Renaissance

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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
****
Originaltitel
Renaissance
Kategorie
Neo Noir
Land
FRA/UK/LUX
Erscheinungsjahr
2006
Darsteller

Daniel Craig, Romola Garai, Ian Holm, Kevork Malikyan, Catherine McCormack (Sprecher der Originalfassung)

Regie
Christian Volckman
Farbe
s/w
Laufzeit
101 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Paris im Jahr 2054: Der mächtige Pharmakonzern Avalon beherrscht die Stadt in Wirtschaft und Politik. Rund um die Uhr überwachen Kameras das Geschehen innerhalb und außerhalb öffentlicher Gebäude der Metropole und allerorten platziert das Unternehmen seine Werbebotschaften, die den Kunden Schönheit, Gesundheit und Langlebigkeit versprechen - die Attribute eines glücklichen Lebens. Die erst 22jährige Wissenschaftlerin Ilona Tasuiev arbeitet für den Konzern an einem ebenso wichtigen wie von der Zentrale geheim gehaltenen Projekt. Eines Abends sucht sie in der Discothek „71“ den Barkeeper Dimitri auf. Dieser schuldet ihr einen nicht näher benannten Gefallen, für den sie ihn bereits bezahlt hat. Doch Dimitri redet sich heraus und gibt vor, das Geld anderweitig benötigt zu haben. Er bedroht sie sogar, bis schließlich ihre Schwester Bislane auftaucht, die Dimitri schnell klarmacht, dass er abhauen solle. Ilona macht Bislane Vorwürfe, weil sie nicht zu dem Bürojob erschienen ist, den sie ihr organisierte, sich stattdessen aber amüsiert. Doch Bislane juckt das wenig und so geht Ilona ihres Weges. Als sie bei ihrem in einer Seitenstraße geparkten Auto ankommt, fällt ihr der eigene Hund vom Fahrersitz tot vor die Füße und ein Unbekannter ergreift sie von hinten. Ilona Tasuiev wird zum Opfer einer Entführung. Barthélémy Karas, ein für seine Ermittlerfähigkeiten berühmter Inspektor, soll das Verschwinden der Frau aufklären. Avalon macht keinen Hehl aus der Relevanz der Forschungsarbeit seiner Mitarbeiterin und setzt den Ermittler und sein Team gehörig unter Erfolgsdruck…
 
Renaissance ist ein vollständig computeranimierter Film, der mithilfe des sogenannten Perfomance-Capture-Verfahrens erstellt wurde. Darunter versteht man ein (auf dem Motion-Capture-Verfahren aufgebautes) Scannen der Bewegungsabläufe und Gesichtsausdrücke realer Personen, die im Computer auf dreidimensional angelegte Modelle übertragen werden können. Im Jahr 2009 sorgte James Camerons Science-Fiction-Film Avatar für Aufsehen, da mit diesem Verfahren erstellte Charaktere in einer virtuellen Umgebung mit realen Personen derart gemeinsam auftraten, das für den Zuschauer kein Unterschied mehr wahrnehmbar wurde. Auch Renaissance verblüfft in der Art, wie die Körperbewegungen sowie Gestik und Mimik der Protagonisten im Rahmen der Handlungsorte scheinbar „realistisch“ wirken, also deutlich über dem Niveau herkömmlich animierter oder computergenerierter Filme, deren Technik stets sichtbar bleibt. Der mit Perfomance Capture (noch) nicht vertraute Zuschauer stellt sich daher auch bei Renaissance vielleicht die Frage: „Wie haben die das gemacht?“
 
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© Ascot Elite Home Entertainment GmbH
 
Christian Volckmans Film, der in 6 Jahren Arbeit fertig gestellt wurde, geht seinen technischen Voraussetzungen nicht auf den Leim und platziert sie nicht im Vordergrund. Die größte Besonderheit des Films ist, dass er komplett Schwarzweiß ist, d.h. tatsächlich fast ohne Grauwerte auskommt. Darin liegt eine gehörige Radikalität, denn es mutet dem Zuschauer zu, sich darauf einzustellen und daran zu gewöhnen. Wer dazu gewillt ist, kommt in den Genuss eines optisch einmaligen Films und einer allemal soliden und mit Film-Noir-Elementen gewürzten Geschichte. „Mit Renaissance ist ein Film gelungen, der gerade wegen seiner ausgefallenen Optik stark an Sin City erinnert, doch der Erzählstil ist ein ganz anderer. Ein wenig tendiert er in die Richtung Film-Noir, lässt sich diesem Genre aber nicht ganz eindeutig zuordnen“, schreibt Jörg Hesse für Splashmovies und hat zu 100 % recht. Es gibt Sequenzen, die an Julien Duviviers Pépé le Moko - Im Dunkel von Algier (FRA 1937) denken lassen und Teile scheinen von Peter Yates’ Bullitt (USA 1968) inspiriert, darin Steve McQueen den „benutzten“ Ermittler spielt. Die verschachtelte Kriminalgeschichte mit ihren Geheimnissen der Vergangenheit, dem doppelten Spiel fast aller Beteiligten und dem Femme-fatale-Charakter der Frauen, dazu die offensichtliche Referenz des Schwarzweiß’ in einem Film, der großteils nachts spielt – diese dystopische Fiktion à la Fritz Langs Metropolis (GER 1926) arbeitet eindeutig mit Stilmitteln des Film Noirs. Doch ist die Geschichte im Moment der Entwirrung ihrer Fäden nicht sehr originell und erscheint aus Versatzstücken von Bekanntem zusammen gesetzt. An der Stelle enttäuscht ein Film, der den Versprechen seiner Exposition, sie sind nicht allein stilistischer Natur, nur zu Teilen gerecht wird. Dennoch ist Renaissance für den aufgeschlossenen Cineasten ein Erlebnis und im Gegensatz zu Sin City (USA 2005) durchaus mehr als nur ein Mode- und Zeitgeistprodukt.
 
Erstklassige DVD- oder auch 2DVD-Ausgabe von Ascot Elite Home Entertainment (2007), d.h. ungekürzt im Originalformat mit wahlweise englischer (unbedingt zu empfehlen!) oder deutscher Tonspur, optional deutschen Untertiteln, im Fall der 2DVD als Extras: Kinotrailer, diverse Interviews, ein Hinter den Kulissen, ein Musikvideo, Bildergalerien, etc.
 

Neo Noir | 2006 | France | Christian Volckman

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