Alois Nebel

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Bewertung
****
Originaltitel
Alois Nebel
Kategorie
Neo Noir
Land
CZ/SVK/GER
Erscheinungsjahr
2011
Darsteller

Miroslav Krobot, Marie Ludviková, Karel Roden, Leos Noha, Alois Svehlik

Regie
Tomás Lunák
Farbe
s/w
Laufzeit
81 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© good!movies
 
Der eigenbrödlerische, wortkarge Alois Nebel (Miroslav Krobot) ist Fahrdienstleiter am Bahnhof von Bílý Potok, einer im ehemaligen Sudetenland an der tschechoslowakisch-polnischen Grenze gelegenen Ortschaft. Er hat eine Katze, der er Milch vor die Tür stellt und mit Wachek (Leos Noha) einen jüngeren Kollegen, der nicht bloß zu spät zum Dienst erscheint sondern vor allem mit den russischen Militärs krumme Geschäfte macht. Er und sein Vater Starý Wachek (Alois Svehlik) handeln auf dem Schwarzmarkt mit Alkohol, Zigaretten und Lebensmitteln und sie leben gut davon. In einer im September 1989 schon herbstlich kühlen Nacht überschreitet der stumme Nemý (Karel Roden) von Polen aus die Grenze. Er wird von Grenzsoldaten verfolgt, die ihn in dem nächtlichen Wald mit Leuchtspurmunition erspähen und einen Spürhund hinter ihm her hetzen. Aber Nemý tötet das Tier mit einer Axt und kann über einen Bergbach setzen und seine Spur verwischen. Wachek erzählt am darauf folgenden Abend seinem Vater davon, doch den interessiert das nicht. Indessen sieht Alois Nebel vom Fenster seines Wohnzimmers, wo das Bild des Vaters, ehemals auch Fahrdienstleiter eben dieses Bahnhofs, an der Wand hängt, eine Dampflok die Strecke entlang donnern, die es längst nicht gibt - einen Gespensterzug der Vergangenheit... Am nächsten Morgen regnet es in Strömen. Alois Nebel fertigt die Regionalbahn ab, die ein paar Passagiere bringt und wieder im Regen verschwindet. Wachek trifft ein und stellt seinem Vorgesetzten eine unerwartete Frage...
 
Ein weit in der Vergangenheit zurückliegendes Verbrechen, das mittels fetzenhaft ins Gedächtnis einfallender  Erinnerungen in Rückblenden wiederkehrt, wenn des Nachts der schon lange aus dem Fahrplan gestrichene Zug nochmals am Bahnhof von Bílý Potok vorüber dampft. Es ist neben dem Erzähler, der dazu die Ankunftszeiten an den auf der Strecke liegenden Stationen diessseits und jenseits der tschechoslowakisch-polnischen Grenze aufsagt, längst nicht der einzige Einfluss internationalen Film Noirs, dessen expressionistisches Schwarzweiß in einfühlsamer Weise den Bogen zwischen dem Kriegsende 1945 und der durch Perestroika und Fall der Berliner Mauer 1989 ermöglichten Neuordnung der politischen Verhältnisse in der damaligen Tschoslowakei schlägt. Die Verfilmung der von Autor Jaroslav Rudiš und Zeichner Jaromir 99 geschaffenen Comicbuch-Triliogie Alois Nebel (EA 2003-2005) durch den Regisseur Tomás Lunák erhielt 2012 den Europäischen Filmpreis als bester Animationsfilm und wurde im gleichen Jahr als offizieller Beitrag Tschechiens für den Oscar als Bester ausländischer Film und Bester Animationsfilm eingereicht, aber nicht nominiert. „Die verfilmte Graphic Novel "Alois Nebel" ist das genaue Gegenteil dessen, woran man zur Zeit bei dem Begriff "Animationsfilm" wahrscheinlich als erstes denken muss“, schrieb Gregor Torinus für Spielfilm.de über dieses Werk. Nun, allerdings! Von den schrill-hektischen, an die Grenzen der Hysterie gepitchten US-Produktionen der Walt Disney Company, etwa durch deren hauseigene Pixar Animation Studios, ist hier nichts zu sehen und nichts zu spüren. Wohl nicht zuletzt deshalb dauerte es über zwei Jahre von der Erstaufführung in Prag 2011 bis zum deutschen Kinostart im Dezember 2013, indessen der Film in ganz Europa längst zur Aufführung gelangt war.
 
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© good!movies

 
„Aufgebaut wie ein klassischer Film noir kombiniert Alois Nebel Atmosphäre, Stil und Anliegen zu einem Gesamtkunstwerk (…) fernab von Hollywoods Reduzierung auf bloßes family entertainment“, fasst Joachim Kurz für Kino-Zeit.de zusammen. Neben der Dramaturgie ist die Technik der Rotoskopie einer Erwähnung wert. Alois Nebel wurde in 40 Tagen als Realfilm gedreht und im Anschluss in über zweijähriger Handarbeit in einen Animationsfilm verwandelt, der in seiner Grundstimmung an Christian Volckmans Renaissance (FRA/UK/LUX 2006) erinnert und sich sehen lassen kann. Wer sich in eurpäischer Geschichte auskennt, fällt es leichter, sich in der auf ihre Eckpunkte reduzierten Erzählung zurechtzufinden, doch wird dem aufmerksamen Zuschauer in keiner Weise etwas vorenthalten. Die Charaktere und ihre (stets gut erkennbaren) Schauspieler/innen sind erstklassig, das Tempo geruhsam und flüssig zugleich. Das Beste, was dem deutschen Animationsfilm (und dem deutschen Film) seit Jahren widerfährt, sind Kooperationen wie diese. Dabei gehen Kreativität und Initiative vom Ausland aus, demgegenüber die konservative hiesige Filmlandschaft sich als Partner anbietet. So sehr wird das Denken über Filmkultur hierzulande vom Gestern und den in Fernsehanstalten geschulten Kaufleuten ferngesteuert, das rundum kaum etwas gedeiht, was in Erinnerung bleibt. Tschechien, das eine wunderbare Filmtradition hat, zeigt mit Alois Nebel und mit Ve Stinu (CZ/SVK/POL 2012), ebenfalls mit Miroslav Krobot und Ivan Trojan, wie man es richtig macht.
 
Die hiesigen BD- und DVD-Ausgaben (2014) von good!movies sind bild- und tontechnisch topp und bringen den Film ungekürzt im Originalformat mit wahlweise einer deutschen Tonspur oder mit dem tschechischen Originalton sowie mit optional deutschen oder englischen Untertiteln. Empfehlenswert!

Neo Noir | 2011 | International | Tomás Lunák | Ivan Trojan | Miroslav Krobot | Ondrej Malý | Stanislav Majer

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