Tödliche Fragen

 

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Bewertung
****
Originaltitel
Q & A
Kategorie
Neo Noir
Land
USA/UK
Erscheinungsjahr
1990
Darsteller

Nick Nolte, Timothy Hutton, Armand Assante, Patrick O’Neal, Lee Richardson

Regie
Sidney Lumet
Farbe
Farbe
Laufzeit
132 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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New York nach Mitternacht: Der Transvestit Roger Montalvo (Paul Calderon), eine männliche Prostituierte und ein Informant der Polizei, betritt einen Nachtclub, aus dessen vergitterter Stahltür lateinamerikanische Rhythmen schallen und darüber Members only an die Wand gepinselt ist. Tatsächlich aber hat ihn der Police Lieutenant Mike Brennan (Nick Nolte) dazu gezwungen, der sich vor der Tür postiert und in dem Augenblick, als Tony Vasquez (Harry Madsen) hinter Montalvo aus der Tür kommt, aus seiner Deckung tritt. Indessen Montalvo auf und davon läuft, tötet Brennan den unbewaffneten Vasquez mit einem Kopfschuss und drückt dem Toten eine Waffe in die Hand, bevor er die durch den Schuss aus dem Club stürmenden Männer zu Zeugen seiner Notwehr beruft… Es ist drei Uhr am Morgen, als Kevin Quinn (Patrick O’Neal), Leiter des Büros der Mordkommission bei der Staatsanwaltschaft im Staat New York, den assistierenden Staatsanwalt Aloysius Francis Reilly (Timothy Hutton) aus dem Bett klingelt und ihn in sein Büro beordert. Ein Streifenwagen bringt den frischgebackenen, jungen Anwalt, Sohn eines irisch-stämmigen Polizeibeamten, der bei Ausübung seines Dienstes den Tod fand, zu dem hohen Vorgesetzten, der Reilly kurz darauf in seinem Büro empfängt. Es sei beinahe eine Formalie, so instruiert Quinn Reilly. Der von ihm über die Maßen geschätzte Brennan habe in Notwehr die üble Kanaille Vasquez erschossen, Reilly werde den Fall also aufnehmen und vor Gericht sauber und schnell abschließen…

 

“Mike Brennan is the best cop I ever saw!” Seine Meisterschaft des Erzählens und die vielschichtigen Portraits ambivalenter Rollencharaktere sind neben den politischen Konnotationen ein Markenzeichen vieler Thriller Sidney Lumets. Tödliche Fragen zählt zu den weniger bekannten Werken des über 5 Jahrzehnte hinweg produktiven Autors und Regisseurs, trotz enormer Qualitäten in der Anlage der Geschichte und der für Lumet so signifikanten Schauspielerführung. Sowohl Nick Nolte als auch Armand Assante tragen diesen Film mit ihren außergewöhnlich nuancierten Leistungen, denen beizuwohnen für den Cineasten in vielen Szenen zu einem Hochgenuss wird. Und trotz des Schauwerts in ästhetischen Kategorien und einer auf ein breites Publikum abgestimmten Dramaturgie als A-Produktion, ist Sidney Lumet auch hier kein Mann der lauen Kompromisse. Sein Skript nach dem gleichnamigen Roman (EA 1977, auf Deutsch 1990) von Edwin Torres zeigt an vielen Stellen die für Lumets Filme schon frühzeitig typische Kompromisslosigkeit. Hier gibt es keine Versatzstücke aus den Drehbuchschubladen des Wohlfühlkinos; in Tödliche Fragen herrschen die kühlen Gesetze von Macht und Machterhalt, unter deren Regime nichts hoch und nichts heilig ist. Die Drahtzieher und ihre Handlanger bewegen sich mit ungewöhnlicher Skrupellosigkeit und mit Raffinesse durch die Filmhandlung, Raubtiere mit und ohne eine Dienstmarke, ganz sicher aber ohne einen tief wurzelnden moralischen Kodex. Die Sphäre entfesselter Macht ist früher oder später selbst durch deren Hüter und Wächter nicht mehr im Zaum zu halten, so jene gnadenlose Schlussfolgerung, die bereits in Lumets Serpico (USA/ITA 1973), in Network (USA 1976) und in Prince Of The City - Die Herren den Stadt (USA 1981) das Geschehen bestimmte.

 

“Lumet's portrait is of a New York fueled by interracial tussle -- it's the melting pot as pressure cooker”, schrieb Hal Hinson zum Film für The Washington Post zur Premiere über Tödliche Fragen und lenkte wie Roger Ebert und Peter Travers den Blick auf die komplexen Beziehungen der ethnischen Gruppierungen, die für all jene mörderischen Spannungen zwischen den Kontrahenten eine Rolle spielen. Auch in der Beziehung von Staatsanwalt Al Reilly zu seiner früheren Verlobten Nancy Bosch (Jenny Lumet), die inzwischen mit dem Drogenbaron Bobby Texador (Armand Assante) verheiratet ist, spiegeln sich die extremen und aus einem über Generationen tradierten Rassismus entspringenden Abneigungen. Die irischen, schwarzafrikanischen, jüdischen und puerto-ricanischen Wuzeln der Protagonisten sorgen für Sprengstoff, der die Wunden, die sie einander zufügen, ganz besonders schmerzen lassen. Nick Nolte und Timothy Hutton traten 15 Jahre später in Off The Black (USA 2006) wieder gemeinsam vor die Kamera, Luiz Gusmán und Paul Calderon zeigten in vielen Neo Noirs ihre Qualitäten als Charakterdarsteller, indessen Armand Assante seinen Namen für zahllose schlechte B-Filme hergab, hin und wieder in Independent-Klassikern wie dem Neo Noir Tough Luck (USA 2003) aber bewies, was wirklich in ihm steckt. Der Neo Noir Tödliche Fragen stammt von einem Großmeister des Hollywood-Kinos und sei trotz einer schwachen Schlusssequenz empfohlen.

 

Exzellente deutsche DVD-Edition der Twentieth Century Fox Film Corporation (2003) mit dem Fim ungekürzt im Originalformat, dazu die original englische Tonspur und Synchronspuren auf Spanisch und Deutsch, ebenso Untertitel auf Spanisch und Englisch, den original Kinotrailer als Extra. Im Jahr 2013 veröffentlichte Pretty Gold Productions eine deutsche Neu-Edition als BD und auch als DVD mit dem Film ebenfalls ungekürzt im Originalformat, dazu die deutsche und die englische Tonspur ohne Untertitel und zudem ohne Extras.

 


Neo Noir | 1990 | USA | Sidney Lumet | Armand Assante | Luiz Guzmán | Nick Nolte | Paul Calderón

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