blaue Lampe, Die

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Bewertung
***
Originaltitel
The Blue Lamp
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1950
Darsteller

Jack Warner, Jimmy Hanley, Dirk Bogarde, Robert Flemyng, Bernard Lee

Regie
Basil Dearden
Farbe
s/w
Laufzeit
81 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Im Londoner Stadtteil Paddington Green wird auf der dortigen Polizeistation der Neuling PC Andy Mitchell (Jimmy Hanley) vom Veteranen PC George Dixon (Jack Warner) unter seine Fittiche genommen. Die zunehmende Kriminalität in der Großstadt bedroht die Menschen allerorten. Aber die Bobbys patroullieren durch Londons Straßen und sind  in kleinen wie in großen Lebensfragen der Bürger Freunde und Helfer. Auch untereinander unterstützen sie sich. So nimmt PC Dixon den jungen Andy Mitchell bei sich auf, solange dieser in der Weltstadt noch keine Bleibe gefunden hat. Und Mrs. Dixon (Gladys Henson), die anfangs von der Idee nicht entzückt war, freundet sich schnell mit dem pflichtbewussten, jungen Mann an. Eines Tages meldet Mary Bertha Lewis (Betty Ann Davies), nachdem durch einen Streit, den sie mit ihrem Ehemann Alf Lewis (Frederick Piper) ausgefochten hatte, die Polizei herbeigerufen wurde, dass ihre älteste Tochter Diana (Peggy Evans) seit zwei Nächten nicht nach Haus gekommen sei. Tatsächlich zieht es das Mädchen vor, ihre Tage mit den jungen Kriminellen Spud (Patric Doonan) und Tom Riley (Dirk Bogarde) zu verbringen. Die beiden wollen in Kürze einen Einbruch begehen. Dafür suchen sie die Unterstützung Mike Randalls (Michael Golden), eines professionellen und alterfahrenen Dieb, der sich  mit den hitzköpfigen Jungspunden jedoch nicht einlässt. So beschließen Riley und Spud, ihren Coup auf eigene Faust durchzuführen und zwar in der morgigen Nacht, indessen Dixon und auch Mitchell im Spätdienst sind…
 
“Those restless, ill-adjusted youngsters have produced a type of delinquent which is partly responsible for the postwar increase in crime.“ Der propagandistische Biedersinn und Konservatismus, mit dem der kurzzeitig auch als Polizist tätige Drehbuchautor T.E.B. Clarke hier aufwartet, ist selbst für die Zeit der Entstehung des Dramas nur lächerlich. Die trennscharfe Darstellung der Polizisten als grundehrliche, pflichtbewusste, empathische Gutmenschen gegenüber den jugendlichen Gangstern – geisteskranke, egoistische, triebgesteuerte Mordbuben – erweist sich als dermaßen angestaubt, als sei der Film aus den Frühdreißigern. Solche Trennung findet im Film sogar formal einen bizarren Niederschlag. Die im Sonnenschein wandelnden und in hübsch dekorierten Kleinbürgerstuben hockenden Szenen mit den Bobbys in ihren sauberen Uniformen haben mit Film Noir rein gar nichts zu tun - nicht einmal mit einem Kriminaldrama. Sie wirken vielmehr wie die spezifisch englische Variante eines Heimatfilms, darin der in seiner Jovialität kaum erträgliche Spießbürger PC George Dixon als ein Londoner Hans Moser umhergeht - ebenso grantig und kauzig wie zutiefst gutherzig. Dieses ist so offensichtlich verlogen und gestrig, dass noch die Außenaufnahmen im London des Jahres 1949 dem heutigen Zuschauer nur begrenzt ein nostalgisches Vergnügen bieten. Seinerzeit kritisierte lediglich Gavin Lambert, Chefherausgeber der traditionellen englischen Filmzeitschrift Sight & Sound das kommerziell erfolgreiche Werk, indem er feststellte, Die blaue Lampe firmiere als “specious brand of mediocrity“.
 
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Demgegenüber erweisen sich die Szenen mit Patric Doonan und Dirk Bogarde wie solche aus einem anderen Film. Die Dynamik und Vitalität ihrer Charaktere ist seine zentrale Qualität. Plötzlich ist die Ödnis des semidokumentarischen Einerleis im Polizeialltag, den die pflichtschuldige Verantwortung für die Sicherheit in der Stadt mit Pathos aufpumpen soll, wie weggeblasen und das Drama bricht sich Bahn. Geradezu verräterisch ist, wie sich im Finale auf einer Hunderennbahn der Film sogar zu einem cineastischen Paradestück aufschwingt, wenn nun die Berufsverbrecher der Polizei assistieren, – Fritz Langs M - eine Stadt sucht einen Mörder (GER 1931) lässt grüßen – um sich die Schmeißfliege des Copkillers Tom Riley aus dem Nacken zu wischen. Vor allem ist es die Leistung Dirk Bogardes, der mit 28 Jahren das Ensemble locker an die Wand spielt, die einer Erwähnung wert ist. Wenn er den Film im Ganzen auch nicht rettet, ist er in seiner Entwicklung des Charakters schlicht großartig. Zudem beweist die heute kaum noch bekannte Peggy Evans in all ihren Szenen mit ihm ein gehöriges Maß an Klasse. Die blaue Lampe jedoch mit Jules Dassins Stadt ohne Maske / Die nackte Stadt (USA 1948) zu vergleichen, was aufgrund des semidokumentarischen Stils gern getan wird, ist Unsinn, da die Filme mit Blick auf ihren ideologischen Kern an entgegen gesetzten Polen des Spektrums stehen. Die blaue Lampe wirkt in ihrer Biederkeit verstaubter als viele Stummfilme und ist für den Film-Noir-Freund sicher kein Muss.
 
Gewohnt gute DVD-Edition (2006) der Optimum Releasing Ltd. / Studiocanal mit dem Film bildtechnisch und im Originalformat exzellent restauriert, dazu den englischen Originalton ohne Untertitel und ohne Extras.
 

Film Noir | 1950 | UK | Basil Dearden | Bernard Lee | Dirk Bogarde | Jack Warner | Robert Flemyng

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