Swerve

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Bewertung
***
Originaltitel
Swerve
Kategorie
Neo Noir
Land
AUS
Erscheinungsjahr
2011
Darsteller

Jason Clarke, Emma Booth, David Lyons, Travis McMahon, Vince Colosimo

Regie
Craig Lahiff
Farbe
Farbe
Laufzeit
83 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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In den südaustralischen Outbacks, fern von der nächsten Stadt, liegt der Ort Neverest, außerhalb dessen heute ein Drogenkurier (Edmund Pegge) für eine beträchtliche Geldsumme in bar einem asiatischen Käufer (Chan Griffin) einen Aktenkoffer Heroin übergibt. Doch der Käufer bemerkt zu spät, dass das Heroin so falsch ist wie der ganze Verkauf, denn auf dem Grund des Koffers tickt eine Bombe, die ihn und seinen Wagen in die Luft gehen lässt. Und schon rast der Betrüger mit dem Geld zurück auf die Straße… Zur gleichen Zeit packt in einer in der Nähe gelegenen Villa Jina (Emma Booth), die Frau des Polizeichefs von Neverest (Jason Clarke), ihren Koffer, entnimmt dem Tresor ein Bündel Bargeld und fährt aus der staubigen Einfahrt ebenfalls auf die Schnellstraße… Unweit davon ist Colin Petersen (David Lyons) auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch nach Broken Hill, das noch gut 100 Meilen entfernt liegt. Dummerweise ist ihm der Kühlschlauch gerissen, den er an der Kreuzung nach Neverest stehend in der Mittagshitze notdürftig flickt. Er versucht ein nahendes Auto anzuhalten, doch dessen Fahrer (Travis McMahone) rast Richtung Neverest davon. Wieder auf der Straße wird Colin von dem Drogenkurier mit seinem Aktenkoffer voll Geld überholt. Doch jener hat nicht damit gerechnet, dass ihm auf der einsamen Straße an dieser unübersichtlichen Stelle Jina entgegen käme. Sein Wagen kommt von der Straße ab, überschlägt sich mehrfach, indessen ein schwarzer Aktenkoffer aus dem Seitenfenster fliegt…
 
“That noir like idea of two men, a woman and a bag of money was basically the source of the idea I’ve had for some time”, erläuterte der 2014 verstorbene Autor und Regisseur Craig Lahiff (Black And White, AUS 2002) gegenüber dem Beat Magazine seine Idee zum Projekt, das sein letzter Film werden sollte. Doch mit Ideen ist das so eine Sache, sind sie der langen Tradition des Film Noirs geschuldet. So hat Swerve bei vielen Zuschauern und Kritikern eine Erinnerung an Oliver Stones U-Turn - Kein Weg zurück (FRA/USA 1997) und an John Dahls Red Rock West (USA 1993) wachgerufen, zwei Neo Noirs der 90er, von denen sich Lahiff ganz offensichtlich hat stark inspirieren lassen. In ersterem strandet Sean Penn mit leckem Kühlschlauch und einer Tasche voll Geld, das ihm nicht gehört, in einem Wüstennest, wo Jennifer Lopez ihm schöne Augen macht und Nick Nolte das nicht gutheißt. In Red Rock West braucht der völlig ahnungslose Nicholas Cage einige Zeit, bis er über den von J.T. Walsh gespielten Sheriff Wayne Brown im Bilde ist und mit dessen Femme fatale Lara Flynn Boyle das Weite sucht. Aber nicht im Abkupfern einer Geschichte sondern in dem Versuch, ihre kurzzeitig parallelen Stränge als verhängnisvolle Koinzidenzen im ungünstigsten Augenblick zusammen treffen zu lassen, zeigt sich der Einfluss des US-amerikanischen Film Noirs besonders. Für das letzte Viertel stand wiederum Peter Hyams' Narrow Margin - 12 Stunden Angst (USA 1990) Pate, seinerseits Neuverfilmung von Richard Fleischers Film Noir Um Haaresbreite (USA 1952), auch das ist unübersehbar. Die Geschichte The Appointment in Samarra (EA 1933) von W. Somerset Maugham, die der Barkeeper von Neverest einem Besucher zuletzt vorträgt, gibt es exakt so auch in Peter Bogdanovichs Bewegliche Ziele (USA 1968), darin Boris Karloff sie zum Besten gibt.
 
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© Ascot Elite Home Entertainment
 
“You know what being a cop taught me? There is no justice. It’s a short trip to the grave...” Abgesehen von den altbekannten Zutaten und Zitaten ist Swerve über weite Strecken durchaus kurzweilig, denn der Film profitiert von seinen Schauplätzen, den Darstellern und vor allem von der dezent treibenden Musikbegleitung aus der Feder des australischen Musikers Paul Grabowsky. Schon in den ersten sechs Minuten, die komplett ohne ein gesprochenes Wort auskommen, setzt jener einen Akzent, der den Rhythmus des Werks deutlich unterstützt. Für Liebhaber klassischen Film Noirs ist Swerve an einem verregneten Abend unter der Woche keinesfalls eine schlechte Wahl. Er ist wie die Speisekarte einer Imbissbude, die man schon länger nicht mehr besuchte, voller angenehmer Erinnerungen. Nur innovativ ist der Film an keiner Stelle, zudem macht ihm das wenig treffsichere Marketing zu schaffen, das ihn in Deutschland als rasanten Actionthriller zu bewerben sucht, was er nicht ist. Bis zum Ende (fast) durchgehend vorhersehbar ist Swerve dennoch kaum langweilig, zugleich auch nicht bemerkenswert. Er zählt zur Legion mittelprächtiger Produktionen, die in der Umsetzung zwar vieles richtig machen, damit jedoch die Schwächen des Drehbuchs nicht ausgleichen können. Erwähnenswert ist allemal, dass Australien in den letzten Jahren eine Reihe von Neo Noirs ins Kino brachte und auch in Zukunft Aufmerksamkeit verdient.
 
Exzellente BD- und DVD-Ausgaben (2012) der Ascot Elite Home Entertainment mit dem Film ungekürzt im Originalformat, wahlweise die deutsche oder englische Tonspur, optional deutsche Untertitel, den Kinotrailer als Extra.
 

 

 

Neo Noir | 2011 | International | Craig Lahiff | Chris Haywood | Jason Clarke | Roy Billing | Vince Colosimo

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