Ich, der Richter

 

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Bewertung
**
Originaltitel
I, The Jury
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1982
Darsteller

Armand Assante, Barbara Carrera, Laurene Landon, Alan King, Geoffrey Lewis

Regie
Richard T. Heffron
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
101 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Twentieth Century Fox Film Corporation

New York: Der Privatdetektiv Mike Hammer (Armand Assante) ist darauf spezialisiert, untreue Ehefrauen zu überwachen. Als er heute einen toten Zierfisch aus seinem Aquarium holt, ist Victor Kyle (Mike Miller) etwas vergräzt, denn Hammer scheint sich nur begrenzt für seine Nöte zu interessieren. Erst als er jenem ein Foto seiner Frau Sheila (Bobbie Burns) reicht, widmet der Detektiv ihm seine Aufmerksamkeit und nimmt den Fall prompt an. Doch Mike Hammer, wie es seine Art, nimmt nicht nur gern das Geld seines Klienten, sondern verhilft auch sich selbst und der einsamen Sheila zu mehr Vergnügen, indessen Kyle selbst auf Geschäftsreise  ist… Einst waren Jack Williams (Frederic Downs) und Mike Hammer gemeinsam im Krieg in Vietnam, wo Williams seinen linken Arm verlor. Heute ist auch Jack Williams so wie Hammer ein privater Ermittler in New York. Als er am heutigen Abend nach Hause kommt, ist es allein seine Katze, die ihn begrüßt. Er ist erschöpft und legt erst seinen Schulterhalfter mit der Pistole und schließlich auch seine Armprothese ab. Als er im Bad vor dem Waschbecken steht, hört er plötzlich, wie sich die Haustür öffnet, und er kehrt ins Wohnzimmer zurück. Williams erkennt die Person, die dort im Türrahmen steht und er fragt, was sie wolle. Doch statt eine Antwort zu erhalten, zuckt lediglich eine schwarz behandschuhte Hand mit einer Pistole samt Schalldämpfer hoch und feuert ohne eine Warnung, so dass Jack Williams von einem Bauchschuss tödlich getroffen zusammenbricht…

 

“Everything I touch dies.“ Womöglich gilt solches nicht nur für den unsympathischen Privatdetektiv Mike Hammer, eine erfolgreiche Schöpfung des US-Autors Mickey Spillane, dessen Debüt-Roman Ich, der Richter (EA 1947) hier zum wiederholten Mal verfilmt wurde, sondern auch für den TV-Regisseur Richrd T. Heffron. Sein Neo Noir um jenen Privatdetektiv, der im Film Noir der 50er Jahre erstmals zu Ruhm gelangte, ist ein Desaster. Bis auf Paul Sorvino als Police Detective Pat Chambers zeigt niemand der Beteiligten in seinem oder in ihrem Schauspiel bemerkenswerte Fähigkeiten. In Sidney Lumets Tödliche Fragen (USA/UK 1990) ist Armand Assante großartig. Als Mike Hammer ist sein Over-Acting passagenweise störend und auch das Übrige verbleibt auf Fernseh-Niveau. Demgegenüber rangiert Assantes Detektiv keinesfalls als einer der Tiefpunkte des Werks. Solche verkörpern jeweils Laurene Landon als Hammers Sekretärin Velda und Barbara Carrera als Dr. Charlotte Bennett, Psychotherapeutin und Klinik-Leiterin. Erstere bietet eine Leistung, die von jedem Mitglied einer Laienschauspieltruppe in der Provinz stante pede überboten werden dürfte. Da ich vor Laiendarstellern grundsätzlich Respekt habe und solche in Klassikern der Filmhistorie, von Robert Bressons Pickpocket (FRA 1959) bis zu Tran Angh Huns Cyclo (VIE/FRA/HK 1995), von ihren Fähigkeiten Zeugnis ablegten, ist das nicht per se abwertend gemeint. Frau Landon ist als Schauspielerin einfach unfähig. Ihr Versuch eine Rolle zu spielen ist fast schon grotesk komisch. Barbara Carrera ist als eine studierte Psychotherapeutin mit Doktortitel und als Leiterin einer therapeutischen Anstalt so unglaubwürdig wie Linda Hamilton in einer vergleichbaren Rolle in Separate Lives - Tödliches Doppelleben (USA 1991). Als Femme fatale bleibt sie auf erotische Reize reduziert und ihr Rollencharakter zeichnet sich durch keinerlei Persönlichkeit aus. Fast ist man geneigt zu sagen: Barbara Carrera ist einzig für ihre Sexszene mit dem Privatdetektiv überhaupt im Film, ansonsten völlig überflüssig.

 

Schon Harry Essex‘ Erstverfilmung von Der Richter bin ich (1953) geriet trotz Kameramanns John Alton (Flucht ohne Ausweg, USA 1948) und trotz Peggie Castle zum Flop und zwar zu Recht. Biff Elliots Darstellung von Mike Hammer ist bis heute eine beispiellos schlechte Verkörperung eines Rollencharakters im US-Kino der 50er Jahre. Adaptionen von Romanen Mickey Spillanes erwiesen sich auch in der Folge als problematisch, mit Der Killer wird gekillt (UK 1963) als nächstem Tiefpunkt, darin der Autor seinen Privatdetektiv im Film selbst verkörpert und auf unfassbare Weise zur Lachnummer wird. Obwohl Richard T. Heffrons Ich, der Richter von der Presse verrissen und vom Publikum missachtet wurde, schlüpfte für Mike Hammer – Mord auf Abruf (USA 1983) erstmals Stacy Keach in die Rolle des populären Detektivs, der dem Rollencharakter für drei Fernsehfilme und insgesamt 70 Folgen einer gleichnamigen TV-Serie treu blieb. Seit 1998 gab es allerdings keine Verfilmung eines Romans aus der Feder Mickey Spillanes mehr, und es gibt kaum etwas, was ich weniger vermisse. Wer sich den Privatdetektiv als Teil des Film Noir-Kanons ansehen will, greift zu Robert Aldrichs Rattennest (USA 1955), der bis dato besten Verfilmung eines Mike-Hammer-Romans.

 

In den USA erschien der Film unterm Originaltitel I, TheJury sowohl auf BD als auch als DVD (2016) in einer recht gut restaurierten Fassung via Kino Lorbeer, ungekürzt und im Originalformat. Bild- und tontechnisch gibt es hier nichts zu bemängeln, das Ganze beinhaltet allerdings keine Untertitel und auch keine Extras.

 


Neo Noir | 1982 | USA | Richard T. Heffron | Mickey Spillane | Armand Assante | Paul Sorvino

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