Street Of Chance

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Bewertung
***
Originaltitel
Street Of Chance
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1942
Darsteller

Burgess Meredith, Claire Trevor, Louise Platt, Sheldon Leonard, Jerome Cowan

Regie
Jack Hively
Farbe
s/w
Laufzeit
77 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Paramount Pictures Corporation
 
In der Tillary Street im New Yorker Stadtteil Brooklyn wird ein Gebäude abgerissen. Während Passanten auf der Straße vorüberziehen, bricht eine Wanne mit Schutt durch die Baugerüste und knallt auf die Straße; ein Mann (Burgess Meredith) fällt und bleibt liegen. Ein Sanitäter und der Streifenpolizist Ryan (Cliff Clark) helfen dem Mann wieder auf die Beine, der bloß kurz bewusstlos war und sich kaum verletzte. Er heiße Frank Thompson und er wohne in North Rutherford, einem New Yorker Vorstadt, gibt er an, doch auf seinem Zigarettenetui und in seinem Hut, den ein Junge (Sonny Boy Williams) ihm reicht, finden sich die Initialen “DN“. Der Polizist rät ihm, sich sicherheitshalber im Krankenhaus checken zu lassen, doch Thompson, dem Brooklyn unbekannt ist, erkundigt sich bloß nach der nächsten Bushaltestelle und macht sich auf den Weg zu seiner Ehefrau Virginia (Louise Platt), die sich sonst sorgte. Als der Bus hält und Thompson in der Rutherford Street 169 in seine vier Wände heimkehren möchte, sieht er ein Schild “Zu vermieten“ im Fenster. Er klopft an die Tür, ruft den Namen seiner Frau, doch nur die Vermieterin Mrs. Webb (Bess Wade) von Gegenüber ist zur Stelle. Verwundert über sein Erscheinen erzählt sie ihm, dass auch die letzte Mieterin wieder ausgezogen sei. Thompson fordert sie barsch auf, ihm die neue Adresse seiner Frau zu nennen, und die erschrockene Dame schickt ihn in die Anderson Street. Hier lebt sie wirklich, doch unter ihrem Mädchennamen als Virginia Morrison und das seit über einem Jahr…
 
“All day long walking up and down this cockeyed street. I’m dead.” Das klingt dramatischer, als es wirklich gemeint ist. Doch illustriert es genau, was mit dieser Verfilmung eines Romans von Cornell Woolrich, nämlich dessen Der schwarze Vorhang (EA 1941), nicht ganz stimmt. Es ist ein früher Film Noir nach einer exzellenten Romanvorlage und mit einem Erzähler aus dem Off, einer soliden Dramaturgie und einer guten Kameraarbeit vom deutschen Exilanten Theodore Sparkuhl (Der gläserne Schlüssel, USA 1942), obendrein mit Claire Trevor und Sheldon Leonard in tragenden Rollen. Das Filmstudio Paramount Pictures hatte im Mai 1942 Frank Tuttles Film Noir Die Narbenhand nach einem Roman (EA 1936) Graham Greenes veröffentlicht. Fast zeitgleich mit der Prämiere von Street Of Chance folgte im Oktober auch Stuart Heislers Der gläserne Schlüssel nach dem gleichnamigen Roman (EA 1931) Dashiell Hammetts. Man hatte bei Paramount mit dem Film Noir die Nase vorn in diesem Jahr, man verfilmte die dunklen Stoffe der Zeit und man wählte die richtigen Darsteller dafür. Nur eben nicht Burgess Meredith… Genau der ist für eine schillernde, undurchsichtige Figur aus einem Cornell-Woolrich-Buch leider der Falsche und das zeigt sich schon früh in diesem Film. Um mit dem zentralen Thema der Amnesie wirklich zu punkten, muss der Zuschauer über die Hintergründe und Lebensumstände des Protagonisten Frank Thompson im Unklaren bleiben. Das ist auch so. Allerdings  zweifelt der Zuschauer keinen Augenblick daran, dass Frank Thompson ein hoch anständiger, netter Kerl ist, was dem Film so ziemlich jede Spannung nimmt. Mit Burgess Meredith als Biedermann, einer Art Schmalspur-Spencer-Tracy, steht das dunkle Geheimnis seines komplett vegessenen Lebensjahrs als Dreh- und Angelpunkt des Geschehens auf verlorenem Posten.
 
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© Paramount Pictures Corporation
 
Und genau so agieren die Rollencharaktere auch. Gutes Schauspiel? Aufgeheizte Chemie zwischen dem doppelgesichtigen Protagonisten und seinen beiden Frauen? Fehlanzeige! Und zwar auf ganzer Linie. Einer denke bitte an Alan Ladd und Veronica Lake in Die Narbenhand (USA 1942) und Der gläserne Schlüssel (USA 1942). Einer denke an Humphrey Bogart und Mary Astor in Die Spur des Falken / Der Malteser Falke (USA 1941) oder an Robert Taylor und Lana Turner in Der Tote lebt (USA 1941). Wenn Louise Platt ihrem Gatten nach über einem Jahr der Trennung die Tür öffnet, hat man das Gefühl, sie habe einen Stock verschluckt. Liebe, Leidenschaft, Begehren…? Keineswegs, nicht die Bohne! Das Gleiche wiederholt sich mit umgekehrten Rollen beim ersten Treffen von Burgess Meredith mit Claire Trevor. Nun ist er es, der steif wie ein Brett agiert, indessen die wunderbare Claire Trervor alle Register zieht und doch kein bisschen misstrauisch wird. Nein! Jack Hively ist nicht in der Lage, Woolrichs Roman glaubwürdig zu inszenieren. Und Burgess Meredith ist nicht der Darsteller, den es gebraucht hätte, um eine solche Inszenierung zu bewerkstelligen. So bleibt Street Of Chance eine mittelmäßige Fußnote des Katalogs frühen Film Noirs, einerseits selten und obskur, andererseits auch zäh und voller unausgegorener Rollencharaktere, denen die Inszenierung und das Schauspiel kaum Leben einhauchen. Kann man sehen, muss man aber nicht, denn es gibt weit Besseres aus der Zeit. In Deutschland hatte das Werk 1985 unterm Romantitel Der schwarze Vorhang seine Prämiere im Fernsehen.
 
Die Film Noir Foundation lud 2013 auf ihrem Noir City Festival Nr. 11 in San Francisco zur Vorführung einer in Kooperation mit Universal Pictures, die heute die Rechte am Film besitzen, neu restaurierten Fassung des Films. Kurzzeitig gab es in den USA eine Bootleg-DVD; aktuell gibt es den Film jedoch weltweit weder als BD noch als DVD zu erwerben.
 

Film Noir | 1942 | USA | Jack Hively | Cornell Woolrich | Burgess Meredith | Sheldon Leonard | Ann Doran | Claire Trevor

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