Act Of Violence

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Bewertung
*****
Originaltitel
Act Of Violence
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1948
Darsteller

Van Heflin, Robert Ryan, Janet Leigh, Phyllis Thaxter, Mary Astor

Regie
Fred Zinnemann
Farbe
s/w
Laufzeit
82 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros. 
 
New York in einer regnerischen Nacht: Ein Mann (Robert Ryan) im Trenchcoat rennt eine Straße hinab und betritt in einem Apartmentblock eine schäbige, kleine Wohnung. Aus einer Nachttischschublade zieht er eine Pistole, die er mit einem Magazin lädt und in eine Reisetasche packt. Dann besteigt Joe Parkson den Greyhound-Bus nach Los Angeles und fährt durch Hitze und Regen quer durch die USA bis in die kalifornische Kleinstadt Santa Lisa. Als er am letzten Montag im Mai, dem Memorial Day und damit Gedenktag für alle in Kriegen je gefallenen US-Amerikaner dort ankommt, mietet er in einem Hotel ein Zimmer. Noch immer im Trenchcoat blättert er das örtliche Telefonbuch durch und markiert einen Namen… Zur gleichen Zeit wird Bauunternehmer und Kriegsveteran Captain Frank R. Enley (Van Heflin) für seine Siedlung Westside Housing Project öffentlich geehrt. Wieder Zuhause im Eigenheim verabschiedet sich Frank von seiner hübschen Frau Edith (Janet Leigh) und seiner kleinen Tochter Georgie (Leslie Holt). Er will mit seinem Freund Fred Finney (Harry Antrim) zum Fischen fahren. Doch kaum ist Frank aus dem Haus, erhält Edith Enley einen Telefonanruf von jemandem, der sich nicht meldet. Kurze Zeit später steht Joe Parkson vor der Tür und möchte gern ihren Mann sprechen. Edith gibt ihm zu verstehen, dass er an den Redwood Lake gefahren ist, um dort zu angeln. Joe Parkson mietet einen Wagen und fährt zum See hinaus, wo er sich vom Bootsverleiher „Pop“ (Will Wright) ein Ruderboot mietet, um sofort zu Frank Enley hinaus zu gelangen, der ahnungslos versucht, einen Fisch zu fangen…
 
„Was ist noir an Act of Violence? Die Atmosphäre. Die Töne. Die Bilder. Die Verstrickung der Protagonisten im ausweglosen Netz der Vergangenheit“, fragt und antwortet Hans Helmut Prinzler in seinem Aufsatz zu diesem Film (in: Filmgenres – Film noir, hg. v. Norbert Grob, 2008). De facto ist jeder und alles geradezu die Quintessenz eines Film Noirs in Act Of Violence, obgleich Fred Zinnemann sicher nicht antrat, um einen Film Noir zu drehen. Sein bis heute wenig bekanntes Meisterstück für MGM zeigt sich im Jahr 1948 im Fahrwasser der tiefen Verunsicherung und Nachwehen der Ereignisse und Erlebnisse des Zweiten Weltkriegs. Die Rollencharaktere Joe Parkson und Frank R. Enley, in einer kongenialen Verkörperung durch Van Heflin und Robert Ryan, die selbst in jener Hochphase des US-amerikanischen Film Noirs ihresgleichen sucht, sind im Urgrund gebrochene Existenzen, die ins bürgerliche Leben nicht mehr zurückfinden. Während Frank Enley es immerhin versucht und mit einem enormen inneren Aufwand die Verdrängung eines ihn und Parkson ins Schuld-und-Sühne-Finale jagenden Ereignisses aus Kriegstagen betreibt, ist Joe Parkson vollends desillusioniert. Er zehrt einzig von der Flamme seiner Hassgefühle und ist getrieben vom Durst nach Rache.
 
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© Warner Bros. 
 
Act Of Violence ist einer der besten Film-Noir-Klassiker seiner Zeit und steht auf Augenhöhe mit denen von Billy Wilder, Orson Welles oder Fritz Lang. Leider hat das bis heute kaum jemand so recht bemerkt, denn Fred Zinnemann gilt nur wenigen als Regisseur mit einem über fünf Jahrzehnte gewachsenen Werk sondern oft als einer mit einem signifikanten Film - 12 Uhr mittags (USA 1952). In Akt der Gewalt bringt er eine ebenso einfache wie kunstvoll inszenierte Geschichte und eine dafür ideale und brillant aufspielende Riege an Darstellern. Neben Heflin und Ryan überzeugt vor allem Mary Astor, Femme fatale in Hustons Die Spur des Falken / Der Malteser Falke (USA 1941), die mit 42 Jahren die herunter gekommene Prostituierte Pat mit Bravour zum Leben erweckt. Darüber hinaus ist faszinierend, wie Zinnemann in seinem Drama gesellschaftliche Kontexte beleuchtet, als der von Geistern seiner Vergangenheit gehetzte Frank R. Enley in die „Unterstadt“ von Los Angeles hinabsteigt – in die Film-Noir-Welt der Kaschemmen, Hinterzimmer und Menschen, die grundsätzlich nur einen Vornamen und keine feste Adresse haben. Hier erst, der Architektur seines bürgerlichen Glücks mit Familie vollends entrissen, blickt der Bauunternehmer in die Bodenlosigkeit eines Schicksals, das nicht auf einem einzigen, verzeihlichen Fehler beruht. Als er die Möglichkeit erhält, die Bluttat der Vergangenheit durch eine nächste zu tilgen, sieht er sich vor die Wahl gestellt. Interessanterweise stellt auch Joseph Loseys artverwandter Film Teuflisches Alibi  (UK 1957) seinen Protagonisten dergestalt auf die Probe und erweist sich atmosphärisch als gleichermaßen hart, bitter und konsequent. Insofern im Nachkriegsdeutschland bis weit in die Fünfziger jeder nichtdeutsche Film mit Bezugnahme aufs Dritte Reich konsequent gemieden wurde, war Act Of Violence hierzulande erstmals im Oktober 1986 im deutschen Fernsehen zu sehen.
 
Weltweit gibt es lediglich die im Rahmen des 5DVD-Box-Sets Film Noir Classic Collection Vol. 4 (2007) von Turner Entertainment Co. bzw. Warner Bros. in den USA veröffentlichte DVD-Ausgabe – ungekürzt im Originalformat mit sehr gut verständlicher, englischer Tonspur, ein Audiokommentar von Dr. Drew Casper und die Dokumentation Act of  Violence: Dealing With The Devil als Extras. Allemal ist der Film für jeden Cineasten ein Muss!
 

Film Noir | 1948 | USA | Fred Zinnemann | Robert Ryan | Taylor Holmes | Van Heflin | Will Wright | Janet Leigh | Mary Astor | Phyllis Thaxter

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