Most Terrible Time In My Life, The

 banner_02_noir_city-18-web-2.jpg


banner_noir_film_festival-2021-2.jpg


Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


banner_der_film_noir_3.jpg


Bewertung
****
Originaltitel
Waga jinsei saiaku no toki
Kategorie
Neo Noir
Land
JPN/TPE
Erscheinungsjahr
1993
Darsteller

Masatoshi Nagase, Shirô Sano, Kiyotaka Nanbara, Hai-Ping Yang, Te-Chien Hou

Regie
Kaizô Hayashi
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
92 min
Bildformat
Widescreen

 


 

The Most Terrible Time In My Life-Poster-web2.jpg The Most Terrible Time In My Life-Poster-web1.jpg The Most Terrible Time In My Life-Poster-web3.jpg The Most Terrible Time In My Life-Poster-web4.jpg

 

Das Stadtviertel Koganecho in der Metropole Yokohama an Japans Ostküste: Der Privatdetektiv Maiku Hama (Masatoshi Nagase) hat sein Büro neben dem Vorführraum des Kinos Nichigeki, hoch über den Köpfen der Zuschauer. Wer ihn aufsuchen will, muss ein Kinoticket lösen, denn die Inhaberin (Noriko Sengoku) will nicht verstehen, wie und warum jemand das Gebäude betreten kann, ohne einen Film zu sehen. Das muss auch Mister Kim lernen, den die Suche nach einem Vermissten zu Hama treibt. Letzterer ist der dritte Privatdetektiv, den er damit beauftragen will, aber zuerst muss er eine Karte für William Wylers The Best Years Of Our Lives (1946) erwerben. Im dunklen Büro nennt Maiku Hama ihm seinen Tagessatz plus Spesen, sie rauchen Zigaretten und schon steht Kim wieder auf der Straße. Jetzt kommt Hama mit Sonnenbrille und in einem wild gemusterten Jackett die Treppe hinunter, stolziert auf die Straße und steigt in sein auf Hochglanz poliertes 1956er Nash Metropolitan Cabriolet. Damit braust er durch Koganecho, ein in Yokohama gebürtiger Private Investigator mit einer 16-jährigen Schwester namens Akane (Mika Ohmine), die er eines Tages gern auf die Universität schickte. In einem Mah-Jongg-Salon spielt Maiku Hama mit Jugendfreundin Masako (Masako Miyaji) und zwei weiteren Kumpanen. Es geht hoch her, sie werden hungrig und rufen den aus Taiwan stammenden Kellner Yang Hai Tin (Hai-Poing Yang) an den Tisch, dessen lückenhaftes Japanisch die Bestellung jedoch schwierig werden lässt…

 

Das ist einer der für die erste Hälfte der 90er Jahre so herrlich hemmungslosen und wilden Neo Noirs, der noch heute nicht jedermanns Geschmack trifft, manchem Cineasten hingegen ein Dauergrinsen in die Mundwinkel zaubert. Im Fahrwasser innovativer internationaler Regisseure der 80er Jahre à la Jim Jarmusch, Amos Poe, Lars von Trier, Wong Kar Wai oder Mika Kaurismäki lässt Autor, Produzent und Regisseur Kaizô Hayashi dem anarchistischen Geist seiner Hommage an den klassischen Film Noir und den japanischen Gangsterfilm der 60er Jahre freien Lauf. So treten die betagten Altstars Noriko Sengoku (Engel der Verlorenen / Der trunkene Engel, JPN 1948) und Jô Shishido (Youth Of The Beast, JPN 1963) in Nebenrollen in Erscheinung; zudem ist der Film fast vollständig in Schwarzweiß gedreht und mit Blick auf seine Licht- und Schattensetzung deutlich an die Bildästhetik des vom kontraststarken Expressionismus‘ beeinflussten Schwarzweißkinos der 40er bis 60er Jahre angelehnt, ohne sein Zeitalter und die Freude an Stilbewusstsein und Retro-Look zu leugnen. Der Alltag und die familiären und freundschaftlichen Beziehungen Maiku Hamas zur Realität, in der er lebt, sind so fragil wie loyal, sind so dramatisch aufgeladen wie verlässlich. Ständig setzt er seinen Freund Hoshino (Kiyotaka Hanbara) unter Druck, lässt sich von seiner Schwester Akane die Leviten lesen und muss erkennen, dass Police Lieutenant Nakayama (Akaji Maro) ihn für einen impulsiven Kriminellen mit PI-Lizenz hält. Dem Hin und Her solch aufgeputschter Auseinandersetzungen zu folgen, ist anstrengend und zugleich vergnüglich. In der wachsenden Freundschaft Maiku Hamas zu dem Taiwanesen Yang Hai Tin, der keinesfalls ist, der er zu sein scheint, verbirgt sich eine Empathie für den von seiner Familie Verstoßenen und ein deutlicher Kommentar wider die japanische Fremdenfeindlichkeit gegenüber Immigranten aus Taiwan, China und Korea.

 

“The familiar territory of American noir cinema, Japanese yakuza films (…) and even French New Wave is inseparable from the world of detective Maiku Hama”, schreibt Bob Turnbull für J-Film Pow-Wow und bringt die zentrale Rezeptur auf den Punkt. The Most Terrible Time In My Life ist jedoch kein epigonaler Abklatsch von Altbekanntem und plündert auch Filmhistorie nicht, wie es zeitgleich Quentin Tarantino tat. Zwar ist schon der Name des Detektivs abgekupfert: Mickey Spillanes Mike Hammer stand für die Figur Maiku Hamas ebenso Pate wie Jô Shishidos Auftragskiller in Seijun Suzukis rabenschwarzen und brutalen Post Noirs für die Nikkatsu Corporation. Hayashis Film ist dennoch mehr als die Summe seiner Bestandteile; vor allem verzichtet er im Finale und in der Schlusssequenz auf jegliches Übermaß an Ironie und zollt seinen Figuren Respekt. Mit The Stairway To A Distant Past (JPN 1995) und mit The Trap (JPN 1996), beide in Farbe, schuf Kaizô Hayashi sogar eine Trilogie um den Antihelden, die in der letzten Minute dieses Debüts bereits angekündigt wird. The Most Terrible Time In My Life erweist sich (trotz einer dünnen und vorhersehbaren Handlung) als augenzwinkernd charmanter, aber nicht naiver Beitrag des Genrekinos der 90er Jahre und bleibt somit stets empfehlenswert.

 

Es gibt eine inzwischen vergriffene, bild- und tontechnisch recht gute (aber nicht brillante) US-amerikanische DVD-Ausgabe (2004, RC 1) der Kino International Corporation mit dem Film ungekürzt im Originalformat inklusive der original japanischen Tonspur und mit optional englischen Untertiteln, dazu den original Kinotrailer und eine Galerie von Standfotos als Extras.

 


Neo Noir | 1993 | International | Kaizô Hayashi | Jô Shishido | Masatoshi Nagase | Noriko Sengoku

Neuen Kommentar schreiben

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.