Big Bluff, The

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Bewertung
**
Originaltitel
The Big Bluff
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1955
Darsteller

John Bromfield, Martha Vickers, Robert Hutton, Rosemarie Bowe, Eve Miller

Regie
W. Lee Wilder
Farbe
s/w
Laufzeit
71 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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New York: Die reiche Witwe und Inhaberin eines Firmenimperiums, Valerie Bancroft (Martha Vickers), leidet an einem schwachen Herzen. Der sie behandelnde Arzt, Dr. Tom Harrison (Robert Bice), ziehtValeries mit ihr im Haus lebende, eng befreundete persönliche Assistentin Marsha Jordan (Eve Miller) und den Vorsitzenden der Geschäftsführung, Jim Winthrop (Pierre Watkin), ins Vertrauen. Valerie Bancroft habe noch maximal ein Jahr zu leben, ihr Zustand sei kritisch, so der Arzt, er verordne ihr deshalb unbedingt Ruhe und Erholung. Da Valerie keine Verwandten hat, beschließen die drei, sie über ihren Zustand und die geringe Lebenerwartung vorerst im Unklaren zu belassen… Beim Frühstück am kommenden Morgen ist auch Dr. Harrison anwesend. Ständig klingelt das Telefon, und vor allem Herren aus dem gesellschaftlichen Zirkel der reichen Witwe wollen sich mit ihr treffen, doch Marsha vetröstet sie alle. Valerie Bancroft will von Dr. Harrison wissen, ob eine Reise nach Kalifornien womöglich eine gute Idee sei und der Arzt bestärkt sie darin. Schon bald fliegt Valerie also mitsamt Marsha nach Los Angeles, wo Dr. Peter Kirk (Robert Hutton), ein ehemaliger Student Harrisons, sie vom Flughafen abholt, ins Luxushotel The Town House bringt undValerie auch weiterhin seiner ärztlichen Aufsicht unterstellt. In der Hotellobby bestellt sich Marsha, die eine müde Valerie in ihrem Zimmer zurückließ, einen Martini und wird sogleich vom Lebemann Ricardo De Villa (John Bromfield) in Augeschein genommen…

 

“Everyone hast to die sometime. I’ll… I’ll just die a little sooner than most people.“ Der leibliche, um 2 Jahre ältere Bruder des erfolgreichen Autoren und Filmregisseurs Billy Wilder, gebürtig in Österreich-Ungarn, hieß Wilhelm Wilder und firmierte in Hollywood als W. Lee Wilder. Wie sein Bruder war er als Produzent und als Regisseur tätig, allerdings ging er dieser Tätigkeiten für B- und C-Produktionen nach, als Exilant durchaus mit Edgar G. Ulmer vergleichbar. Im Fall von The Big Bluff, seinem zehnten Spielfilm in zehn Jahren, beweist W. Lee Wilder einmal mehr, dass ihm für diese Arbeit jegliches Talent fehlte. Hier reiht sich Szene an Szene und zwar in einer Art hintereinander montiert, als habe man nach Drehschluss diese Aufgabe einem Fünfjährigen überlassen. Das Drehbuch von Fred Freiberger nach einer Kurzgeschichte von Mindret Lord, der einst auch das Skript zu W. Lee Wilders Debüt The Glass Alibi (USA 1946) verfasst hatte, bietet so einige Momente der Spannung und zeigt eindeutig den Einfluss von David Millers Ehe mit dem Satan / Maskierte Herzen (USA 1952). Sobald De Villa das erste Mal von Valerie Bancrofts tödlicher Erkrankung und der nur geringen Lebenserwartung erfährt, eilt er zu seiner Geliebten, der Nachtclubtänzerin Fritzie Darvel (Rosemarie Bowe), und berichtet ihr davon, wie eine Heirat mit Valerie Bancroft ihn und sie in den Besitz eines Millionenerbes brächte. „Fritzie! I’m glad you’ve waited. I got some good news“, leitet Da Villa seine Nachricht vom bevorstehenden Tod der reichen New Yorkerin ein. Das Ausmaß seiner Skrupellosigkweit reicht locker an dasjenige von Lester Blaine (Jack Palance) heran, der in Ehe mit dem Satan / Maskierte Herzen die reiche Dramatikerin Myra Hudson (Joan Crawford) aus dem Weg räumen will. Alle vier Akteure in den zentralen Rollen geben ihr Bestes, um in The Big Bluff jene Geschichte ihrer Rollencharaktere aufs Gleis zu setzen, und zu guter Letzt erweist sich gar Kameramann Gordon Avil (Freibrief für Mord, USA 1954) als durchweg solide.

 

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Es braucht nicht notwendigerweise das Budget einer A-Produktion und auch keinesfalls renommierte Filmstars, um einen Film Noir dunkel, bedrohlich und vor allem spannend werden zu lassen. Der oben erwähnte Edgar G. Ulmer hatte mit Detour (USA 1945) den Beweis geliefert und drei Jahre später mit Ohne Erbarmen gezeigt, wie man trotz schmalen Budgets einen vermeintlich opulent episches Drama auf die Leinwand zaubern kann. Von einem solchen Vermögen, wie es auch John Reinhardt (High Tide, USA 1946) oder Russell Rouse (Stadt in Aufruhr, USA 1951) und in England Terence Fisher (Murder by Proxy / Blackout, UK 1954) zugute kam, ist ein W. Lee Wilder unendlich weit entfernt. Er verfilmt Freibergers Drehbuch mit einer Monotonie, die mich an jene Art eines mündlichen Berichts erinnert, wenn einer, dem es nicht gegeben ist, ein haarsträubendes Erlebnis, das ihm widerfuhr, mit tonloser Stimme herunterleiert, so dass man trotz des Inhalts der Geschichte einzuschlafen droht. Es ist womöglich die Quitessenz dessen, was diesen Film Noir letzlich scheitern lässt, dass es einem W. Lee Wilder einfach nicht gegeben war, und so kann ich für dieses Machwerk keine Empfehlung aussprechen.

 

Es gibt eine US-amerikanische DVD-Edition (2009, codefree) der Alpha Video Distributors, Inc. mit dem Film in lausiger Bild- und Tonqualität, also deutlich unterhalb des Niveaus einer VHS-Videokassette, ungekürzt im Originalformat mit der original englischen Tonspur und ohne Untertitel.

 


Film Noir | 1955 | USA | W. Lee Wilder | John Bromfield | Robert Bice | Robert Hutton | Martha Vickers

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