Big Shot, The

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Bewertung
****
Originaltitel
Big Shot, The
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1942
Darsteller

Humphrey Bogart, Irene Manning, Richard Travis, Susan Peters, Stanley Ridges

Regie
Lewis Seiler
Farbe
s/w
Laufzeit
82 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros.
 
Im Hospital eines Staatsgefängnisses erhält der ehemalige Mobster Joseph “Duke“ Berne (Humphrey Bogart) Besuch vom Anstaltsdirektor George Booth (Minor Watson) und von seinem ehemaligen Mithäftling George Anderson (Richard Travis). Letzterer hat sogar seine Verlobte Ruth Carter (Susan Peters) mitgebracht, doch der zuständige Arzt (Frank Mayo) teilt ihnen bereits auf dem Korridor mit, dass Berne bestenfalls noch ein paar Stunden zu leben hat. Mit einer Schusswunde liegt der Schwerverletzte im Krankenzimmer zu Bett. Während er sich im Kreis der Besucher findet, will er von Georges und Ruths Danksagungen nichts wissen und rät ihnen, eine Familie zu gründen und ein Auskommen zu finden. Als er zitternd eine Zigarette raucht, erinnert er sich an sein eigenes Leben. Drei Haftstrafen ließen ihn die Hälfte davon im Gefängnis zubringen, doch nach der letzten Entlassung hatte er beschlossen, selbst ein bürgerliches Dasein  zu führen. Doch wusste er nicht wie, denn Zeit seines Lebens hatte er nie etwas gelernt. Ziellos streifte er durch die nächtlichen Straßen, zog die Blicke der Streifenpolizisten auf sich und lebte von kaum mehr als Kaffee und Zigaretten. Eines Morgens saß Duke in Sarto’s Restaurant, als seine ehemaligen Kumpanen Frenchy (Joe Downing) und Sandor (Howard Da Siolva) hereinkamen. Sie hatten ihm ein Angebot unterbreitet, doch erneut lehnte es der ex-Häftling ab, so dass Frenchy beschloss, gegenüber dem Feigling einen anderen Ton anzuschlagen. Noch ließ Duke das ungestraft geschehen…
 
“Why feed a dead man, even if he is walking around?“ Seine Rollen in den frühen Film Noirs Entscheidung in der Sierra (USA 1941) und Die Spur des Falken / Der Maltser Falke (USA 1941) hatten dem bereits 41jährigen Schauspieler Humphrey Bogart nach vielen Jahren beim Studio Warner Bros. den lange erwarteten Durchbruch beschert. Von nun an stand sein Name auf den Kinoplakaten an erster Stelle, er spielte nicht länger die zweite Geige sondern die Hauptrolle. Allerdings sollte es noch bis zum November 1942 dauern, bis ihn der damals als einer von vielen Propagandafilmen gedrehte Casablanca (USA 1942) zu einem Filmstar von Weltruhm küren sollte. Bis dahin wirkte der neue “Leading Man“ Bogart in drei weiteren Produktionen seines Studios mit, zwei davon ebenfalls zu Zwecken der Kriegspropaganda initiiert, nämlich All Through The Night (USA 1941) und Abenteuer in Panama (USA 1942), letzterer mit drei Hauptdarstellern aus Die Spur des Falken /Der Malteser Falke (neben Bogart Sydney Greenstreet und Mary Astor) und mit John Huston als Regisseur. Der dritte Film ist eine Ausnahme, denn er war ein Film Noir und hieß The Big Shot und hatte im Juni 1942 seine Prämiere in den USA, bevor er in den Analen der Filmgeschichte verschwand. Zwar lief das Werk nach Kriegsende auch in einigen europäischen Ländern, Humphrey Bogart war nun längst ein Weltstar, doch viel Eindruck hinterließ es nicht. 1942 hatten der Überfall auf Pearl Harbor (Dezember 1941) und der Kriegseintritt der USA dazu geführt, dass das Kinopublikum vom latent düsteren Film Noir mit seinem fatalistisch pessimistischen Amerikabild nichts wissen wollte. Auch Paramounts Adaptionen von Büchern Graham Greenes, Cornell Woolrichs und Dashiell Hammetts, nämlich Die Narbenhand (USA 1942), Street Of Chance (USA 1942) und Der gläserne Schlüssel (USA 1942) war in diesem Jahr kein nachhaltiger Erfolg beschieden.
 
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© Warner Bros.
 
Als der Film Noir ab 1945 endlich zu Tragen kam und sich unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs radikal fortentwickelte, erschien The Big Shot mit seinen Wurzeln im Gangsterfilm und Sozialdrama der Dreißiger schon wieder etwas altbacken. Aus heutiger Perspektive erscheint das nachvollziehbar und ungerecht zugleich. Denn The Big Shot hat zugleich vieles, was gerade den Film Noir der zweiten Hälfte der Vierziger so auszeichnet. Seine Handlung wird in Rückblenden erschlossen, ein Erzähler aus dem Off leitet den Zuschauer hindurch, Kameramann Sidney Hickox (Tote schlafen fest, USA 1946) frönt einer expressionistischen Licht- und Schattenwelt, und Irene Manning ist als Good bad Girl nicht schlechter als ihre Nachfolgerinnen. Vor allem aber findet sich keine stereotype Aufteilung in Gut vs. Böse. “Duke“ Berne ist ein schillernder Charakter, dessen spät geborene Moral und dessen sarkastische Weltanschauung in einem funkensprühenden Spannungsverhältnis stehen, das dem Film - neben einem exzellenten Stanley Ridges als korruptem Rechtsanwalt mit Verbindungen in die Politik - viel Dynamik verleiht. Von Eleanor Parker hört man nur die Stimme, sie hat hier eins ihrer ersten Engagements überhaupt. The Big Shot erzählt eine schlichte Story, der Film ist kein Meisterwerk, aber eben auch kein bisschen moralinsauer und passagenweise seiner Zeit eindeutig voraus. Für den erfahrenen Film-Noir-Freund ist er damit eine Ergänzung des Kanons, für den Humphrey-Bogart-Fan sicher ein Muss.
 
Es gibt eine gute Edition (2015) als DVD-R in der Warner Archive Collection (USA) mit dem Film ungekürzt im Originalformat inklusive englischer Tonspur ohne Untertitel und ohne Extras. Einige europäische DVD-Editionen aus den letzten Jahren mögen ebenfalls hochwertig sein, liegen uns aber nicht vor. Als Der große Gangster lief der Film 1967 hierzulande erstmals im Fernsehen.
 

Film Noir | 1942 | USA | Lewis Seiler | Sidney Hickox | Howard Da Silva | Humphrey Bogart | Stanley Ridges | Eleanor Parker

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