Stadt in Aufruhr

 

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Bewertung
*****
Originaltitel
The Well
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1951
Darsteller

Richard Rober, Barry Kelley, Harry Morgan, Christine Larson, Tom Powers

Regie
Russell Rouse, Leo C. Popkin
Farbe
s/w
Laufzeit
86 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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In einer kalifornischen Kleinstadt geht die fünfjährige Carolyn Crawford (Gwendolyn Laster), die Tochter schwarzafrikanischer Eltern, wie jeden Morgen zur Schule. Sie kürzt den Weg ab und läuft, indessen sie Blumen pflückt, über eine Wiese, als sie in einen von Gras verdeckten Schacht hinunterstürzt… Polizeichef Ben Kellog (Richard Rober) wird zur Mittagszeit von Mrs. Crawford (Maidie Norman) kontaktiert, nachdem ihre Tochter nicht von der Schule nach Hause kam und am Morgen dort auch nicht eintraf, wie ein Anruf inzwischen herausbrachte. Ihr Ehemann (Ernest Anderson) beschwert sich darüber, dass er erneut wegen des Verschwindens der verträumten Carolyn von seiner Arbeitsstelle in einer Autowerkstatt nach Hause gerufen würde, obwohl das Mädchen vor allem wegen seiner Liebe zu Blumen die Zeit außer acht lasse. Kellog instruiert auf dem Revier seine Untergebenen  und eine Beschreibung des Mädchens wird allen Streifenwagen mitgeteilt. Beim Besuch in der Schule stellt sich heraus, dass Carolyns Mitschüler Peter (Pat Mitchell) sie am Morgen vor Woody’s Flower Shop gesehen haben will, wo sie am Schaufenster von einem Mann angesprochen worden sei. Das bestätigt auch Mr. Woody (Wheaton Chambers). Allerdings stellt sich zu Ben Kellogs Überraschung heraus, dass dieser Mann ein Weißer gewesen sein soll, was von Woodys farbigem Mitarbeiter Jimmy im Nebenraum mitgehört wird…

 

“The first 45-50 minutes of this movie are quite noir (…) and I will be among the first who buy the restored version“, heißt es bei Film Noir of the Week. Der nach einem Drehbuch von Clarence Greene und Russell Rouse (Opfer der Unterwelt, USA 1950) inszenierte Film ist eine Low-Budget-Produktion der Brüder Leo C. und Harry M. Popkin - eine, die sich noch heute sehen lassen kann. Es stimmt, er ist nur zu Teilen ein Film Noir, obgleich er online und in der Sekundärliteratur oft als solcher genannt wird. Darin wird der auf der Durchreise befindliche Claude Packard (Harry Morgan), Neffe des Großunternehmers und mächtigsten Manns der Stadt, Sam Packard (Barry Kelley), von Ben Kellog verhaftet, weil er in ihm den Mordverdächtigen sieht, der womöglich Carolyn Crawford auf dem Gewissen hat. Es führt noch in der gleichen Stunde zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Schwarzen und Weißen im Ort, die ihren Anlass schnell aus dem Blick verlieren und völlig außer Kontrolle geraten. Indessen Claude Packard als unschuldiger Familienvater, dem niemand Glauben schenkt, in einen Strudel der Mordlust gerät, als ein Lynchmob seiner habhaft werden will, gehen in der Stadt die Nachbarn von Gestern mit Knüppeln aufeinander los und rotten sich schließlich zuammen, um die andere Seite endgültig zu vernichten… Warum geraten manche Filme, die sich über den Kontext ihrer Zeit hinaus als stets relevant, authentisch und in ihrer Dramaturgie als pointiert und sensibel erweisen, einfach in Vergessenheit? Stadt in Aufruhr lief seinerzeit weltweit im Kino, im Jahr 1952 auch in Deutschland, und die B-Produktion erhielt im gleichen Jahr sogar Oscar-Nominierungen für das Beste Drehbuch und den besten Schnitt, ohne die Preise allerdings zu erhalten.

 

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Das Drama erweist sich, komplementär zu Joseph L. Mankiewicz verwandtem Film Noir Der Hass ist blind (USA 1950), in dem packenden und emotional stets aufwühlenden letzten Drittel als ein Plädoyer für die Aussöhnung der unterschiedlichen Ethnien, die das Leben in den USA bestimmen, als Plädoyer für die Aussöhnung von Schwarz und Weiß. Einer mag in dieser Wendung eine Schwäche des Films erkennen, weil er mit Blick auf eine kurze Laufzeit von 86 Minuten die Gründe für den abgrundtiefen Hass, die präzise Darstellung des Umlegens eines Schalters, aufgrund dessen eine Stadt aus ihrem bürgerlichen Miteinander in einen Schlund der Gewalt kippt, nicht in den Blick nimmt. Oder einer mag vor der Courage all seiner Autoren, Regisseure und Produzenten den Hut ziehen, die es nicht beim Schockeffekt belassen wollen, sondern mit dem Gedanken der Humanität in einer eindringlichen Darstellung gemeinsamer Anstrengungen zur Rettung eines Menschenlebens einen Kontrapunkt setzen. Das Schauspiel Harry Morgans, Richard Robers, Barry Kelleys und Robert Osterlohs als Vertretern der weißen Community ist so bemerkenswert wie dasjenige von Maidie Norman, Ernest Anderson und vielen Laiendarstellern als denen der schwarzen Gemeinde. Russell Rouse und Clarence Greene hatten mit Opfer der Unterwelt (USA 1950) für die Popkin-Brüder bereits zuvor einen Klassiker des Film Noirs geschaffen. Stadt in Aufruhr jedoch ist so gut wie vergessen und seine Wiederaufführung auf dem Filmfestival NOIR CITY 17 im Januar 2019 in San Francisco sollte Startschuss zu einer Neubewerung und Restauration dieses Meilensteins werden.

 

Eine US-DVD von Image Entertainment (2007) präsentiert den Film ungekürzt im Originalformat mit seinem englischen Originalton ohne Untertitel, doch leider weder analog noch digital restauriert. Demgegenüber ist die Qualität der Quelle überraschend gut, so dass der Film für den Cineasten allemal genießbar ist. Extras gibt es keine.

 


Film Noir | 1951 | USA | Leo C. Popkin | Russell Rouse | Ernest Laszlo | Barry Kelley | Harry Morgan | Richard Rober | Robert Osterloh

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