilweise sogar dämlich. Vor allem wenn Howard Duff den wilden Mann zu geben versucht, hat das einen merkwürdig falschen Ton. Überhaupt bleibt Morton als Charakter eine Leerstelle, dahingegen Evans und Terry Stewart (Shelley Winters) deutlich facettenreicher und menschlicher erscheinen. William Castle selbst hatte von seinem Debüt bei Universal-International Pictures später keine hohe Meinung. Die Tatsache, dass der Film bis dato nicht auf BD oder auf DVD erschien und auch auf Filmfestivals nie gezeigt wird, hat im Kontext seiner Besetzung seinen Ruf als verschollener Film Noir begründet, aber das heißt in dem Fall nicht viel. Kokain (der deutsche Titel rekuriert auf eine Droge, die im Original kein einziges Mal erwähnt wird) ist ein tendeziell langweiliger Kriminalfilm von der Stange, dessen durch Drehorte und Kameraarbeit provoziertes Flair eines Film Noirs ihn nicht wirklich besser werden lässt.

 

Weltweit gibt es bis dato (2021) keine BD- oder DVD-Edition dieses Werks, welches seinerzeit auch im bundesdeutschen Kino zu sehen war. In diversen Online-Portalen kursiert samt dem Originalton (ohne Untertitel) und im korrekten Bildformat (4:3 Vollbild) mit einer leicht verrauschten Tonspur jedoch eine technisch zumindest akzeptable TV-Kopie.

 


Film Noir | 1949 | USA | William Castle | Barry Kelley | Charles Drake | Dan Duryea | Howard Duff | Joe Turkel | John McIntire | Leif Erickson | Tony Curtis | Shelley Winters

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