M - Eine Stadt sucht einen Mörder

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Psychologische Verteidigung


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Eddie Muller


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Bewertung
*****
Originaltitel
M
Kategorie
Pre Noir
Land
GER
Erscheinungsjahr
1931
Darsteller

Peter Lorre, Otto Wernicke, Gustaf Gründgens, Ellen Widman, Inge Landgut

Regie
Fritz Lang
Farbe
s/w
Laufzeit
111 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Schon seit acht Monaten sucht man in der Stadt nach einem Kindermörder, doch die Polizei tappt im Dunkeln. Im Hof eines Mietshauses spielen mehrere Kinder nach einem Auszählreim über einen „schwarzen Mann“, aber die Bewohner reagieren nervös und verbieten es. Schon ist es 12:00 Uhr. Die Schule ist beendet und Frau Beckmann (Ellen Widmann) erwartet bald ihre Tochter Else (Inge Landgut) zum Mittagessen. Sie deckt den Tisch, sieht immer wieder ins Treppenhaus. Ein Verkäufer ihres Romanabonnements klingelt an der Haustür, doch auch er hat Else nicht gesehen. Tatsächlich war sie auf dem Heimweg, als sie an einer Litfasssäule von einem Fremden (Peter Lorre) auf ihren schönen Ball angesprochen wurde. Dieser hat ihr bei einem blinden Händler (Georg John) einen Luftballon gekauft, bevor Else mit ihm weiter schlenderte. Elses Ball rollt in ein Wiesenstück. Zeitungsverkäufer rasen die große Hauptstraße hinab. Lauthals schreien sie: „Extrablatt! Extrablatt!“ Das Schulkind Else Beckmann lebt nicht mehr. Sie wurde ein weiteres Opfer des ominösen Mörders, dessen man partout nicht habhaft wird. Der Polizeipräsident (Ernst Stahl-Nachbaur) gerät in Erklärungsnot. Seine Situation verschlimmert sich sogar, als der Mörder einen Brief an die Presse lanciert, den diese gleich abdruckt. Nicht nur Kommissar Karl Lohmann (Otto Wernicke) heftet sich nun an seine Spur, auch der Schränker (Gustaf Gründgens) will den Spuk beenden, denn der Kindermörder vermasselt vor allem der Unterwelt das Geschäft…
 
“Displaying a soul so tortured it’s lost in lunacy, Lorre became the first actor who put a sad, scary - and human - face on crime. This was essential to the development of noir, and M deserves to be recognized among the genre’s earliest progenitors”, schreibt Eddie Muller, Gründer der Film Noir Foundation, über Fritz Langs Meisterwerk in seinem Buch Dark City: The Lost World of Film Noir (1997). Der Filmjournalist Paul Werner resümiert in Film noir - Die Schattenspiele der schwarzen Serie (EA 1986) zum internationalen Stellenwert des Films: „Bezüglich seiner visuellen Gestaltung stellt der Film einen klaren Rückgriff aus den Schattenstil des Expressionismus’ dar, und in der Thematisierung eines obsessiven Mörders und einer „normalen“ Verbrecherwelt nimmt er den Film noir vorweg.“ Tatsächlich darf Fritz Langs vielschichtiges Portrait des Kindermörders Hans Beckert zu den wichtigsten Vorläufern des Film Noirs gerechnet werden. Zugleich stellt es einen jener seltenen deutschen Tonfilmklassiker dar, der unmittelbar vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten deutlich macht, wohin sich der deutsche Film richtungsweise hätte entwickeln können. In seiner Zersplitterung aller Gut-Böse-Schemata und mit einer schonungslosen Darstellung von Freud und Leid auf allen Etagen gesellschaftlichen Lebens transzendiert Lang den Kosmos des Kriminalfilms, kaum dass dieser in Hollywood mit The Public Enemy (USA 1931) und Der kleine Cäsar (USA 1931) auf den Plan trat. M - Eine Stadt sucht einen Mörder ist ein komplexer Film, dessen Fragestellungen zur Ethik in Sozialgefügen einen von der ersten Minute „anspringen“. Es ist ein Film, der einem nahegeht und auch formal Exzellenz beweist.
 
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© Universum Film GmbH
 
Seinen eingangs semidokumentarischen Stil und der späterhin ausdrückliche Verzicht auf einen „Helden“, das kontrastreiche Schwarzweiß und die Großstadt als ein Topos unüberschaubarer Vielfalt, in Straßenszenen und auf Stadtplänen verdeutlicht, sind großartig umgesetzt. Vor allem aber wirkt die Verschränkung von Welt und Gegenwelt, die explizite Einsicht in die Mechanismen sozialer Gemeinschaften, die im Fall der Fälle mit den gleichen Methoden und aus den gleichen Motiven gegen einen Störenfried und Außenseiter vorgehen. Hierin offenbart sich nach dem schockierenden Entree gerade im letzten Drittel die ganze Ambivalenz eines Films, der sich weder hinter einer falschen Dynamik noch einer Parteinahme verschanzt, sondern schlicht durch seine Nüchternheit und „Kühle“ so beklemmend, anrührend und faszinierend bleibt. Bekanntermaßen grandioses Schauspiel seitens Peter Lorre, für den dies der internationale Durchbruch war, aber auch Otto Wernicke, Gustaf Gründgens und viele der nur kurz auftretenden Nebendarsteller des Ensembles sind fulminant. Der deutsche Jude Peter Lorre floh 1933 ins Exil: „Für zwei Mörder wie Hitler und mich ist in Deutschland kein Platz.“ Fritz Lang folgte ihm nach und wurde ab 1936 Wegbereiter und Mitinitiator des Film Noirs in Hollywood. Zwei Jahrzehnte später schuf Joseph Losey (als eine ursprünglich Douglas Sirk angetragene Auftragsarbeit) unterm gleichen Filmtitel M (USA 1951) ein heute fast vergessenes US-Remake.  
 
Erstklassige Neuausgabe als BD oder 2DVD (2011, zum 80. Jahrestag der Uraufführung) von Universum Film, München, die nach der Erstrestauration in den Jahren 2001/02 das Ausgangsmaterial jetzt in hoch auflösender Qualität präsentiert: nahezu in Originallänge wieder erstellt und im Originalformat, den ursprünglichen deutschen Ton (2011) restauriert und die Tonspur von 2001, jeweils auf Deutsch, dazu 360 Minuten (!) an Extras: die Filmdokumentation The Hunt For "M"  und The Hunt For The Fil"M", ein Audiokommentar über den historischen Hintergrund, ein Interview mit Fritz Lang, etc. pp. Ein Muss!
 

Pre Noir | 1931 | International | Fritz Lang | Gerhard Bienert | Heinrich Gretler | Otto Wernicke | Peter Lorre

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