Würger von Boston, Der

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Bewertung
****
Originaltitel
The Strangler
Kategorie
Post Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1964
Darsteller

Victor Buono, David McLean, Diane Sayer, Ellen Corby, Davey Davison

Regie
Burt Topper
Farbe
s/w
Laufzeit
89 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Es ist spät abends und die Krankenschwester Helen Lawson (Selette Cole) zieht sich in ihrem Schlafzimmer aus und will zu Bett gehen. Als das Telefon klingelt, weiß Sie noch nicht, dass sie aus dem Nebenraum von Leo Kroll (Victor Buono) beobachtet wird, Ihr Verlobter Jack Rosten (Robert Cranford) ist am Apparat. Doch Helen hat keine Chance mit ihm zu sprechen. Hinterrücks hat sich Kroll ihr genähert, seine Hände um ihren Hals gelegt und drückt zu. Helen Lawson sinkt auf das Sofa, und Leo Kroll, nachdem er die Puppe einer Frau aus der Manteltasche zog, schließt der Toten die Augen… Zuhause entkleidet Leo Kroll die Puppe, ein Kinderspielzeug, und wirft ihre Strümpfe und das Kleid zu Boden. Dann legt er sie nackt in eine Schublade, worin sich bereits mehrere andere befinden. Er geht zu einem Plattenspieler, eine Schallplatte ist schon aufgelegt, und rückt den Tonabnehmer in die Startrille… Ein Polizeiwagen rast durch die Nacht, hält vor dem Apartmentblock, worin Helen Lawsons ihre Wohnung hat. Ein zweiter Wagen fährt vor, Police Lt. Frank Benson (David McLean) und Sgt Mack Clyde (Baynes Barron) steigen aus und bahnen sich durch die schaulustige Nachbarschaft einen Weg zur Treppe. Vor Ort ist die Spurensicherung und Robert Cranford, der Helens Leiche fand und die Polizei alarmierte, gibt Lt. Benson apathisch Auskunft darüber, was sich aus seiner Perspektive zugetragen hat. Doch Benson ist klar, dass der Serienkiller auch bei seinem achten Mordopfer keine Spuren hinterlassen hat…
 
“Whoever your killer is, he’s a man to whom a lie detector test probably means very little.” In den frühen Sechzigern waren es in den USA häufig unabhängig produzierte B-Filme, die in Inhalt und Form stets vom Film Noir der Vierziger und Fünfziger beeinflusst waren. Aber nach Alfred Hitchcocks Psycho (USA 1960) war das Korsett der Zensur mit Blick auf Psychopathologie und Gewaltdarstellung merklich gelockert. Während in Europa Michael Powells Augen der Angst (UK 1960) einen Sturm der Entrüstung auslöste und zum Skandal avancierte, folgten mit Allen Barons Explosion des Schweigens (USA 1961) oder John Frankenheimers Botschafter der Angst (USA 1962) Filmwerke, darin die mörderischen Ambitionen ihrer Protagonisten dezidiert in deren Kindheit oder in der Beziehung zu einem Elternteil wurzelten. Manche Werke der Post-Noir-Phase thematisierten zumindest anteilig eine je hoch problematische Beziehung von Männern zu Frauen, etwa Blake Edwards’ Der letzte Zug (USA 1962) oder J. Lee Thompsons Ein Köder für die Bestie (USA 1962), und das in einer Weise, wie sie in den Fünfzigern undenkbar gewesen wäre. Burt Toppers Der Würger von Boston liegt zwar ein realer Fall zugrunde, auf dem er mehr oder minder gründet, zugleich rangiert er genau in der Linie der genannten Werke und schneidet als B-Produktion alles andere als schlecht ab. Im Gegenteil sticht der heute obskure Film positiv hervor, denn das Skript und Jacques R. Marquettes Kameraarbeit und die Besetzung zeigen überraschende Qualitäten weit jenseits des schmalen Budgets, das kaum ins Gewicht fällt.
 
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Andererseits sollte man diese B-Produktion nicht überbewerten, denn Burt Toppers Film folgt einer im Grunde schlichten Dramaturgie. Genau das unterscheidet ihn beispielsweise von Samuel Fullers Der nackte Kuss (USA 1963) oder Der Schock-Korridor (USA 1964), zwei gleichermaßen für ihre Zeit vom klassischen Film Noir geprägte B-Filme, die an mancher Tabugrenze zu kratzen wagten. Allemal ist Victor Buonos sensibles und ausdrucksstarkes Porträt des Rollencharakters Leo Kroll eine darstellerische Leistung, die das Werk hoch über die Standardthriller seiner Liga erhebt. Vor dem Hintergrund ist schwer nachvollziehbar, warum Fullers Werke inzwischen erstklassig restauriert und editiert als je BD und DVD der Criterion Collection (USA) vorliegen, während Der Würger von Boston nur als digitale Billigware von miserabler Bild- und Tonqualität kursiert, zumal er gerade deshalb kaum einer Handvoll Cineasten noch bekannt sein dürfte. Der Kriminalfall des Serienmörders von Boston, der zwar 1964 eine Verurteilung nach sich zog, aber bis heute als möglicherweise unaufgeklärt gilt, führte schließlich zu Richard Fleischers Thriller The Boston Strangler (USA 1968) mit Tony Curtis und Henry Fonda in den Hauptrollen. Dieser ist um vieles konventioneller und auf seine Schock-Effekte begrenzt, ein trotz Staraufgebot und eines ungleich größeren Budgets schwächerer Film. Wer als Freund des Film Noirs die Gelegenheit hat, sich Burt Toppers Der Würger von Boston anzusehen, sollte sie daher nicht ungenutzt lassen.
 
Auch in Deutschland gibt es den Film als eine teure, französische DVD-Edition, die ihn ungekürzt im Originalformat mit wahlweise englischer oder französischer Tonspur, optional französischen Untertitel, aber in lausiger Bild- und Tonqualität anbietet. Eine umfassende Restauration und Neu-Edition ist mehr als überfällig.
 

Post Noir | 1964 | USA | Burt Topper | James Sikking | Ellen Corby

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